Somerferien

Diese Berliner Schulen wurden in den großen Ferien saniert

An 276 Schulen fanden 387 Sanierungsmaßnahmen statt. Rund 185 Millionen Euro wurden für die Sommerzeit an Mitteln abgerufen.

Dies wird eine Mädchen-Toilette: Schulleiter Uwe Kany erläutert Senatorin Sandra Scheeres (SPD) und Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (M.) die Pläne

Dies wird eine Mädchen-Toilette: Schulleiter Uwe Kany erläutert Senatorin Sandra Scheeres (SPD) und Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (M.) die Pläne

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Die Kabel zu ziehen und den Sicherungskasten einzubauen, ging in diesem Schulstockwerk ganz schnell – es wurde einfach „gekoffert“, also mit Trockenwänden gearbeitet. So blieb die historische Bausubstanz des wilhelminischen Schulbaus unangetastet. „Den Denkmalschutz interessieren eh nur die Bögen“, scherzt ein Teilnehmer aus dem Bauteam. Und die schönen Bögen im Treppenhaus des Charlottenburger Gottfried-Keller-Gymnasiums sind unberührt wie eh und je.

Tempo, das spielte in den letzten Wochen eine große Rolle. Das in die Jahre gekommene Gymnasium muss dringend saniert werden, und dafür sind die sechs Wochen Sommerferien besonders wichtig. Denn in den Schulferien soll alles erledigt werden, was Dreck und Lärm macht. „Es wird nicht alles fertig werden in diesen Ferien“, sagt Schulleiter Uwe Kany ganz offen. „Aber Maßnahmen, die wahnsinnig viel Lärm machen, die werden fertig.“

Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat an diesem Montagmorgen zum Baustellenrundgang des Gottfried-Keller-Gymnasiums geladen, um zu zeigen, wie es in Berlin mit der Schulbauoffensive vorangeht. 5,5 Milliarden Euro sind dafür bis 2026 eingeplant, 343 Millionen Euro wurden schon 2017 verbaut. Dieses Jahr sollen es 556 Millionen Euro werden. An 276 Schulen fanden in diesen Sommerwochen 387 Sanierungsmaßnahmen statt. Rund 185 Millionen Euro wurden dieses Jahr alleine für die Sommerzeit an Mitteln abgerufen. Besonders vorbildlich, das macht Senatorin Scheeres schnell klar, arbeite der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. „Man sieht genau, in welchen Bezirken was passiert“, sagt sie lobend.

In Steglitz-Zehlendorf muss besonders viel getan werden

Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) hört das gerne. Sie sitzt an diesem Morgen neben der Schulsenatorin. Was heißt besonders vorbildlich? Der Bezirk arbeitet im Übersoll. So bekam man 2017 rund 6,7 Millionen Euro für die Schulsanierung zugewiesen. Aber weil man so flott war im Verbauen, sicherte man sich am Ende 8,9 Millionen Euro. Auch, weil andere Bezirke nicht rechtzeitig das Geld anforderten. Geschadet hat es nicht, der Bedarf ist auch hier groß. Laut Gebäudescan beträgt der Sanierungsbedarf über 340 Millionen Euro. Und damit ist der Bezirk kein Berliner Spitzenreiter. So liegt Steglitz-Zehlendorf bei über 400 Millionen Euro. Auch, weil man dort zu lange am Erhalt der Schulen geknapst hat. Das rächt sich nun.

Die Gelder, mit denen die Schulen instand gesetzt werden, stammen aus vielen Töpfen. Das macht es für die Bezirke nicht einfach. „Wir bemühen uns, alle Mittel so schnell wie möglich umzusetzen“, sagt Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin in Reinickendorf. Schließlich gehe es darum, keinen wertvollen Cent zu verlieren. Der Sanierungsbedarf ist auch hier groß. Der Bezirk hatte sich über die Sommerferien viel vorgenommen, an 34 Schulen wollte man tätig werden. Und wie ist es gelaufen? „Ganz gut“, glaubt sie, aber so ganz genau weiß sie es nicht. Noch hat man in der Verwaltung keine Rückmeldung, was geklappt hat. Und was womöglich nicht.

Fehlendes Personal in Hochbauämtern

Ein Problem bei der gewaltigen Schulsanierung, auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, ist fehlendes Personal in den Hochbauämtern. Besonders Elektriker und Versorgungstechniker werden gesucht, aber auch Architekten und Bauingenieure. Acht von 29 Stellen hat man hier noch offen. In Friedrichshain-Kreuzberg dagegen, wo dieses Jahr rund 34 Millionen Euro für die Schulsanierung umgesetzt werden sollen, konnte man gerade fünf Stellen neu besetzen.

Doch zurück zum Gottfried-Keller-Gymnasium. Alle brechen auf zum Rundgang, bewundern die neuen Doppelglasfenster, die endlich im Winter die Wärme im Raum halten – eine Sonderanfertigung für die ganz besonderen Fensterbögen. Auch auf eine gute Schallisolierung in den Klassenräumen wurde geachtet. Und Fahrstühle, damit alle Etagen nun für alle erreichbar sind. Wichtig in Zeiten von Inklusion. Es gehe nicht nur um Sanierung, betont Schulleiter Kany. „Sondern um eine pädagogisch sinnvolle Aufwertung der Immobilie.“ Schließlich sei das Gymnasium jetzt eine Ganztagsschule. Dafür braucht man neue Raumarten, neue Ideen. Und gleichzeitig muss man die vielen Schüler unterbringen. Allein in der 9. Klasse sind alle Klassen mit 34 Schülern übervoll.

Auf der Facebook-Seite der Schule steht stolz: „Bis Schulbeginn werden alle Klassenräume benutzbar sein.“ Aber klar ist, manches wird nicht fertig werden – einige Sanitärbereiche, das Dach sowieso. Eine gewisse Enttäuschung sei das schon, meint der Berliner GEW-Vorstand Tom Erdmann. Denn die Belastung durch Bauarbeiten in der Schulzeit seien für Lehrer und Schüler sehr groß. Andererseits: Im Gottfried-Keller-Gymnasium ist man daran gewöhnt. Saniert wird seit 2013.

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