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Immobilienpreise in Berlin steigen und steigen

Doch der Anstieg der Hauspreise hat sich verlangsamt. Damit dürfte die Hauptstadt für Anlagespekulanten nicht mehr so interessant sein.

Die Immoblienpreise in Berlin steigen - aber nicht mehr so schnell wie zuvor (Archiv)

Die Immoblienpreise in Berlin steigen - aber nicht mehr so schnell wie zuvor (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin. Die Kaufpreise in der Hauptstadt klettern weiter in die Höhe, allerdings langsamer: Mit neun Prozent ist der Anstieg bei den Ein- und Zweifamilienhäusern im Jahr 2017 geringer ausgefallen als im Vorjahr, bei Mietwohnhäusern lag er bei immerhin 16 Prozent, aber auf einem niedrigeren Niveau als im Jahr davor.

Das geht aus dem neuen Immobilienmarktbericht für Berlin hervor. Unverändert dagegen blieb die Entwicklung bei Eigentumswohnungen. Für sie wurden 13 Prozent höhere Preise erzielt. Auch für 2018 rechnet der Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Berlin mit einer Verlangsamung der Preisanstiege.

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Reiner Rössler, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte in Berlin, glaubt dennoch nicht, dass die Preise fallen werden. Investoren sollten sich aber auf geringer werdende Steigerungen und damit auf weniger Rendite einstellen, wie er am Montag betonte. „Dies dürfte zumindest Anlagespekulanten mit eher kurzfristigen Exitstrategien und hohen Gewinnerwartungen beim späteren Weiterverkauf langsam den Reiz am Standort Berlin nehmen“, sagte Rössler.

Rekordpreise bei Einzelimmobilien erzielt

Der angespannte Immobilienmarkt in der Hauptstadt führt dazu, dass die Zahl der verkauften Grundstücke und Gebäude mit 30.770 Verträgen um sechs Prozent im Jahr 2017 weiter zurückging. Denn verfügbare Kaufobjekte sind rar. Für 2018 rechnen die Experten mit einem weiteren Rückgang von neun Prozent.

Kaufen statt Mieten? In diesen Vierteln lohnt es sich

Käufer gaben in Berlin im vergangenen Jahr allerdings die Rekordsumme von 18,2 Milliarden Euro für Immobilien aus. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Erneut wurden Rekordpreise für Einzelimmobilien erzielt: So wurden 6,6 Millionen für ein Villengrundstück in Grunewald gezahlt. Den höchsten Preis bei Eigentumswohnungen zahlten Käufer mit 18.200 Euro pro Quadratmeter nahe dem Kurfürstendamm.

2018 könnte der Geldumsatz aber laut Gutachterausschuss erheblich zurückgehen. Zu rechnen sei mit einem Minus von 21 Prozent. Beim Wohnungs- und Teileigentumssegment prognostizieren die Experten ein zehnprozentiges Minus, bei den Mietwohnhäusern sechs Prozent weniger Umsatz. Gleichbleibend dagegen würden die Umsätze bei Ein- und Zweifamilienhäusern sein.

Immer mehr Mietwohnungen werden in EIgentum umgewandelt

Durch den anhaltenden Bevölkerungszuwachs in Berlin bestehe weiterhin auch eine hohe Nachfrage nach unbebauten Grundstücken für den Wohnungsbau sowie nach geeigneten Büroflächen in der Innenstadt, wodurch die Bodenrichtwerte deutlich angestiegen sind.

Wie sehr der Wohnungsmarkt in Bewegung ist, zeigt der deutliche Anstieg der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen – um 25 Prozent auf 16.548 Wohnungen, im Neubau sogar um 45 Prozent auf 7072 Wohnungen. Die Mieten stiegen rasant. Im zweiten Quartal 2018 wurde eine Standardwohnung in der Hauptstadt im Durchschnitt zu einem Quadratmeterpreis von 9,33 Euro angeboten nach 8,57 Euro im Jahr zuvor, wie das Forschungsunternehmen „F+B“ am Montag mitteilte.

Linke: Ausweitung von Milieuschutz wichtig

„Vor dem Hintergrund weiter steigender Umwandlungen von Miet- in Eigentumswohnungen zeigt sich, wie wichtig die Strategie der Ausweitung von Milieuschutzgebieten in Berlin ist“, sagte Sebastian Scheel (Linke), Staatssekretär der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen. Bislang gibt es in der Hauptstadt 46 Milieuschutzgebiete, in denen rund 750.000 Berliner vor Umwandlung und Verdrängung geschützt werden sollen. Die meisten in Pankow (13) und Friedrichshain-Kreuzberg (9).

Aktuell werden 13 neue Gebiete vorbereitet: in Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tempelhof-Schöneberg und Reinickendorf. „Wir gehen davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte 2018 mit acht Festlegungen zu rechnen ist“, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung auf Morgenpost-Anfrage. Weitere fünf Gebiete würden voraussichtlich bis Mitte 2019 ausgewiesen.

Mieterverein nennt Bericht „Bankrotterklärung an die soziale Stadtentwicklung“

Der Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, nannte den Immobilienmarktbericht eine „Bankrotterklärung an die soziale Stadtentwicklung“. Besorgniserregend sei vor allem der Preisanstieg beim Handel mit Mietwohnhäusern, bei vermieteten Eigentumswohnungen und bei unbebauten Grundstücken. Wild sieht die Entwicklung mit Besorgnis: „Trotz der Genehmigungsvorbehalte in den vielen Milieuschutzgebieten um rund 25 Prozent erwarten wir noch mehr Eigenbedarfskündigungen und massive Mietsteigerungen in diesen Objekten.“

Berlins CDU-Generalsekretär Stefan Evers beklagt, dass ein ernsthafter Masterplan für die Lösung der Wohnungsmarktprobleme nicht erkennbar sei. Der Bericht unterstreiche den Handlungsbedarf von Rot-Rot-Grün. „Der vom Wohnungsstaatssekretär allerorten geforderte ‚Milieuschutz‘ ist kein Allheilmittel der Wohnungskrise, er ist ein Instrument wohnungspolitischer Verzweiflung – und das Gegenteil von Gestaltungswillen und aktiver Wohnraumpolitik“, kritisiert Evers.

Den Immobilienmarktbericht Berlin 2017/2018 können Sie hier kostenfrei abrufen.

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