Organisierte Kriminalität

Polizei nimmt kriminelle Clans ins Visier

Polizei und Kriminalämter in Bund und Ländern arbeiten an einer bundesweit besseren Erfassung von Straftaten polizeibekannter Clans.

Die Bedrohung in Deutschland durch die organisierte Kriminalität ist laut BKA-Chef Holger Münch ungebrochen hoch

Die Bedrohung in Deutschland durch die organisierte Kriminalität ist laut BKA-Chef Holger Münch ungebrochen hoch

Foto: pa

Berlin/Wiesbaden.  Das Bundeskriminalamt (BKA) will mit Blick auf die Zuwanderung die mögliche Bildung neuer krimineller Clans gezielt stoppen. „Wir sind da sehr wachsam“, sagte BKA-Präsident Holger Münch am Mittwoch in Wiesbaden. Verbrechen, die Mitglieder von polizeibekannten Familien begangenen haben sollen, sorgen seit Jahren für Schlagzeilen: Überfall auf das Pokerturnier im Berliner Hyatt-Hotel 2010, Raubüberfall auf die Schmuckabteilung des KaDeWe 2014, Einbruch ins Bode-Museum 2017.

Expertengremien von Polizei und Kriminalämtern in Bund und Ländern arbeiten derzeit an einer bundesweit besseren Erfassung von Straftaten polizeibekannter Clans. Das haben Recherchen der Berliner Morgenpost und des ARD-Politikmagazins „Kon­traste“ vom RBB ergeben. Die Sicherheitsbehörden wollen „Clankriminalität“ klarer definieren und genauer zu anderen Bereichen der organisierten Kriminalität wie etwa der der Mafia abgrenzen. Damit soll auch ein Dilemma behoben werden: Anders als bei Drogendelikten oder Wirtschaftskriminalität gibt es zu Straftaten von Clanmitgliedern noch keine polizeilichen Lagebilder. Im Herbst sollen erste Ergebnisse der Expertentreffen vorliegen.

Kriminelle agieren stärker in Netzwerken

Die Bedrohung in Deutschland durch die organisierte Kriminalität (OK) ist laut BKA-Chef Münch ungebrochen hoch. Im Jahr 2017 habe seine Behörde 572 OK-Verfahren bearbeitet, neun mehr als im Vorjahr. Kriminelle agierten stärker in Netzwerken, so Münch mit Blick auf Gruppen, die sich etwa auf Wohnungseinbrüche spezialisiert haben. „Hier kommt die organisierte Kriminalität an der Haustür an.“ Innenpolitiker fordern auch einen harten Kurs im Umgang mit straffällig gewordenen Clanmitgliedern. Berlins Innensenator An­dreas Geisel (SPD) sagte auf Nachfrage, die Stadt werde weiterhin Kräfte bündeln und eng vernetzen. Das bedeute „intensive Zusammenarbeit“ der Behörden in Bund und Ländern wie Steuerfahndung, Zoll und BKA. Geisel will aber auch Sozialämter und Opferschutzverbände einbinden. Aus Sicht des SPD-Politikers müssen die Behörden die Kriminellen „dort treffen, wo es ihnen richtig wehtut: beim Geld und Eigentum“.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte auf Anfrage von Berliner Morgenpost und RBB, zu den Maßnahmen gehöre auch, dass man konsequent gegen jeden Verstoß vorgehe, selbst bei kleinsten Verkehrssünden. Reul: „Klar muss sein, dass unsere Gesetze gelten und nicht die des Clans.“ Neben Berlin und NRW schlagen aber auch andere Bundesländer Alarm. In Niedersachsen sind die Polizeieinsätze gegen kriminelle Clanmitglieder deutlich angestiegen. 2017 rückten Beamte insgesamt zu 248 „herausragenden Einsatzlagen mit Clanbezug“ aus. 2016 waren es demnach noch 143 Einsätze. „Äußerst kritisch wird die provokative und offensive Ablehnung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung gesehen“, heißt es.

Der Film über die Welt der Clans läuft am heutigen Donnerstag, um 21.45 Uhr, im ARD-Politikmagazin „Kontraste“, moderiert von Astrid Frohloff

Mehr zum Thema:

Die abgeschottete Welt der Clans

Die Wurzeln der Clans: Auf Spurensuche in der Türkei