S-Bahnhof Schöneweide

Festnahme nach Feuerangriff auf Obdachlose in Berlin

Ein 47-Jähriger soll die zwei Männer nach einem Streit am S-Bahnhof Schöneweide mit Benzin übergossen und angezündet haben.

Ermittler sichern nach dem Feuerangriff auf die Obdachlosen Spuren am S-Bahnhof Schöneweide

Ermittler sichern nach dem Feuerangriff auf die Obdachlosen Spuren am S-Bahnhof Schöneweide

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Es war eine Tat, die weit über Berlin hinaus schockierte: Zwei obdachlose Männer waren vor eineinhalb Wochen am S-Bahnhof Schöneweide mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und angezündet worden. Die beiden 47 und 62 Jahre alten Männer kamen mit teils lebensgefährlichen Verbrennungen ins Krankenhaus. Nun nahm die Polizei einen Tatverdächtigen fest. Gefasst wurde ein 47 Jahre alter Deutschrusse am Dienstagabend nach einer Zielfahndung, sagte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, der Berliner Morgenpost. Dem Mann werden lebensgefährliche Körperverletzung und versuchter Totschlag vorgeworfen.

Die beiden Opfer sind bei Anliegern und Nachbarn rund um den Cajamarcaplatz am S-Bahnhof Schöneweide gut bekannt. Einer der beiden, der Andy genannt wird, habe mit seinem Hund bereits zwei Jahre am Bahnhof gelebt, sagten Anwohner. Sein Lager sei immer sehr aufgeräumt gewesen. Am Abend des Angriffs war der Inhaber eines nahe gelegenen Imbisses den Opfern mit einem Feuerlöscher zu Hilfe gekommen und hatte ihnen so womöglich das Leben gerettet. Doch der Täter entkam.

Nach dem Anschlag hatte Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die Linke) vor einer zunehmenden Verrohung der Gesellschaft gewarnt. Am Tag nach der Tat versammelten sich rund 150 Menschen am Tatort zu einer Mahnwache, legten Blumen und Kerzen ab und protestierten gegen Obdachlosenfeindlichkeit und Ausgrenzung. Zu der Mahnwache kamen neben Nachbarn auch zahlreiche obdachlose Menschen aus ganz Berlin.

Die Tat von Schöneweide weckt Erinnerungen an den bisher schlimmsten Angriff auf einen Obdachlosen in Berlin. Weihnachten 2016 hatte eine Gruppe junger Männer aus Syrien und Libyen am U-Bahnhof Schönleinstraße in Kreuzberg einen schlafenden Mann angezündet. Damals griffen Passanten ein und erstickten das Feuer. Der Haupttäter wurde ein halbes Jahr später zu zwei Jahren und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Das Motiv im aktuellen Fall sei jedoch nicht Obdachlosenfeindlichkeit gewesen, heißt es vonseiten der Polizei. Ausgangspunkt sei wohl ein Streit zwischen dem späteren Täter und den Opfern, so Staatsanwaltssprecher Steltner. Der 47-jährige Deutschrusse sei nach dem Streit von der Bundespolizei des Bahnhofs verwiesen worden. Danach sei er mit einem Begleiter zu einer Tankstelle gegangen, habe Benzin gekauft, die Obdachlosen und ihre Habseligkeiten damit übergossen und sie angezündet.

Nach der Tat habe der Verdächtige sich zunächst versteckt gehalten, so die Polizei, die nach dem Mann offenbar eine Woche lang fahndete und dafür neben Zeugenaussagen auch Videoaufnahmen auswertete. Schon am Mittwoch vergangener Woche war gegen den Verdächtigen Haftbefehl erlassen worden. Am gestrigen Mittwoch wurde ihm dieser nun verkündet. Eine Mordkommission ermittelt jetzt zu der Tat, „deren vollständigen Hintergründe noch unklar sind“, so die Polizei.

Unterdessen wird eines der Opfer in einigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen können, sagte eine Sprecherin des Unfallkrankenhauses (UKB) in Marzahn. Der Mann werde sich dann in eine organisierte Unterkunft begeben. Nach wie vor kritisch ist hingegen der Zustand des zweiten Opfers. Der 47-Jährige liegt weiterhin in einem Schutzkoma und wird intensivmedizinisch betreut. Ihm stünden auch noch mehrere Operationen im Zentrum für Schwerbrandverletzte der Klinik bevor, bei denen er sukzessive Hauttransplantate erhalte. Mehrere solcher OPs habe er bereits hinter sich.

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