Wohnungsnot

So sind die Preise für Berliner Studenten-WGs gestiegen

Eine neue Studie ergibt: Die Preise für studentische Wohnungen steigen, der Markt ist angespannt. Die CDU fordert Notfallquartiere.

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Foto: imago stock

Berlin. Für Studierende wird es in Berlin immer schwieriger, eine bezahlbare Unterkunft zu finden. Die Preise für WG-Zimmer und studentische Wohnungen sind im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die allgemeine Wohnungsknappheit im niedrigen Mietpreissektor trifft die Studenten und Studentinnen der Stadt. Zu diesem Ergebnis kommt das Moses Mendelssohn Institut (MMI) in Kooperation mit dem Immobilienportal WG-Gesucht.de nach einer Untersuchung aller 96 deutschen Standorte mit mehr als 5000 Studierenden. Die Analyse entstand im Auftrag des Immobilienunternehmens GBI, das auch Bauprojekte für studentisches Wohnen entwickelt.

Laut der Auswertung mehrerer Zehntausend Wohnungsangebote auf WG-gesucht.de kostet ein Berliner Studentenzimmer derzeit im Schnitt 420 Euro. Das sind 20 Euro mehr als im Vorjahr, allerdings lag der Durchschnittspreis 2016 auch schon bei 420 Euro. Bundesweit liegt der Schnitt laut den Zahlen des MMI derzeit bei 363 Euro. Die Preise in Berlin liegen weiterhin deutlich hinter der teuersten Stadt für studentisches Wohnen: München. Dort ist der WG-Zimmerpreis laut MMI von 570 auf 600 Euro angestiegen. Am günstigsten sind Studentenzimmer mit 230 Euro in Chemnitz.

Berlin gehört zu den deutschen Studentenstädten, in denen die Preise am stärksten angestiegen sind. 2013 lagen die Preise mit 335 Euro noch knapp über dem Bundesdurchschnitt.

Höhere Studierendenzahlen

Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung beim Berliner Senat, führt den Anstieg auch auf die deutlich höheren Studierendenzahlen zurück. Studierten 2013 in Berlin noch 160.000, sind es in diesem Jahr bereits 187.000. Angesichts der steigenden Mietkosten setze sich der Berliner Senat daher bundesweit für eine Anpassung der Bafög-Sätze ein. Die Wohnkostenpauschale liegt derzeit bei 250 Euro.

Berlin hat auch in einem weiteren Ranking des MMI deutlich zugelegt. Im sogenannten Anspannungsindex ist Berlin um vier Plätze auf den sechsten Rang geklettert. In den Index fließen neben der Preisentwicklung 22 weitere Faktoren wie die Studierenden- und Erstsemester-Zahlen, die Altersstruktur der Bewohner, die Quote geförderter Wohnheime und das sonstige Immobilienangebot ein.

„Vor allem an Standorten, die ohnehin gefragt sind, spitzt sich die Lage zu“, sagt Stefan Brauckmann, Direktor des Moses Mendelssohn Instituts. Wo die Wirtschaft besonders gut laufe und allgemein viel Zuzug verzeichnet werde, sei die Konkurrenz für Studierende bei der Wohnungssuche besonders groß.

3570 Studierende auf Warteliste

Ein Problem in Berlin: Lediglich 5,6 Prozent der Studierenden kommen in subventionierten Unterkünften wie Studentenwohnheimen unter, bundesweit sind es 9,6 Prozent. Laut dem Berliner Studierenden-Werk stehen für das kommende Wintersemester 3570 Studierende auf der Warteliste. Die Zahl dürfte in den nächsten Wochen ansteigen. Durchschnittliche Wartezeit: ein bis drei Semester.

Nicht berücksichtigt bei dieser Auswertung des MMI werden Studentenwohnungen, die die landeseigenen Wohnungsunternehmen bauen. Laut einem Beschluss des rot-schwarzen Vorgängersenats von 2015, den Rot-Rot-Grün nun umsetzen will, sollen bis in drei Jahren 5000 solcher Wohnungen entstehen. Davon sind laut den beteiligten Senatsverwaltungen derzeit höchstens 520 fertig. Staatssekretär Krach sagt, auch das Studierenden-Werk schaffe neuen Wohnraum. Und: „Wir werden auch zukünftig noch mehr in diesen Bereich investieren müssen.“

Der wissenschaftspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Hans-Christian Hausmann, nennt die Wohnungslage für Studenten alarmierend. Am Ende könnten Betroffene den Einstieg ins Studium verpassen, weil Berlin sich beim Wohnungsbau so schwertue. „Das geht zulasten des Bildungserfolgs angehender motivierter Studenten“, sagt Hausmann. Die Forderung der CDU: Das Wohnangebot erhöhen und Notfallquartiere für Studierende schaffen.

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