Einsatz in Berlin

Festnahme: Terrorverdächtiger soll Anschläge geplant haben

In Berlin ist ein islamistischer Gefährder festgenommen worden. Der Tschetschene soll einen schweren Anschlag vorbereitet haben.

GSG9-Spezialeinsatzkräfte in Berlin (Archivbild)

GSG9-Spezialeinsatzkräfte in Berlin (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Kay Nietfeld / picture alliance / Kay Nietfeld/

Berlin. Die Polizei hat am Mittwochmorgen einen islamistischen Terrorverdächtigen in Berlin festgenommen. Der 31 Jahre alte Tschetschene Magomed-Ali C. wird verdächtigt, einen schweren Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet zu haben.

Die Bundesanwaltschaft ließ den russischen Staatsbürger am Mittwochmorgen mit Unterstützung von Beamten des Bundeskriminalamtes, der GSG 9 und des Berliner Landeskriminalamtes festnehmen. Der Einsatz fand in Spandau und im Pankower Ortsteil Buch statt, dort wurde die Wohnung des Beschuldigten durchsucht. Der Maßnahme lag ein Haftbefehl des Bundesgerichtshofs vom 9. August 2018 zugrunde. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mit.

In Berliner Sicherheitskreisen hieß es, der Verdächtige sei kein Unbekannter gewesen. „Er war auf der Liste der Gefährder.“ Der Mann habe in Berlin gelebt und sei schon länger im Visier der Behörden gewesen. Erkenntnisse, dass C. aktuell einen Anschlag geplant habe, gebe es nicht. Vielmehr handele sich um die Aufarbeitung eines älteren Falles aus dem Jahr 2016.

Terrorverdächtiger verkehrte in Salafisten-Moschee

Demnach wird Magomed-Ali C. dringend verdächtigt, damals gemeinsam mit dem in Frankreich Inhaftierten Clément B. ein Attentat in Deutschland vorbereitet zu haben.

Clément B., der am 18. April 2017 in Marseille festgenommen wurde, soll darüber auch geplant haben, gemeinsam mit einem weiteren, ebenfalls festgenommenen Komplizen in Frankreich einen Sprengstoffanschlag zu begehen. Bei seiner Festnahme befand sich Clément B. im Besitz von mehreren Schusswaffen und drei Kilogramm TATP (Triacetontriperoxid). Den hochexplosiven Sprengstoff hatten er und sein Komplize im Frühjahr 2017 in Frankreich gemeinsam hergestellt.

Im Zuge der französischen Ermittlungen ergaben sich dann Verdachtsmomente gegen Magomed-Ali C. in Berlin, die schließlich zu dessen Festnahme führten.

Wie die Berliner Morgenpost im März dieses Jahres berichtete, soll Clément B. auch Kontakt zum Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, unterhalten haben. Wie Amri, verkehrten auch Magomed-Ali C. und Clément B. in der inzwischen geschlossenen Fussilet-Moschee in Moabit.

Geplanter Anschlag sollte möglichst viele Menschen töten

In einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft heißt es: Der Verdächtige „verwahrte (...) 2016 in seiner Wohnung in Berlin eine erhebliche Menge TATP. Mit diesem Sprengstoff wollte der radikal-islamistisch gesinnte Beschuldigte gemeinsam mit (...) Clément B. einen Sprengsatz herstellen.“

Dieser Sprengsatz sollte den Ermittlern zufolge zu einem nicht bekannten Zeitpunkt an einem unbekannten Ort in Deutschland gezündet werden, um eine möglichst große Anzahl an Menschen zu töten und zu verletzen. Die Anschlagsvorbereitungen der beiden wurden jedoch aufgrund eines präventiven Einsatzes der Berliner Polizei gegen Magomed-Ali C. gestört.

In der Folge befürchteten Magomed-Ali C und Clément B., dass die Berliner Polizei die Wohnung von C. durchsuchen könnte, in der der Sprengstoff lagerte. Daher beschlossen sie, sich zunächst zu trennen. Magomed-Ali C. blieb in Berlin. Clément B. reiste Ende Oktober 2016 von Berlin über Aachen nach Frankreich. Dort wurde er am 18. April 2017 festgenommen.

Der Einsatz am Mittwoch sollte vor allem den Verbleib des Sprengstoffs aufklären. Dieser wurde bei der Durchsuchung allerdings nicht gefunden.

Magomed-Ali C. wird am Donnerstag dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden, der ihm den Haftbefehl eröffnen und über eine Untersuchungshaft entscheiden wird.

Senator plädiert für mehr Sicherheit

Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) hat den Schutz der Bürger als oberstes Ziel betont. "Ich sehe die heutige Festnahme als klares Signal an alle Menschen, die uns angreifen wollen. Wir haben sie im Blick und greifen zu, wenn es möglich ist", teilte Geisel am Mittwoch mit. Geisel dankte den Sicherheitskräften des Landes- sowie des Bundeskriminalamtes. Mit ihrem Einsatz hätten sie erneut für mehr Sicherheit gesorgt.

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