Sommer in Berlin

Trotz Hitze: So gut sind jetzt noch die Badeseen in Berlin

Wo gibt es Algen? Wo ist das Wasser noch klar? Wie sehen die Strände aus? Die Morgenpost hat die Gewässer In Berlin getestet.

Die Berliner genießen den Sommer am Strandbad Wannsee. Doch inzwischen ist das Wasser an einigen Stellen ziemlich trüb und mit Algen belastet

Die Berliner genießen den Sommer am Strandbad Wannsee. Doch inzwischen ist das Wasser an einigen Stellen ziemlich trüb und mit Algen belastet

Foto: dpa Picture-Alliance / Ralf Hirschberger / picture alliance/dpa

Berlin. Das Wasser ist badewannenwarm, Badegäste hinterlassen Schweiß und Sonnencreme im Wasser. Das Pflanzenwachstum nimmt zu, der Sauerstoffgehalt steigt. An vielen Stränden finden sich zudem Müll und Kippen im Sand. Alle zwei Wochen misst das Lageso den Grad der Wasserverschmutzung an den 39 Badestellen der Berliner Seen.

Regina Gnirß vom Kompetenzzentrum Wasser Berlin, das die Messungen für das Lageso durchführt, sagt: „Nährstoffeinträge durch Sauerstoff machen das Wasser trübe und Wasserqualität wird schlechter.“ Die Überwachung der Badeseen im Zweiwochen-Rhythmus sieht die Wissenschaftlerin als ausreichend an, da selbst bei großer Hitze und viel Andrang die Verschmutzung nicht sprunghaft ansteigt. Die aktuellen Werte und Zustände sind auf der Homepage der Umweltbehörde zu finden.

Der Morgenpost-Check von 19 Badestellen zeigt: Vor allem die betreuten Bäder schneiden bei der Sauberkeit gut ab.

Interaktiv: Ihr schnellster Weg zum Badesee

Strandbad Wannsee

Algen und Wasserpflanzen sind vor allem im Strandbad Wannsee ein Problem. Die Rutsche musste deshalb wochenlang geschlossen werden, weil Schlingpflanzen ein gefahrloses Baden am Steg unmöglich machten. „Wir können die Wasserpflanzen aber nicht einfach entfernen. Das wäre ein Eingriff in den Lebensraum des Sees und bleibt der Umweltbehörde vorenthalten“, sagt Mitarbeiter Frank Archi. Die Strömung der letzten Tage hat Algen und Seegras ans Ufer gespült. Der Strand wird zwar zweimal täglich gereinigt, aber erst jetzt schaffen die Mitarbeiter eine Gesamtreinigung des gut 1,3 Kilometer langen Strandes mit einer Sandreinigungsmaschine.

Wasserqualität: befriedigend

Strandqualität: gut

Unterhavel/Große Steinlanke

Anderthalb Kilometer weiter an der Badestelle Unterhavel/Große Steinlanke sieht es wesentlich schlimmer aus. Algenberge am Ufer, grüner Schlamm, es stinkt heftig nach Kloake. Die Wellenspitzen tragen gelben Schaum, Abfalltüten liegen herum. Der Strand hat sichtlich unter dem Ansturm der vergangenen Tage gelitten. Die letzte Messung des Lageso vom 1. August ergab 2,3 Meter Sichttiefe. Davon kann aber aktuell keine Rede sein. Wer die Hand in das Wasser taucht kann kaum mehr die Fingerspitzen sehen.

Wasserqualität: schlecht

Strandqualität: mäßig

Schlachtensee

Ein ganz anders Bild zeichnet sich wenige Kilometer entfernt ab. Das Laub weht im Wind, die Sonne glitzert auf dem Wasser. Nur noch vereinzelt sitzen Menschen an den Badestränden. Ein Hauch von Frühherbst hat an diesem Testtag den Schlachtensee erreicht. Das Wasser ist klar, die Strände wie frisch gesäubert. „Für uns ist das wie ein Urlaubstag“, sagt Bootsverleiher Werner Hoppe. An den heißen Tagen waren seine Boote vielfach ausgebucht. Viele Gäste nutzten die Möglichkeit von ihnen aus ins kühle Nass zu springen.

