Islamismus

Hausbesitzer wehrt sich gegen Salafisten-Moschee-Pläne

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Ulrich Kraetzer
Der Inhaber des Objekts will gar nicht verkaufen.

Der Inhaber des Objekts will gar nicht verkaufen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Salafisten hatten in Moabit eine Moschee geplant. Doch der Eigentümer des Grundstücks lehnt den Verkauf an die Extremisten ab.

Berlin. Sie hatten den Eindruck erweckt, kurz vor der Unterschrift eines Kaufvertrages zu stehen. Es gehe um ein Gebäude in Moabit mit einer Fläche von 1200 Quadratmetern. Zentrale Lage, Platz für rund 1000 Gläubige. Der ideale Ort für eine neue Moschee, so der Tenor diverser Botschaften, die die Aktivisten der salafistischen As-Sahaba-Moschee im Internet verbreiteten.

Der einzige Haken: Das Grundstück mit der Lagerhalle sollte rund 800.000 Euro kosten. Man möge also bitte spenden, hieß es. Die Eintrittskarte ins Paradies sei bei der Übermittlung eines Obolus praktisch schon gelöst. Dann folgte die Kontoverbindung.

Die Pläne des Trägervereins der As-Sahaba-Moschee zum Kauf einer Immobilie für eine neue Moschee hatten für einige Aufregung gesorgt. Denn in der Lagerhalle an der Quitzowstraße hätte der Hausprediger der As-Sahaba-Moschee, ein Mann der als Ahmad Abul Baraa bekannt ist, seine pseudo-religiös verbrämte Ideologie vor einem deutlich größeren Publikum verbreiten können als bisher.

Nun aber zeigt sich: Die Extremisten um Ahmad Abul Baraa haben die Rechnung offenbar ohne den Eigentümer des Grundstücks gemacht. Denn der möchte gar nicht verkaufen – jedenfalls nicht an Salafisten.

Von Moschee war keine Rede

Ja, sein Makler habe ihm bestätigt, dass sich einige Interessenten die Lagerhalle angesehen hätten. Dass sie dort eine Moschee betreiben wollen, hätten sie aber mit keinem Wort erwähnt. „Ich will keine Probleme mit dem Verfassungsschutz oder sonst einer Behörde bekommen“, sagt der Mann, dessen Name der Berliner Morgenpost bekannt ist, der diesen aber lieber nicht in der Zeitung lesen will.

Seine Botschaft möchte er aber auch ohne Namen loswerden: „Ich bin selbst Muslim. Aber mit solchen Extremisten möchte ich nichts zu tun haben, und schon gar nicht werde ich denen ein Gebäude verkaufen.“

Ahmad Abul Baraa, der in Predigten dafür „betet“, dass Allah seine „Feinde“ erniedrigen möge, „damit jeder am Tag der Auferstehung auf ihre Köpfe tritt“, dürfte angesichts der unmissverständlichen Absage an die Kaufplanungen in Erklärungsnot geraten. Denn ihre bisherige Bleibe, ein früheres Ladenlokal an der Torfstraße, mussten die Salafisten bereits Ende Juni verlassen.

Denn auch dort hatte der Eigentümer keine Lust mehr auf die Extremisten – und kündigte den Mietvertrag. Bis auf Weiteres stehen Abul Baraa und seine Anhänger also ohne Moschee da. Der Druck, eine Lösung zu präsentieren, wächst.

Sie werden wissen wollen, was aus ihren Spenden wird

Schlimmer noch aus Sicht des Propagandisten: Seine Unterstützer werden wissen wollen, was nun aus ihren Spenden wird. Bisher hatte Abul Baraa solche Nachfragen mit dem Satz beantwortet: „Eine andere masjid (Moschee) nehmen.“ Das könnte sogar klappen. Denn der Trägerverein der As-Sahaba-Moschee wird offenbar auch von reichen Einzelpersonen aus den Golfstaaten unterstützt, die die Ansichten der Salafisten vertreten. Ihm lägen Informationen vor, dass der Verein auf diesem Wege bereits eine große Summe zusammenhabe, sagt der innenpolitische Sprecher der Linken, Hakan Tas.

Gut möglich also, dass Ahmad Abul Baraa seinen Jüngern bald ein neues Objekt präsentieren wird. Gut möglich aber auch, dass auch der Eigentümer dieses neuen Grundstückes erst aus der Zeitung von den wahren Absichten der Kaufinteressenten erfährt.

Der Eigentümer der Immobilie an der Quitzowstraße versichert jedenfalls, dass die Sicherheitsbehörden ihn bis zum heutigen Tag nicht vor den Kaufinteressenten der As-Sahaba-Moschee gewarnt hätten. „Wenn sie das getan hätten, hätte ich diesen Leuten doch längst abgesagt“, versichert er.

Ein Eigentümer, der Salafisten nicht mag, aber vom Staat nicht vor ihnen gewarnt wird: Das dürfe nicht sein, findet Tas. „Die Behörden müssen ihre Informationen nutzen, um Eigentümer oder auch Vermieter zu warnen“, sagt Tas. Denn den Kauf einer Immobilie durch Extremisten zu verhindern, sei deutlich leichter, als sie nach dem Abschluss eines Kaufvertrages in Schach zu halten.

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