Nahverkehr in Berlin

Tram soll wieder in Spandau fahren

Eine Bürgerinitiative fordert eine Rückkehr der Straßenbahn nach Spandau als Mittel gegen den Verkehrskollaps.

Berlin. Züge und Busse sind überfüllt und die Straßen sowieso: Wer im Berufsverkehr durch Spandau fahren muss, der braucht zumeist starke Nerven. Seit Monaten wird bereits diskutiert, wie ein Verkehrskollaps im Bezirk verhindert werden kann. Die Initiative Pro Spandauer Tram (Iprost) hat in der Debatte nun ihr „Nahverkehrskonzept Spandau-Havelland 2030“ vorgestellt. Sie war im April unter anderem von Mitgliedern des Deutschen Bahnkunden-Verbandes und des Verkehrclubs Deutschland gegründet worden.

Kern des Konzepts – der Name der Initiative lässt es erahnen – ist die Forderung nach einer Rückkehr der Straßenbahn nach Spandau. 1967 war der Tramverkehr wie im gesamten Berliner Westen eingestellt worden. Die Initiative schlägt nun den Aufbau von vier Linien vor, die unter anderem von Hakenfelde und dem Falkenhagener Feld über das Zentrum bis nach Staaken oder Alt-Pichelsdorf führen sollen.

„Es sind sich inzwischen fast alle einig, dass noch mehr Individualverkehr nicht zu stemmen ist“, sagte Frank Meyer, Ingenieur für Vermessungswesen und Mitglied der Initiative. Schon jetzt sei der Anteil an Autofahrern im Vergleich zu Radfahrern oder Nahverkehrsnutzern im Bezirk zu hoch, so Meyer. Auch würden viele Berufspendler aus dem Havelland oder Potsdam über Spandau nach Berlin fahren. Und im Bezirk sollen in den nächsten Jahren Tausende neue Wohnungen entstehen. Angesichts dieser Entwicklungen müsste das Nahverkehrsangebot in Spandau dringend verbessert werden. Schnellste und effizienteste Methode, so die Autoren des Konzeptes, sei die Wiedereinführung der Straßenbahn.

„Wir können mit diesem Straßenbahnnetz die Hälfte der Busse einsparen“, sagt Jochen Bona, ebenfalls Mitglied der Initiative. „Das heißt nicht, dass die Buslinien alle eingestellt werden, aber man könnte den Takt verdünnen.“ Gut 16 Kilometer umfasst das Straßenbahn-Kernnetz, das sich die Initiative für den Bezirk überlegt hat. Das Ganze ist als Inselkonzept gedacht. Statt bereits bestehende Tramlinien etwa vom Hauptbahnhof in Richtung Spandau zu erweitern, soll dort zunächst ein davon unabhängiges Netz entstehen. „Wir gehen davon aus, dass wir das Straßenbahnnetz in Spandau bis 2030 realisieren könnten. Eine Anbindung von der Berliner Innenstadt aus würde mindestens fünf bis zehn Jahre länger dauern“, sagt Bona.

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Nach Berechnungen der Initiative liegen die Baukosten für ihr Netz bei rund 166 Millionen Euro. In puncto Wirtschaftlichkeit, argumentieren die Mitglieder, wäre die Tram aber die bessere Variante als der weitere Ausbau der U-Bahn im Bezirk. „Für einen Kilometer U-Bahn bekomme ich zehn Kilometer Straßenbahn“, argumentiert Meyer. Zusätzlich zu den Baukosten für die Trassen müsste noch Geld in rund 40 Fahrzeuge sowie ein Depot investiert werden. Insgesamt rechnet Iprost mit Kosten von 340 Millionen Euro.

Mit ihren weiteren Vorschlägen will die Initiative vor allem eine Dezentralisierung erreichen. Derzeit konzentriert sich der Verkehr auf den Bahnhof Spandau, hier liegt der zentrale Umsteigepunkt zwischen Bussen und Bahnen. Vorschlag deshalb: ein zusätzlicher Bahnhof zwischen Spandau und Albrechtshof. „Der Regionalbahnhof Spandau West erreicht im Zwei-Kilometer-Einzugsbereich nahezu 80.000 Einwohner in den Ortsteilen Falkenhagener Feld, Staaken und Spandau“, heißt es im Verkehrskonzept.

Außerdem sieht die Planung einen zusätzlichen S-Bahnhalt zwischen Stresow und Pichelsdorf vor. Bis dorthin, so ein weiterer Vorschlag, könnte auch die U-Bahnlinie 2 oberirdisch verlängert werden. Momentan endet diese in Ruhleben. Die Initiative verspricht sich davon eine weitere Entzerrung und Verlagerung des Nahverkehrs.

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