Kriminalität

269 ungeklärte Mordfälle in Berlin

Die Innenverwaltung veröffentlicht Zahlen zu Kapitalverbrechen. 60 Tatverdächtige sind ins Ausland geflüchtet.

Spurensicherung nach einer Gewalttat in Berlin-Wedding (Symbolbild)

Spurensicherung nach einer Gewalttat in Berlin-Wedding (Symbolbild)

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. In Berlin gibt es 269 ungeklärte Mordfälle. Das geht aus einer umfangreichen Antwort von Innenstaatssekretär Torsten Akmann auf eine noch unveröffentlichte kleine Anfrage des innenpolitischen Sprechers der Grünen, Benedikt Lux, hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt. Ungeklärte Altfälle (Cold Cases) werden statistisch seit dem Jahr 1968 erfasst.

Diese Cold Cases werden regelmäßig überprüft. In sieben Fällen führte diese Überprüfung in den vergangen Jahren zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens – wie zum Beispiel der Mord an Hildegard Z. Der Fall wurde im Jahr 2015 von Ermittlern im Berliner Landeskriminalamt (LKA) wieder aufgenommen.

Die 76 Jahre alte Frau war im November 1989 in ihrer Wohnung in Neukölln ermordet worden. 25 Jahre nach dem Verbrechen unterzogen Kriminaltechniker Spurenmaterial einer neuerlichen DNA-Untersuchung und landeten einen Treffer. Gegen einen Mann aus Zehlendorf wurde Haftbefehl erlassen. Allerdings wurde der Tatverdächtige im November 2015 wegen Restzweifeln dennoch freigesprochen.

In drei weiteren alten Mordfällen aus den 90er-Jahren laufen die Verfahren noch. In zwei Mordfällen aus den Jahren 2000 und 2001 wurden die Täter verurteilt. „Es lohnt sich, alte Fälle neu zu bearbeiten. Man braucht aber die Ruhe und die Kapazitäten, um sich damit beschäftigen zu können“, sagte Grünen-Politiker Lux dieser Zeitung.

Aus den Zahlen der Innenverwaltung zu aufgeklärten und ungeklärten Tötungsdelikten in Berlin geht auch hervor, dass sich 60 mit Haftbefehl gesuchte Tatverdächtige, die im Zusammenhang mit Mordfällen gesucht werden, ins Ausland abgesetzt haben. „Der überwiegende Teil der Gesuchten ist in seine Heimatländer geflüchtet, um sich erfolgreich einer Strafverfolgung zu entziehen“, heißt es in der Antwort.

130 verurteilte Mörder in Heimatländer abgeschoben

Die größte Zahl dieser Fluchten betreffe dabei die Türkei, gefolgt vom Libanon, Irak, Syrien, Russland, Vietnam, Thailand und den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien und mehreren afrikanischen Staaten. Sechs der 60 Tatverdächtigen würden allerdings im Ausland wegen anderer begangener Straftaten in Haft sitzen.

„Mit diesen Staaten bestehen keine Auslieferungsabkommen“, heißt es aus der Innenverwaltung. Grünen-Politiker Lux bezeichnete die Zahlen als „erschütternd hoch“. „Die Auslieferungsbegehren dürfen nicht vernachlässigt werden“, so Lux weiter.

In 130 weiteren Fällen wurden verurteilte Mörder in ihre Heimatländer abgeschoben. Das ist möglich, wenn die Täter zwei Drittel ihrer Strafe abgesessen haben. „Die Abgeschobenen wurden darüber belehrt, dass sie ihre Restfreiheitsstrafe verbüßen müssen, wenn sie wieder nach Deutschland einreisen sollten“, heißt es in der Antwort aus der Innenverwaltung. Statistisch werden diese 130 abgeschobenen Straftäter auch in der Spalte der offenen Haftbefehle geführt.

34.572 Todesfälle mit ungeklärter Ursache

Seit dem Jahr 2010 wurden in Berlin 34.572 Todesfälle mit ungeklärter Todesursache polizeilich erfasst. Allerdings wurde der überwiegende Anteil ohne Anhalt auf Fremdverschulden abschließend in den örtlichen Polizeidirektionen bearbeitet.

Ein Vergleich der Kriminalitätsstatistiken zeigt, dass Berlin sich bei den Tötungsdelikten seit Jahren auf einem etwa gleichbleibenden Niveau bewegt. Während im vergangenen Jahr 40 Morde und Mordversuche registriert worden, waren es im Jahr 2008 noch 42 erfasste Taten.

Dazwischen schwanken die Zahlen. Einziger Ausreißer war das Jahr 2009 mit 61 Morden. Die Aufklärungsquoten sind hoch und bewegten sich in den vergangenen Jahren zwischen 80 und 97 Prozent. Im vergangen Jahr lag die Quote bei 82 Prozent.

Beim Totschlag verzeichnete die Polizei in den vergangenen Jahren eine deutliche Trendumkehr. Während die Ermittler im Jahr 2009 noch 94 Fälle registrierten, waren es im vergangenen Jahr 47. Die Aufklärungsquoten betragen wie beim Mord um die 90 Prozent. „Kapitaldelikte haben in den vergangenen Jahren entgegen dem allgemeineren Sicherheitsgefühl abgenommen und die Aufklärungsquoten sind hoch“, sagte Lux der Berliner Morgenpost.

Auch zu Opfern von Tötungsdelikten und Delikten mit Todesfolge veröffentlichte die Innenverwaltung umfangreiches Zahlenmaterial. Demnach waren im vergangenen Jahr von 149 Opfern mit 92 die meisten männlich, der Anteil von ausländischen Opfern lag bei 32,2 Prozent.

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