Frau gestorben

Gutachten: Polizei fuhr mit Tempo 134 durch die Stadt

Eine 21-jährige Fahrerin starb bei einem Zusammenstoß mit dem Polizeiauto. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Foto: Morris Pudwell

Berlin.  Nach dem tödlichen Unfall mit einem Polizeiauto in der Nähe des Alexanderplatzes im Januar dieses Jahres liegt nun das Gutachten vor. Nach Informationen der Berliner Morgenpost fuhr der Polizeiwagen, der sich während der Mittagszeit auf einer Einsatzfahrt zu einem Raub befand, mit 134 Kilometern in der Stunde durch die Innenstadt. Als das Auto mit dem Wagen einer 21-Jährigen, die gerade ein- oder ausparken wollte, kollidierte, war der Polizeiwagen noch mehr als 90 Stundenkilometer schnell. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt nun wegen fahrlässiger Tötung. Die junge Frau hatte offenbar keine Chance.

Was war passiert? Ein Polizeiauto vom Abschnitt 32 war am 29. Januar gegen 13 Uhr mit Blaulicht auf dem Weg zu einem Raubüberfall am Potsdamer Platz. An der Grunerstraße wollte eine 21-Jährige gerade mit ihrem Auto ausparken. Das Polizeifahrzeug übersah die junge Frau und es kam zum Zusammenprall. Der Polizeiwagen bohrte sich in die Fahrerseite des Autos der 21-Jährigen, die noch am Unfallort verstarb. Die beiden Polizisten überlebten leicht verletzt. Laut Staatsanwaltschaft fuhr das Polizeiauto mit Blaulicht und Sirene.

Die Unfallstelle ist für ihre Gefährlichkeit bekannt. Links und rechts verlaufen drei Fahrspuren, in der Mitte gibt es Parkplätze. Beinahe täglich kommt es dort zu gefährlichen Situationen, wenn Autofahrer ein- und ausparken. Vom Unfallhergang selbst gibt es widersprüchliche Zeugenaussagen. Eine Version besagt, dass die Fahrerin des Renault Clio von der rechten Fahrspur der Grunerstraße auf die linke Spur wechseln wollte, um zu einem Parkplatz auf der Mittelinsel zu gelangen. Andere Zeugen gaben an, die Frau sei beim Ausparken von der Mittelinsel mit dem Funkstreifenwagen zusammengeprallt.

Der Unfall hat in der Behörde eine Diskussion über Einsatzfahrten ausgelöst. Denn auch wenn Polizeiautos mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs sind, müssen sie der Lage angepasst fahren, wie es auch in den internen Geschäftsanweisungen der Polizei steht. Außerdem müsse die Fahrgeschwindigkeit im Verhältnis zum Einsatzanlass stehen, heißt es weiter. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschte reger Verkehr. Eine große Kreuzung ist nur knapp 100 Meter von der Unfallstelle entfernt.

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