Wasserqualität: gut


Strandqualität: gut

Krumme Lanke

Ein ähnliches Bild zeigt sich einige Hundert Meter weiter an der Krummen Lanke. Nur vereinzelt wird noch geschwommen und auf der Liegewiese gesessen. An den Ufern lässt sich schwer erkennen, dass es vor Tagen noch einen großen Ansturm von Sonnenhungrigen gab. Kaum Müll, kaum Abnutzung der Grasflächen. Auch die gemessene Sichttiefe ist mit 1,20 Meter glaubhaft. Einzig der Wert bei Intestinalen Enterokokken ist erhöht (30 auf 100 Milliliter), also von Bakterien, die auch im menschlichen Darm vorkommen.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: gut

Teufelssee

Abgelegen, hinter Wäldern versteckt liegt idyllisch verborgen, Berlins einziger Bergsee: der Teufelssee. Wer weg von der Hektik der Stadt in die Natur will, ist am wohl abgelegensten See auf dem Teufelsberg richtig. Mit einer Wassertemperatur von 23,5 Grad Celsius (letzte Messung) ist er einer der kühlsten in Berlin. Doch viele scheinen den Weg hinauf zu meiden. Vom großen Andrang der letzten Tage ist kaum etwas zu spüren. Auch lassen sich bis auf Spuren am Ufer kaum große Badeabnutzungserscheinungen erkennen.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: gut

Halensee

Die Abgelegenheit mancher Seen lässt viele dann doch ehr zu „citynahen“ Badestellen wie dem Halensee reisen. Während Fischwärme im flachen Uferwasser ihre Kreise ziehen und die Natur durchatmet, ist die Liegewiese ganz schön in Mitleidenschaft gezogen. Fast das komplette Gras ist durch die Hitze großflächig verbrannt. Viele wagen dennoch am Halensee den Sprung ins Wasser. Allerdings: Seit dem1. Mai 2016 ist das Baden im See nur noch vom Steg des anliegenden Strandbades erlaubt.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: befriedigend

Plötzensee

„Baden verboten“ steht alle paar Meter am Zaun, der das Ufer vom Plötzensee umgibt. Das scheint viele Badehungrige nicht davon abzuhalten, doch über die Absperrung zu klettern und dahinter ins Nass zu springen. Die Folge: Die Uferhänge sind abgetreten, Pflanzen breitgetrampelt. Vor Ort ist das Baden nur im Standbad erlaubt. Der Sand dort ist sauber, auch das Ufer ist lange nicht so von Algen bewachsen wie an den anderen Stellen im See. Die Wassersicht ist verhältnismäßig gut, laut Lageso-Messung 80 Zentimeter (vom 7. August). Allerdings zeigt sich ein erhöhtes Aufkommen von krankheitsfördernden Keimen wie Escherichia coli (179 auf 100 Milliliter).


Wasserqualität: befriedigend


Strandqualität: gut



Strandbad Jungfernheide

Anders hingegen weiter westlich. Der Rasen ist frisch gemäht, wirkt fast wie ein Teppich. Der Stand ist durchgekämmt und das Wasser bis auf ein paar Algen relativ klar. Strandkörbe stehen geordnet um den nächsten Besucheransturm zu erwarten. Tatsächlich würde das Strandbad Jungfernheide von der Qualität in unserem Test sicher einen der vordersten Plätze belegen. Fragt man eintreffende Gäste, dann bestätigen die genau das: Sauberkeit, nicht zu überlaufen und angenehme Wasserqualität - selbst jetzt nach der großen Sommerhitze. Auch etwas ab vom Bad scheint die Vegetation relativ gut erhalten, keine nennenswerten Spuren von Badegästen.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: sehr gut


Tegeler See

Man muss wohl Glück haben am Badestrand Reiswerder am Tegeler See einen Tag im Sommer zu erwischen, an dem nicht viel los ist. Und das hinterlässt eben Spuren. Müllberge und Abfallreste liegen in den Grünanlagen, locken Wespen und Hornissen an. Leute sitzen daneben, picknicken scheinbar unbeeindruckt von der Sauerei. „Sonst wurden die Grünanlagen zweimal wöchentlich vom Forstamt gesäubert. Aber aufg rund des hohen Ansturms der letzten Tage wird jetzt täglich sauber gemacht“, sagt ein Mitarbeiter der DLRG. „Der Strand hier ist allerdings sauber und auch das Wasser ist kristallklar“. Tatsächlich: Das Wasser des Tegeler Sees macht den saubersten Eindruck im Test.


