Berlin

Öffentlicher Dienst in Berlin stellt Personal jetzt schneller ein

Die Besetzungsverfahren dauern im Landesdurchschnitt nun knapp vier Monate

Berlin.  Im öffentlichen Dienst ist es gelungen, die Verfahren zur Besetzung freier Stellen zu verkürzen. Das teilte die für die Personalgewinnung zuständige Senatsfinanzverwaltung der Berliner Morgenpost mit. Demnach lag 2017 die durchschnittliche Verfahrensdauer landesweit bei 3,8 Monaten. Einige Behörden schafften es sogar, freie Stellen innerhalb von drei Monaten ab Beginn der Ausschreibung zu besetzen. Dazu gehören die Senatskanzlei, die Finanzverwaltung, die Arbeits- und Sozialverwaltung und auch das Bezirksamt Neukölln.

In den Jahren 2014/2015 lag die Dauer der Einstellungsverfahren noch bei durchschnittlich 5,3 Monaten, 2016 bei 4,5 Monaten. Allerdings waren die Zahlen nur bedingt vergleichbar, da die Dienststellen die Auswertung der Daten unterschiedlich handhabten. Für 2017 lägen nun einheitlich erhobene und ausgewertete Zahlen vor, so die Sprecherin der Finanzverwaltung, Eva Henkel.

Neben der Ausweitung der elektronischen Ausschreibung (E-Recruiting) habe ein standardisiertes Stellenbesetzungsverfahren maßgeblich zur Beschleunigung beigetragen, erläuterte Henkel. Es sei ein „Muster-Standard-Prozess“ zur Stellenbesetzung entwickelt worden. Dieser Prozess sehe eine Bündelung von Zuständigkeiten sowie standardisierte Arbeitsabläufe vor. Zudem sollen zentrale Bewerbungsbüros in den einzelnen Behörden und die Anwendung von Sammeleinstellungen bei vergleichbaren Stellenprofilen ermöglichen, das Besetzungsverfahren zu straffen. Das standardisierte Verfahren ist Resultat einer „Geschäftsprozessuntersuchung“, die im vergangenen Jahr vorgenommen wurde. Beteiligt daran waren die Senatsverwaltungen für Finanzen und Inneres, externe Fachleute sowie die Bezirksämter Neukölln und Charlottenburg-Wilmersdorf. Ziel war insbesondere, die Personalrekrutierung zu verbessern und die Einstellungsverfahren zu beschleunigen.

Die lange Dauer der Stellenbesetzungsverfahren war in der Vergangenheit häufig kritisiert worden. Experten sahen sie als Haupthemmnis, geeignetes Fachpersonal für die Verwaltung zu finden. Insbesondere bei sehr gefragten Berufen, etwa im Ingenieurswesen, sind Bewerber kaum geneigt, nach Absenden ihrer Bewerbung etliche Monate auf eine Zu- oder Absage zu warten. Und der Personalbedarf ist enorm. Im vergangenen Jahr wurden in der öffentlichen Berliner Verwaltung rund 7700 neue Mitarbeiter eingestellt. In den kommenden Jahren ist von ähnlichen Größenordnungen auszugehen. Zum einen gehen viele Bedienstete in den Ruhestand, zum anderen müssen angesichts der wachsenden Stadt zusätzliche Kräfte angeheuert werden.

In der rot-rot-grünen Koalitionsvereinbarung und auch in den Richtlinien der Regierungspolitik ist als Zielgröße für die Dauer eines Stellenbesetzungsverfahrens in der Verwaltung drei Monate ab Ausschreibungsbeginn vorgegeben. „Wenn wir jetzt bei durchschnittlich unter vier Monaten liegen, hat sich der Tanker deutlich bewegt“ sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Bei einer weiteren Verkürzung etwa der Bewerbungsfrist könnten Verfahren innerhalb von drei Monaten nach Veröffentlichung auf dem Karriereportal abgeschlossen sein. „Damit wären wir vergleichbar mit anderen Branchen und wettbewerbsfähig“, sagte der Finanzsenator der Berliner Morgenpost.