Personalnot

1000 Feuerwehrleute hören bald auf - und fehlen Berlin

Bis zum Jahr 2022 geht in Berlin ein Viertel der Belegschaft in den Ruhestand. Die Feuerwehr sucht neue Kameraden.

Die Feuerwehr braucht neues Personal

Die Feuerwehr braucht neues Personal

Foto: pa

Berlin. Die Personalnot bei der Berliner Feuerwehr droht sich in den kommenden Jahren zu verschärfen. Bis zum Jahr 2022 gehen mehr als 1000 Beschäftigte in den Ruhestand und müssen ersetzt werden. Das geht aus einer Senatsantwort auf eine noch unveröffentlichte Anfrage der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Betroffen ist demnach vor allem der mittlere feuerwehrtechnische Dienst, sprich jene Kameraden, die Einsätze fahren und Brände löschen.

Feuerwehr plant einen Stellenaufwuchs

Allein im laufenden Jahr werden 138 dieser Beschäftigten in den Ruhestand versetzt, 2021 erreicht man einen Spitzenwert von 202 Feuerwehrmännern, die aus Altersgründen ausscheiden. Auch in den anderen Jahren – 2019, 2020 und 2022 – wird die Feuerwehr durchschnittlich rund 180 Mitarbeiter pro Jahr verlieren. Dazu kommen die scheidenden Kräfte des gehobenen und höheren Dienstes. Gleichzeitig plant die Feuerwehr einen Stellenaufwuchs, um den steigenden Einsatzzahlen gerecht zu werden. Für das kommende Jahr soll die Zahl der Beschäftigten im Einsatzdienst von derzeit 3934 auf 4049 steigen, wie aus der Senatsantwort hervorgeht. Was bedeutet, dass die Feuerwehr in diesem und nächsten Jahr mindestens 283 neue Einsatzkräfte einstellen muss.

Oliver Mertens, stellvertretender Vorsitzender der Bezirksgruppe der Feuerwehr bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezweifelt, dass das zu schaffen ist. „Wenn alles gut geht, kriegen wir das hin – ich bin jedoch skeptisch, dass das hinhaut und wirklich für eine Entlastung der Einsatzkräfte sorgt“, sagt er. Ein Grund: Schon jetzt seien viele Kameraden nicht mehr voll einsatzfähig, könnten aufgrund körperlicher Probleme nur noch selten, bisweilen gar nicht mehr zu Einsätzen fahren und erledigten deshalb Arbeiten in der Feuerwache. „Zudem bleibt wegen der dünnen Personaldecke keine Zeit für freiwillige Fortbildungen, die helfen würden, neue Einsatztaktiken zu lernen.“ Um den Herausforderungen der nächsten Jahre gerecht zu werden, müsse man deutlich mehr Feuerwehrleute einstellen. „Wir brauchen jährlich rund 350 neue Kräfte“, sagt er.

Auch mehr Polizisten sollen eingestellt werden

FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja unterstützt Mertens in diesem Anliegen. „Die desolate Personalsituation bei der Feuerwehr wird sich auch langfristig nicht verbessern, wenn in den nächsten Jahren allein die Ruhestände kompensiert werden“, sagt er. Mit ihren Zukunftssorgen ist die Feuerwehr nicht allein. Laut Berechnungen gehen auch bei der Polizei bis zum Jahr 2022 knapp 40 Prozent der rund 17.000 Vollzugsbeamten in den Ruhestand. Gleichzeitig sollen perspektivisch mehr Polizisten eingestellt werden. Es sei nicht ganz einfach, geeignete Bewerber zu finden, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik kürzlich. Derzeit werden rund 1300 Polizisten für den mittleren und höheren Dienst ausgebildet. Ziel der Behörde ist es, wieder 19.000 Vollzugsbeamte auf die Straße zu bringen. Jetzt seien es rund 17.000.

Freie Feuerwehr verliert Leute durch Wegzug

Schwierig ist die Situation auch bei den rund 1500 freiwilligen Feuerwehren, die die Berufsfeuerwehr unterstützt. Zwar verzeichnen die Jugendfeuerwehren großen Zulauf – schwierig wird es aber beim Übergang zur normalen freiwilligen Feuerwehr. Mertens: „Aufgrund des angespannten Wohnungsmarktes finden die jungen Leute beim Auszug aus dem Haus ihrer Eltern oft keine Wohnung im Umfeld ihrer Feuerwache und müssen den Dienst daraufhin verlassen.“ Er wünscht sich deshalb Hilfe seitens der Politik. „Senat und Bezirke könnten über die städtischen Wohnungsbaugesellschaften dafür sorgen, dass Wohnungen eher an Ehrenamtler vergeben werden“, sagt er.

Die Innenverwaltung teilt hingegen in einer Antwort auf eine FDP-Anfrage mit, dass es bei der Unterstützung der Nachwuchsgewinnung der freiwilligen Feuerwehr „keine“ Versäumnisse gegeben habe und verweist auf eine Senatsantwort aus der letzten Legislaturperiode. Daraus geht hervor, dass man nicht plant, eine Kooperation mit den Wohnungsbaugesellschaften anzustreben. Czaja verärgert: „Weil Lompscher nicht baut, verliert Geisel Nachwuchs für die freiwilligen Feuerwehren.“

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