Grundstückspreise

Häuser im Berliner Umland sind begehrt wie nie

Die Grundstückspreise im Speckgürtel von Berlin steigen deutlich schneller als in anderen Teilen Brandenburgs.

Potsdam.  Die Grundstückspreise in Brandenburg sind im siebten Jahr in Folge gestiegen. Das geht aus dem Grundstücksmarktbericht des Landes hervor, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Demnach haben im vergangenen Jahr 35.312 Grundstücke den Besitzer gewechselt. Insgesamt wurden dafür 5,9 Milliarden Euro bezahlt.

Die Preise für Wohnhäuser sind dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr um neun Prozent gestiegen. Für ein Ein- oder Zweifamilienhaus mussten Käufer im vergangenen Jahr durchschnittlich 213.900 Euro bezahlen, für ein Reihenhaus 180.400 Euro. „Der Boom ist ungebrochen“, sagte Innenstaatssekretärin Katrin Lange.

Dabei gibt es erhebliche Preisunterschiede: Nach Angaben des Vorsitzenden des Gutachterausschusses, Jürgen Kuse, der den Bericht erstellt hat, sind Häuser im Berliner Umland durchschnittlich dreieinhalb Mal so teuer wie Häuser in ländlichen Gebieten, die mehr als eine Stunde Fahrtzeit von Berlin entfernt liegen. So zahlte ein Käufer für ein Einfamilienhaus in Kleinmachnow mit 800.300 Euro so viel wie nirgendwo sonst in Brandenburg. Dagegen wechselte in Golzow (Märkisch-Oderland) ein Haus für 38.300 Euro den Besitzer. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 6600 Ein- oder Zweifamilienhäuser in Brandenburg für einen Gesamtpreis von 1,3 Milliarden Euro verkauft.

Der anhaltende Preisanstieg bei Grundstücke führt auch zu einem veränderten Kaufverhalten. „Wir beobachten, dass das Interesse an Immobilien außerhalb des Berliner Umlandes in den Städten mit einer guten Verkehrsanbindung an Berlin zunimmt“, sagte Kuse. So seien die Preise in Rathenow, Fürstenwalde und Eberswalde überdurchschnittlich angestiegen.

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Auch Eigentumswohnungen werden immer teurer

Dieser Trend zeigt sich der Untersuchung zufolge auch bei Eigentumswohnungen. „Während der Umsatz bei den Kaufverträgen mangels Angebot in Potsdam zurückgegangen ist, verzeichneten die Städte Brandenburg an der Havel und Cottbus deutliche Zuwächse“, sagte Kuse. Hier seien die Zahl der Kaufverträge um 78 beziehungsweise 156 Prozent gestiegen. Den höchsten Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung mussten Käufer in der aufstrebenden Gemeinde Wustermark zahlen (5294 Euro).

Noch größer fiel der Preisanstieg bei Bauland aus. Insgesamt mussten Interessenten für den Kauf 26 Prozent mehr bezahlen als noch vor einem Jahr. Im Durchschnitt kostete ein Quadratmeter Bauland 106 Euro (2016: 84 Euro). Aber auch hier herrschen große Preisunterschiede. Während in Potsdam die Bodenpreise mit 1620 Euro am höchsten sind, liegen sie in den anderen kreisfreien Städten Cottbus, Brandenburg an der Havel, Frankfurt (Oder) zwischen 11 und 440 Euro, so die Gutachter. Am begehrtesten waren Baugrundstücke in Ludwigsfelde im Süden Berlins, wo im Vorjahr mehr als 200 Grundstücke verkauft wurden, gefolgt von Oberkrämer im Nordwesten, Potsdam (jeweils mehr als 150) sowie der Gemeinde Blankenfelde-Mahlow im Süden (140), die in der Nähe des Flughafens Schönefeld liegt.

„Wer ein Haus oder eine Eigentumswohnung erwerben oder sein Traumhaus bauen möchte, muss dazu immer tiefer in die Tasche greifen“, sagte Staatssekretärin Lange. „Es lohnt sich daher, die Marktlage und die Entwicklungen und Unterschiede im Land zu kennen.“ Als Gründe für den anhaltenden Kaufboom in Brandenburg gibt sie die gute wirtschaftliche Lage und das niedrige Zinsniveau an. „Das Geld fließt in Immobilien.“ Wegen der angespannten Mietensituation in der Hauptstadt würden sich zudem immer mehr Berliner dafür entscheiden, nach Brandenburg zu ziehen.

Die größten Grundstückskäufe fanden im vergangenen Jahr gleichfalls im Berliner Umland statt. So kaufte ein Investor in Bernau ein 50-Hektar-Grundstück, ein anderer erwarb ein 30-Hektar-Baufeld in Königs Wusterhausen. Für 73 Millionen Euro wechselte eine Gewerbefläche in Dahlwitz-Hoppegarten den Besitzer, zum Bau einer Wohnanlage kaufte ein anderer Investor ein Grundstück bei Schönefeld für 70 Millionen Euro.

Kein Preisdruck bei Gewerbeflächen

Ein anderes Bild zeigt sich bei den Gewerbeflächen. „Der Markt ist entspannt“, sagte Kuse. Insgesamt wurden 1400 Flächen verkauft, die Preise lagen je Quadratmeter zwischen 125 Euro in den berlinnahen Regionen Dahme-Spreewalds und fünf Euro in den berlinfernen Regionen von Märkisch-Oderland. Im Durchschnitt kosteten sie im Umland 66 Euro, in den ländlichen Regionen 19 Euro je Quadratmeter. Der Grundstücksmarktbericht wird vom sogenannten Gutachterausschuss erstellt. Dabei handelt es sich um ein unabhängiges Gremium aus der Immobilienwirtschaft. Die Mitglieder werden vom Ministerium des Innern berufen und arbeiten – bis auf den Vorsitzenden – ehrenamtlich. Der Marktbericht kann für 45 Euro beim Kundenservice der Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg erworben werden.

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