Ausbildung

Neue Azubis zahlen an der Charité kein Schulgeld mehr

Die Neuregelung betrifft diejenigen, die sich zum Logopäden, Physiotherapeuten oder in der Diätassistenz ausbilden lassen.

 In diesem Jahr seien durch den Schulgeldverzicht Einnahmeausfälle von knapp 19.000 Euro zu erwarten

In diesem Jahr seien durch den Schulgeldverzicht Einnahmeausfälle von knapp 19.000 Euro zu erwarten

Foto: pa

Berlin. Auch im Gesundheitswesen herrscht Fachkräftemangel. Um Ausbildungsgänge attraktiver zu machen, hat die Charité für drei Berufsfelder das Schulgeld gestrichen. Wer von Oktober an am Universitätsklinikum eine Ausbildung in der Logopädie, Physiotherapie oder Diätassistenz absolviert, muss nichts mehr zahlen. Allerdings profitieren von der Neuregelung nur diejenigen, die dann ihre Ausbildung beginnen.

Wer im Herbst sein zweites oder drittes Ausbildungsjahr anfängt, muss weiter Schulgeld zahlen: 105 Euro pro Monat in der Diätassistenz, 157,50 Euro in der Physiotherapie und 325,50 Euro monatlich in der Logopädie. Das geht aus der Antwort der Wissenschaftsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage der SPD-Abgeordneten Bettina König hervor. Sie ist noch nicht veröffentlicht, liegt aber der Berliner Morgenpost vor.

Einnahmeausfälle von knapp 19.000 Euro zu erwarten

Die Charité habe im vergangenen Jahr rund 276.000 Euro Schulgeld eingenommen, heißt es dort. In diesem Jahr seien durch den Schulgeldverzicht Einnahmeausfälle von knapp 19.000 Euro zu erwarten. Die Summe speist sich aus 14 neuen Azubis in der Logopädie und 16 in der Diätassistenz. Für angehende Physiotherapeuten beginne in diesem Jahr kein Kursus.

Im kommenden Jahr würden sich die Einnahmeausfälle bereits auf knapp 121.000 Euro summieren, teilte Wissenschaftsstaatssekretär Steffen Krach unter Berufung auf Angaben des Universitätsklinikums mit. Dann kämen zu den bestehenden Auszubildenden im Mai weitere 14 in der Logopädie hinzu sowie ab Oktober 20 Auszubildende in der Physiotherapie.

Laut Charité wird zwar die theoretische Ausbildung in den genannten Ausbildungsgängen von den Krankenkassen finanziert, die praktische Ausbildung jedoch nicht. Sie führt das darauf zurück, dass anders als für die Ausbildung in der Krankenpflege „keine gesetzgeberischen Klarstellungen zur Finanzierung der praktischen Ausbildung erfolgt sind“. Die Charité wies zudem darauf hin, dass sie im Unterschied zu anderen Berliner Ausbildungsstätten keine investive Förderung je Ausbildungsplatz erhalte.

Verzicht auf Schulgeld wird nicht ausgeweitet

Bislang plant der Charité-Vorstand nicht, den Verzicht auf das Schulgeld auch auf die Auszubildenden im zweiten und dritten Ausbildungsjahr auszuweiten. Dies würde ab Herbst insgesamt 82 Menschen betreffen und bis zum Jahr 2020 zu weiteren Einnahmeausfällen von 371.000 Euro führen, hieß es in der Antwort auf die SPD-Anfrage. Bettina König kritisiert das. „Gerade die Gesundheitsberufe müssen attraktiv sein, denn wir haben hier akuten Personalmangel. Das Schulgeld zu streichen, ist daher überfällig und richtig. Dies muss aber für alle Auszubildenden gelten – unabhängig vom Lehrjahr. Alles andere ist ungerecht“, sagte sie der Morgenpost.

Der Wissenschaftsstaatssekretär tritt ebenfalls für eine Änderung ein. „Wir möchten, dass auch für die Auszubildenden im zweiten und dritten Ausbildungsjahr kein Schulgeld mehr erhoben wird. Wir werden mit der Charité darüber sprechen und auch die finanziellen Fragen klären“, sagte Krach. „Ich bin zuversichtlich, dass wir zeitnah eine Lösung finden werden“, fügte er hinzu.

Beim kommunalen Gesundheitsversorger Vivantes stellt sich das Pro­blem nicht. Dort würden keine Logopäden und Physiotherapeuten ausgebildet, teilte eine Sprecherin mit. Vivantes beteilige sich an der Ausbildung von Physiotherapeuten im Rahmen von Kooperations- und Stipendienmodellen.

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