Infektionen

534 Tote wegen Klinikkeimen in Berlin

In den vergangenen zehn Jahren haben die Krankenhäuser insgesamt fast 3500 meldepflichtige Infektionen erfasst.

534 Patienten sind infolge einer Infektion verstorben.

534 Patienten sind infolge einer Infektion verstorben.

Foto: dpa Picture-Alliance / Jens Kalaene / picture alliance / ZB

Berlin.  In den vergangenen zehn Jahren sind in Berliner Kliniken 3482 meldepflichtige Infektionen erfasst worden, die durch gefährliche Krankenhauskeime hervorgerufen wurden. 534 Patienten sind infolge der Infektion verstorben. Das geht aus der Antwort der Senatsgesundheitsverwaltung auf eine parlamentarische Anfrage des CDU-Abgeordneten Florian Graf hervor. Sie ist noch nicht veröffentlicht, liegt aber der Berliner Morgenpost vor.

Erfasst wurden Infektionen zu vier Krankheitserregern, die typischerweise im Zuge eines Aufenthalts oder einer Behandlung in einem Krankenhaus erworben werden. Am bekanntesten ist der seit 2009 meldepflichtige Erreger MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). Dazu wurden seitdem mehr als 2350 Infektionen in der Stadt registriert, in 198 Fällen waren sie tödlich.

Ein weiterer Krankenhauskeim ist das Darmbakterium Clostridium difficile. Es sorgte in 964 Fällen für Erkrankungen mit schwerem klinischen Verlauf und 327 Todesfällen. Zwei weitere Bakterienarten, für die erst seit März 2016 eine Meldepflicht besteht, riefen insgesamt 166 Infektionen hervor, davon neun mit tödlichem Ausgang.

In Deutschland infizieren sich nach Ansicht von Experten jedes Jahr hunderttausende Menschen mit Krankenhauskeimen. Bakterien, die gegen die meisten Antibiotika resistent sind, stellen ein zunehmendes Problem in Klinken, aber auch in Alten- und Pflegeheimen, dar.

Für gesunde Menschen sind diese Keime in der Regel nicht gefährlich. Für ältere oder immungeschwächte Patienten, Krebskranke, Frischoperierte oder Menschen mit chronischen Wunden hingegen können multiresistente Erreger zur Gefahr werden und unter anderem Lungenentzündungen, Wund- und Harnwegsinfektionen oder Blutvergiftungen auslösen. Die Unempfindlichkeit der Krankenhauskeime gegen Antibiotika schränkt die Therapiemöglichkeiten stark ein. Zudem dauert es oft mehrere Tage, bis der Erreger identifiziert ist.

Gesundheitsämter überwachen die Maßnahmen der Krankenhäuser

Eindeutige Belege, ob sich die Patienten im Krankenhaus infiziert haben oder den Erreger bereits in sich trugen, fehlen in vielen Fällen. In Berlin sind die Gesundheitsämter der Bezirke dafür zuständig, die Maßnahmen der Krankenhäuser gegen Infektionen zu überwachen. Seit Ende 2016 nutzen sie eine Software, mit der Wundinfektionen nach Operationen gemeldet werden können. Im vergangenen Jahr war das bei 78 Patienten der Fall, von denen fünf starben. Insgesamt wurden 386 Fälle gemeldet.

Die Maßnahmen, die in den Berliner Krankenhäusern ergriffen werden, um Infektionen bei Patienten, Mitarbeitern und Besuchern zu vermeiden, sind unterschiedlich. Die meisten Gesundheitsämter gaben aber an, dass die Kliniken die Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Krinko) beim Robert Koch-Institut (RKI) umsetzen. Dort existieren inzwischen fünf Empfehlungen zur Bekämpfung und Kontrolle von Krankenhausinfektionen.

Die Kontrolle der Schutzmaßnahmen durch die Gesundheitsämter ist ebenfalls nicht einheitlich. Während mehrere Bezirke angeben, mindestens einmal im Jahr infektionshygienische Prüfungen in den Krankenhäusern durchzuführen, heißt es in Neukölln, die Überprüfungen fänden „anlassbezogen, in jedem Fall aber alle drei Jahre“ statt. Mitte gibt an, jährliche Kontrollen anzustreben, Marzahn-Hellersdorf spricht von jährlichen Intervallen „in der Regel“.

Die Senatsgesundheitsverwaltung arbeitet gemeinsam mit RKI, Gesundheitsämtern und Krankenhäusern an einem Aktionsplan gegen Krankenhausinfektionen.

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