Nahverkehrsplan

Mehr Züge für gestresste Berufspendler rund um Berlin

Brandenburg präsentiert den überarbeiteten Nahverkehrsplan mit vielen Verbesserungen. Kritik kommt aus Spandau.

Der Regionalexpress RE 1 auf der Strecke

Der Regionalexpress RE 1 auf der Strecke

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin/Potsdam.  Gute Nachrichten für Pendler: Berlin und Brandenburg haben sich auf den neuen Nahverkehrsplan verständigt. Demnach soll es in den kommenden zehn Jahren zehn Millionen Zugkilometer mehr in der Region geben. Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) stellte den Plan am Donnerstag in Potsdam vor. „Wir werden mehr Linien einrichten, mehr Züge auf die Schienen bringen, die Infrastruktur ausbauen und die Qualität des Angebots verbessern“, sagte Schneider. Während eine Reihe Verbesserungen bereits umgesetzt wird, wird der Großteil aber erst nach 2022 realisiert.

Fest steht, dass auch die Verlängerung der S-Bahn-Strecken ins Umland möglichst zügig in Angriff genommen wird. Dabei geht es um die Verlängerung der Linie S25 von Teltow nach Stahnsdorf und von Hennigsdorf nach Velten sowie der Linie 2 von Blankenfelde nach Rangsdorf. Außerdem soll auf den Linien S1, S2 und S5 der Takt verdichtet werden, um die steigende Zahl der Pendler aus dem Umland besser zu versorgen. Auf zahlreichen Regionalexpress-Strecken werden bereits dieses und kommendes Jahr mehr und größere Züge eingesetzt. So wird der RE2 zur Hauptverkehrszeit und am Wochenende häufiger fahren, der RE6 während der Landesgartenschau in Wittstock im 60-Minuten-Takt verkehren und beim RE7 zwischen Berlin und Bad Belzig im Berufsverkehr ein zusätzlicher Zug eingesetzt.

Weiterer Ausbau der Regionalexpress-Strecken nach 2022

Ab 2022 soll der RE1 dann dreimal in der Stunde von Brandenburg an der Havel nach Frankfurt (Oder) fahren, der RE2 zwischen Berlin und Lübbenau im 30-Minuten-Takt. Auch neue Linien sollen Pendlern zugutekommen. Der RE3 wird künftig Schwedt, Berlin, Ludwigsfelde und Jüterbog verbinden, der RE4 Rathenow, Berlin, Jüterbog, Falkenberg und Wittenberg.

Nach 2022 soll dann der weitere Ausbau der Regionalexpress-Strecken erfolgen und die Wiederaufnahme des Betriebes der sogenannten Heidekrautbahn im Norden Berlins von Pankow bis in die Schorfheide in Angriff genommen werden.

„Der neue Landesnahverkehrsplan soll zeigen, dass wir es ernst meinen“, sagte Schneider am Donnerstag. In den vergangenen Jahren hatten Berlin und Brandenburg den Ausbau des Schienenverkehrs vernachlässigt und das Angebot vor allem in Brandenburg teilweise sogar zurückgefahren. Doch angesichts von 300.000 Pendlern, die täglich von und nach Berlin fahren, ist ein Ausbau dringend erforderlich.

Neue Strecken und Taktverdichtungen stoßen allerdings an die Grenzen der – teilweise maroden – Infrastruktur. Zentral für die Verbesserung des Angebots ist deshalb der Ausbau wichtiger Verkehrsknotenpunkte, wie zum Beispiel der zweigleisige Ausbau der Strecke Berlin–Cottbus und der Umbau des Karower Kreuzes. Hier müssen insgesamt 13 Brücken erneuert werden, um die Pendler von Bernau und Panketal nach Berlin transportieren zu können.

"Das ist nicht der Sprung, den wir brauchen"

Keine Lösung fanden die Verkehrsplaner für die Streckenführung in Wustermark/Elstal südwestlich Berlins. Hier sind in der Vergangenheit mehrere Logistikzentren entstanden, weitere in Planung und zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen worden. Hielt die RB21 bislang in Elstal, soll sie künftig in Wustermark halten. Das hat in der Region zu heftigen Protesten geführt. Wegen der hohen Belastung der Bahnhöfe Spandau und Potsdam durch überregionalen Zugverkehr sei die Streckenführung schwierig, sagte Schneider. Im September startet dazu ein Schlichtungsverfahren. „Vielleicht finden wir ja noch eine bessere Lösung“, sagte Schneider.

Kritik kam aus Berlin. Im Bezirksamt Spandau ist man mit dem Nahverkehrsplan nur in Teilen zufrieden. Die künftige Direktverbindung zwischen Spandau und Potsdam und die zusätzlichen Züge zwischen Nauen und Berlin seien positiv, aber: „Ansonsten ist nicht viel drin, was uns weiterhilft“, sagt Bezirksstadtrat Frank Bewig (CDU). So gebe es etwa weiterhin keine Entscheidung, was die viel diskutierte S-Bahn-Verlängerung nach Nauen betrifft. Bewigs Fazit lautet deshalb: „Das ist nicht der Sprung, den wir brauchen, um den wachsenden Pendlerverkehr zu regeln.“

Auch in Reinickendorf gibt es Kritik: Für Tobias Siesmayer, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung, fehlen in dem Plan drei wesentliche Punkte. Nummer eins: Park&Ride-Parkplätze, die laut dem Kommunalpolitiker im Norden dringend gebaut werden müssen. Nummer zwei: Die Ausweitung des Tarifbereichs B auf den ersten Bahnhof in Brandenburg. „Brandenburger finden es zurzeit attraktiver, mit dem Auto nach Reinickendorf reinzufahren“, sagt Siesmayer. So entstehe ein Konkurrenzkampf um den begrenzten Parkraum mit den Menschen, die im Bezirk wohnen. Und auch der zweigleisige Ausbau der S-Bahn-Strecken in Richtung Landkreis Oberhavel lasse auf sich warten. „Für den Norden“, resümiert Siesmayer, „ist der Nahverkehrsplan leider ernüchternd.“

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