Berliner Bäder

Sanierungsbedarf in Berliner Bädern viel höher als gedacht

Der Sanierungsbedarf ist innerhalb eines halben Jahres um 60 auf 230 Millionen Euro gestiegen. Ein Vergleich aller maroden Bäder.

Der Sanierungsbedarf in Berlins Bädern ist viel höher als bisher angenommen (Symbolbild)

Der Sanierungsbedarf in Berlins Bädern ist viel höher als bisher angenommen (Symbolbild)

Foto: Getty Images / Moment/Getty Images

Berlin. „Berliner Bäderkonzept 2025“ wurde der Plan betitelt, den der Senat vor vier Jahren beschloss, um Badegäste aus dem brandenburgischen Umland in die Hauptstadt zurückzuholen. Volle Liegewiesen und Schwimmbecken sowie klingelnde Kassen hatte man sich dadurch versprochen. Funktioniert hat das nicht. Wie nun bekannt wurde, ist der Sanierungsbedarf in Berliner Schwimmbädern deutlich höher als bisher angenommen.

Das geht aus der Antwort des Staatssekretärs für Sport, Aleksander Dzembritzki (SPD), auf eine parlamentarische Anfrage von Stephan Standfuß, sportpolitischer Sprecher der CDU, hervor. Belief sich der Investitionsbedarf für Berlins Schwimmbäder im September vergangenen Jahres auf knapp 170 Millionen Euro, stiegen die Kosten innerhalb eines halben Jahres auf rund 230 Millionen Euro. Der „Tagesspiegel“ hatte zuerst darüber berichtet.

Bis auf eines können alle 62 Bäder genutzt werden

Innerhalb eines halben Jahres ergeben sich somit Mehrkosten in Höhe von 60 Millionen Euro. Die Zahlen aus der Antwort des Staatssekretärs stammen vom Februar 2018. Die Summe könnte seitdem noch einmal gestiegen sein. Denn in der Antwort der Senatsverwaltung heißt es, der Sanierungsstau bilde den Kenntnisstand vom Dezember 2017 ab. Das Risiko, dass sich die Kosten seitdem erhöht haben, sei aufgrund des schlechten Zustands der Bäder groß.

Ein Grund für den Kostenanstieg seien Planungen für Neubauten, die bei der Erhebung im September 2017 noch nicht vorlagen. „Der Wert eines Ersatzneubaus liegt deutlich über dem bestehenden Kostenstau und führt daher zu einem erheblichen Anstieg des Sanierungsstaus“, teilte ein Sprecher der Sportverwaltung auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit. Nichtsdestotrotz sei der Kostenanstieg für einige Standorte enorm.

Aktuell gebe es in Berlin 62 Bäder. Bis auf eines könnten derzeit alle genutzt werden, heißt es. Wie aus einer beigefügten Kostenaufstellung hervorgeht, fallen rund 56 Millionen Euro der aufgestauten Ausgaben auf Einrichtungen, die unmittelbar dem Land Berlin gehören. Dazu zählen etwa das Strandbad Wannsee sowie die Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) in Prenzlauer Berg.

Die Anlage im SSE ist mit mehr als 20 Millionen Euro Investitionsbedarf eines der marodesten Bäder. Einzig das Sommerbad Olympiastadion liegt mit 27 Millionen Euro noch darüber. Für die Sanierung des Stadtbades Tempelhof werden fast 17 Millionen Euro angesetzt. In den Kosten ist allerdings auch ein Neubau für Schul- und Schwimmvereine enthalten. In das Kombibad Mariendorf muss nach Angaben des Staatssekretärs rund 32 Millionen Euro investiert werden. Auch hier soll ein Neubau entstehen.

Das Stadtbad Lankwitz fällt ebenfalls aus der Reihe: Beliefen sich die Sanierungskosten im September 2017 noch auf eine Million Euro, werden nun knapp elf Millionen Euro angesetzt. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, konnten einige Sanierungsarbeiten in diesem Jahr bereits abgeschlossen werden. So wurde das Mehrzweckbecken im Sommerbad Kreuzberg rechtzeitig erneuert, sodass das Bad termingerecht eröffnen konnte.

Für das Stadtbad Tiergarten, das Wellenbad am Spreewaldplatz und das Paracelsus-Bad würden momentan die Sanierungsplanungen laufen, der endgültige Umbau erfolge im kommenden Jahr, heißt es.

Öffnungszeiten der Berliner Bäder immer kürzer

Aus Dzembritzkis Antwort geht auch hervor, dass die Öffnungszeiten der Berliner Bäder in den vergangenen fünf Jahren immer kürzer wurden. Konnte man die Einrichtungen in der Saison 2015 noch fast 161.000 Stunden besuchen, waren es im vergangenen Jahr nur noch 151.000 Stunden.

Der CDU-Abgeordnete Standfuß hatte zum Angebot der Berliner Bäderbetriebe auch gefragt, ob flexiblere Öffnungszeiten – insbesondere in den Sommer- und Strandbädern – möglich seien. In der Antwort von Dzembritzki heißt es, dass eine Verlängerung der Öffnungszeiten bei gutem Wetter grundsätzlich infrage komme. Bereits 2016 wären einige ausgewählter Bäder teilweise länger für Besucher geöffnet geblieben. Im vergangenen Jahr blieb dieses Angebot jedoch aus.

Wie die Berliner Morgenpost berichtete, waren die Besucherzahlen im vergangenen Sommer erneut gesunken. Zwischen 2015 und 2017 waren es demnach sogar eine halbe Million weniger Gäste. Im Mai gab der rot-rot-grüne Senat bekannt, ein neues Management für die Berliner Bäder und einen Anschluss an die Berliner Wasserbetrieben (BWB) zu erwägen.

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