Berliner Verkehrsbetriebe

BVG-Beschäftigte kritisieren Chaos bei der Straßenbahn

In einem Brief an den Vorstand klagen die Vertrauensleute der Straßenbahn über gravierende Mängel und schlechte Bezahlung.

Eine Straßenbahn auf dem Alexanderplatz (Archivbild)

Eine Straßenbahn auf dem Alexanderplatz (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Berlin.  Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) rühmen sich, einer der besten Arbeitgeber in der Stadt zu sein. Auch jüngste Werbekampagnen vermitteln das Bild eines besonders leistungsfähigen und modernen Unternehmens. Doch hinter den Fahrerhaustüren ist die Stimmung derzeit alles andere als gut. Vor allem bei den Beschäftigten bei der Straßenbahn wächst der Unmut.

In einem offenen Brief an BVG-Chefin Sigrid Nikutta beklagen 15 Vertrauensleute eine „prekäre personelle Situation im Fahrdienst“. Als Beispiel wird die Lage am 3. Juli genannt. Demnach hätten am Dienstag für 642 Dienste nur 590 Fahrerrinnen und Fahrer zur Verfügung gestanden. „Wir Arbeitnehmervertretungen sind höchst besorgt über die sich täglich weiter verschärfende Situation im Bereich Straßenbahn“, heißt es in dem Brief, der am Mittwoch in den sozialen Netzwerken veröffentlicht wurde.

In den vergangenen Jahren hatte die BVG ihr Angebot besonders im Straßenbahnbereich stark ausgeweitet. Anders als etwa bei der U-Bahn gab es für die Tram zahlreiche neue Fahrzeuge. Zudem wuchs die Zahl der Fahrgäste auf den Strecken aus dem Berliner Osten in Richtung Innenstadt besonders stark. Auf Bestellung des Berliner Senats wurden daraufhin die Taktzeiten verkürzt, teilweise fahren die Bahnen im Abstand von nur drei Minuten.

Die Realität sieht anders aus

Allerdings oft nur auf dem Papier. Denn in der Realität sorgten defekte Weichen, träge Bordrechner und eine zunehmende Zahl von sogenannten Langsamfahrstellen dafür, dass die Fahrpläne kaum einzuhalten sind. Die Vertrauensleute beklagen auch „chaotisch organisierte Straßenbaumaßnahmen“ und „nicht funktionierende Lichtsignalanlagen“, die einen sicheren und ordnungsgemäßen sowie kundenorientierten Straßenbahnbetrieb kaum noch möglich machten.

Ein zweiter, schwerwiegender Vorwurf: Die Organisationsstruktur sei mit den Leistungszuwächsen nicht mitgewachsen. Zwar sei die Zahl der Fahrer von 750 (Ende 2013) auf inzwischen mehr als 1150 gestiegen. Doch gleichzeitig würden Gruppenleiter, Fahrzeug- und Personaldisponenten und Dienstplaner fehlen. Weger gravierender Organisationsmängel und einer nicht leistungsgerechten Bezahlung würden zudem viele Kollegen den Betrieb nach kurzer Zeit wieder verlassen, heißt es.

Der BVG-Spitze wurde von dem Schreiben offenbar überrascht. „Wir nehmen ein solches Schreiben selbstverständlich sehr ernst“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz der Berliner Morgenpost. Die konkreten Vorwürfe müsse man sich aber erst genau ansehen.

Der Berliner Fahrgastverband Igeb sieht die von den Vertrauensleuten geschilderten Mängel als real an. „Die Fahrgäste bekommen das ja täglich durch Verspätungen und Ausfälle zu spüren“, sagte Igeb-Sprecher Jens Wieseke. Er hoffe sehr, dass sich die beiden für die BVG zuständigen Senatorinnen Ramona Pop (Wirtschaft) und Regine Günther (Verkehr) endlich der Probleme annehmen würden.

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