Wasserqualität: sehr gut


Strandqualität: befriedigend

Flughafensee Tegel

Donnernde Turbinen und Verbotschilder halten viele Berliner scheinbar nicht davon ab es an den Ufern vom Flughafensee Tegel krachen zu lassen. Kaputte Wasserspielzeuge und Plastikbecher von Partys liegen an manchen Stellen herum. Auch die Zugänge zum Wasser sind durch den Ansturm der Sonnenhungrigen total abgewälzt. Trotzdem erscheint das Wasser dort recht klar. Durch den gelben Sand wirkt mancher Strand optisch sogar wie eine mallorquinische Bucht. An den Picknickstellen ist es aufgeräumt nur das Pidet in der grünen Containertoilette haben viele Badegäste wohl nicht gefunden. Sie verrichteten ihre Notdurft lieber in den umliegenden Büschen, was entsprechende geruchsbelästigende Nebenwirkungen mit sich zieht.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: befriedigend

Langer See

Die kleine Badestelle Bammelecke am Langen See in Grünau bietet den Blick in Richtung Müggelberge. Das Wasser nahe dem Strand ist klar. Im Sand lagen etliche Zigarettenkippen und Papierschnipsel, größerer Müll war jedoch nicht zu sehen. Trotz Algen zum Baden geeignet lautete die jüngste Einschätzung des Lageso.


Wasserqualität: befriedigend


Strandqualität: befriedigend

Badestelle Schmöckwitz

Die Badestelle Schmöckwitz liegt an der Dahme. In Strandnähe ist das Wasser klar. Im Sand liegen etliche Zigarettenkippen. Es ist viel Platz, um sich eine geeignete Stelle zum Hinlegen auszusuchen. Vom Baden wird abgeraten, so die Einschätzung auf der Seite des Lageso.


Wasserqualität: schlecht


Strandqualität: mäßig

Strandbad Wendenschloß

Der lange Strand im Strandbad Wendenschloß ist sauber. Man findet einen Schattenplatz unter Bäumen und kann sich am Volleyballnetz oder an der Tischtennisplatte tummeln. Grüne Schlieren liegen auf der Wasseroberfläche nahe dem Strand. Trotz Algen zum Baden geeignet, so die Einschätzung des Lageso.


Wasserqualität: mäßig


Strandqualität: sehr gut

Flussbad Gartenstraße

Das Flussbad Gartenstraße befindet sich in der Nähe der Köpenicker Schlossinsel. Am kleinen und sauberen Strand stehen Weiden und Schilf. Nahe dem Ufer schwimmen Blätter und kleine Zweige auf der Wasseroberfläche. Vom langen Steg aus bietet sich ein weiter Blick über die Dahme. Zum Baden geeignet, meint das Lageso.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: sehr gut

Badestelle Große Krampe

Das Wasser an der Badestelle Große Krampe, nahe dem Gosener Damm, zeigt grüne Schlieren. Der kleine Strand ist von hohen Bäumen umgeben. Dort finden die Erholungssuchenden Schatten. Laut Lageso zum Baden geeignet.

Wasserqualität: befriedigend

Strandqualität: gut

Kleiner Müggelsee

Ein großer Strand, umgeben von Bäumen, erstreckt sich an der Badestelle Kleiner Müggelsee. Das Wasser in Ufernähe ist klar, der Sand sauber. Zelte sind aufgebaut. Enten haben sich am Ufer niedergelassen. Zum Baden geeignet, heißt es auf der Seite des Lageso.

Wasserqualität: gut

Strandqualität: gut

Großer Müggelsee

Am Strandbad Müggelsee hat man einen weiten Blick über das große Gewässer und sieht den Müggelturm. Das Wasser in Ufernähe ist klar, der lange Strand sauber. Man kann Ball spielen im Sand oder entspannt auf der Terrasse sitzen und die Schiffe vorbeiziehen sehen. Das Strandbad hat bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Zum Baden geeignet, sagt das Lageso über diesen Teil des Sees.

Wasserqualität: gut

Strandqualität: gut

Orankesee

Besucher können im Strandbad Orankesee den schönen Strand, eine mehrfach gewundene, 52 Meter lange Wasserrutsche und den Blick über das kleine Gewässer genießen. Das Wasser habe eine Sichttiefe von 1,50 Metern, sagt ein Mitarbeiter.


Wasserqualität:
sehr gut


Strandqualität: sehr gut

Weißer See

Palmen stehen am Strand. Mitten im See sprudelt eine Fontäne. Sie trage dazu bei, dass sich das Wasser immer wieder erneuert, sagt Alexander Schüller, der Pächter des Strandbades Weißensee. Auch einem reparierten Tiefbrunnen sei die gute Wasserqualität zu verdanken. Das Bad ist für seine kulturellen Angebote bekannt und dafür, dass es fast das ganze Jahr über geöffnet hat.


Wasserqualität: gut


Strandqualität: sehr gut

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