Stadtentwicklung

Grünanlagen in Berlin: Jetzt sind die Bürger gefragt

Eine Charta soll Flächen sichern. Die Senatorin plant eine Bürgerbeteiligung, Grüne fordern Parks in neuen Stadtvierteln.

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Spätestens der Glutsommer 2018 brachte es an den Tag: Verbrannte Wiesen in vielen Parks und dürregeschädigte Straßenbäume zeugen davon, dass sich Berlin um die Zukunft seiner Grünflächen Gedanken machen sollte. Der Klimawandel schreitet voran und die meisten Experten sind überzeugt, dass sich solche Hitzeperioden mit den entsprechenden Folgen für das Stadtgrün künftig häufen werden.

Der Senat hat deshalb am Dienstag beschlossen, unter Mithilfe der Berliner eine Charta für das Berliner Stadtgrün zu erarbeiten. „Berlin wird als moderne, lebenswerte Metropole nur bestehen, wenn das Grün in der Stadt und die verschiedenen Herausforderungen wie Flächenkonkurrenzen oder Klimawandel in Einklang gebracht werden“, sagte Umweltsenatorin Regine Günther. Welche Prioritäten die von den Grünen nominierte parteilose Politikerin selber setzt, liegt auf der Hand: „Stadtgrün spendet Schatten, kühlt die Stadt ab und bietet Raum für Erholung und Entspannung“, sagte Günther vor der Presse. „Das müssen wir erhalten, pflegen und ausbauen“.

Was sie genau tun will in den nächsten Monaten, möchte die Senatorin noch nicht sagen, um nicht dem Beteiligungsverfahren vorzugreifen. Ab Oktober sollen die Bürger online und in Workshops sagen, wie grün Berlin denn eigentlich sein soll. Bis zum Frühjahr soll dann der Text der Charta als einer „Selbstverpflichtung und Selbstverständigung“ der Stadtgesellschaft verhandelt werden, so die Senatorin. In der zweiten Jahreshälfte 2019 sollen Senat und Abgeordnetenhaus darüber abstimmen.

Günther erhofft sich Rückenwind, wenn sie für den Erhalt von grünen Flächen streitet. „Die Diskussion heißt ‚Bauen, Bauen, Bauen‘“, da gebe es „Zielkonflikte“. Die Charta biete dann eine Grundlage, um nicht nur jedes einzelne Grundstück zu bearbeiten, sondern dabei einer politischen Linie folgen zu können.

Die Bürger sollen auch sagen, wie ihre Grünflächen aussehen sollen. Sind kleinere „Poket-Parks“ gewünscht? Wollen sie lieber Fußball spielen auf großen Wiesen oder sich in geschützten Winkeln zurückziehen? Soll gegrillt werden dürfen? Welche Pflege braucht welcher Park? Wie kommt man gegen die Vermüllung an?

Konzept für Baumbewässerung in Arbeit

Günthers Referatsleiter Peter Wichert sagte, der probeweise Einsatz der BSR in inzwischen 50 Parks zeige Wirkung. Nun sei aber deutlicher, wie die Grünflächenämter der Bezirke Sträucher, Bäume und Wiesen pflegen sollten. Aber es gebe 2400 Grünanlagen in Berlin. Es sei eine politische Entscheidung, wie viel Geld Berlin für die Sauberkeit dort ausgeben wolle.

Wichtig seien auch die Straßenbäume. Allein in Pankow seien 4000 Bäume zu jung, um mit ihren Wurzeln das Grundwasser zu erreichen. Man arbeite deshalb an einem Konzept, wie man die Bäume wässern könne, wenn wieder ein solcher Sommer wie 2018 folge.

Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus muss nicht die Ergebnisse der Charta abwarten und kann deshalb forscher etwas für das Grün fordern. Auf ihrer Fraktionsklausur, die am Mittwoch und Donnerstag in Hamburg fortgesetzt wird, haben die Grünen einige Beschlüsse gefasst. So sollen alle geplanten neuen Stadtquartiere mit Parks ausgestattet werden. Es müsse auch geklärt werden, wo und wie Flächen für neues Grün gesichert werden könnten, sagte Fraktionschefin Antje Kapek: „Zwingend brauchen wir dafür eine klare Priorität auf Grünflächen beim Grundstücksankauffond. Aber auch vorhandene Flächen wie Friedhöfe und Kleingärten müssen für das Stadtgrün gesichert werden.“

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