Charlottenburg

Neue Wohnhäuser über der Stadtautobahn A 100

Wie an der Schlangenbader Straße könnte die A 100 am ICC zwischen den Brücken Neue Kantstraße und Knobelsdorffstraße bebaut werden.

An der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf ist ein Teil der Stadtautobahn mit Wohnungen überbaut.

An der Schlangenbader Straße in Wilmersdorf ist ein Teil der Stadtautobahn mit Wohnungen überbaut.

Foto: picture alliance / Arco Images

Berlin. Statt Lärm und Abgasen könnten Wohnungen und Grünflächen entstehen. Die SPD-Abgeordneten möchten ein Teilstück der Autobahn A 100 in Charlottenburg mit einem Deckel schließen. Wenn es technisch möglich ist und die Tragfähigkeit ausreicht, sollten auf dem Deckel nicht nur Erholungsflächen angelegt, sondern auch neue Wohnhäuser gebaut werden. Insbesondere denken die Sozialdemokraten im Landesparlament an den Autobahnabschnitt zwischen den Brücken Neue Kantstraße und Knobelsdorffstraße. Dort verläuft die Autobahn in Troglage und wäre relativ leicht nach oben zu schließen, argumentieren sie. Dann könnten auch die bislang getrennten Wohnquartiere links und rechts der Stadtautobahn wieder verbunden werden.

Die Idee der Überbauung ist Teil eines Antrags der SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Er liegt der Berliner Morgenpost exklusiv vor. Darin fordern die Sozialdemokraten einen Masterplan für die notwendigen Bauarbeiten an der Stadtautobahn zwischen Rathenauplatz (Halensee) und Dreieck Charlottenburg. Dort stehen in den kommenden Jahren an drei wichtigen Abschnitten Neubauten und Sanierungen im Umfang von mehreren Hundert Millionen Euro an. So sollen die Westendbrücke südlich der Spandauer-Damm-Brücke ersetzt und das Autobahndreieck Funkturm umgebaut beziehungsweise neu gebaut werden. Für die Rudolf-Wissel-Brücke ist, wie berichtet, ein Ersatzneubau vorgesehen. Damit verbunden wird ein Umbau des Autobahndreiecks Charlottenburg am Jakob-Kaiser-Platz.

Mit einem solchen Masterplan will die SPD-Fraktion erreichen, dass nicht nur die Verkehrswege im Sinne einer noch aus den 1950er-Jahren stammenden Autobahnplanung ersetzt und wieder tauglich gemacht werden. Stattdessen wünschen sich die Politiker ein zukunftsorientiertes sowie stadt- und umweltverträgliches Konzept.

„Jahrhundertchance, die wir nutzen müssen“

Daniel Buchholz, Stadtentwicklungsexperte der SPD-Fraktion, wirbt für eine große Lösung. In diesem Gebiet seien große Flächen für die wachsende Stadt zu gewinnen, wenn einzelne Autobahnabschnitte im Tunnel geführt würden, erläuterte Buchholz und sprach von einem Schatz, den es zu heben gelte, um Berlin attraktiver zu machen. „Wir haben hier eine Jahrhundertchance, die wir nutzen müssen“, sagte er der Berliner Morgenpost. So ließen sich auch Umweltbelastungen durch Lärm und Feinstaub in Wohngebieten reduzieren. Eine Autobahn-Überbauung gibt es bereits seit vielen Jahren in Berlin – an der Schlangenbader Straße in Schmargendorf. Die Wohnungen dort sind sehr beliebt.

Die SPD plädiert zudem dafür, zwei weitere Maßnahmen in einem Masterplan zu berücksichtigen: einen Radschnellweg entlang der A 100 von Rathenauplatz bis Heckerdamm sowie die Verlegung der Autobahnanschlüsse „Kaiserdamm“ von der Knobelsdorffstraße an die Kaiserdammbrücke. Dafür hatte sich bereits die Bezirksverordneten-Versammlung Charlottenburg-Wilmersdorf, vor allem der SPD-Verordnete Martin Burth, starkgemacht. Bevor ein solcher Masterplan vorliegt, dürfe keine Variante der Neu- und Umbauten an der Autobahn festgelegt werden, mahnte Buchholz. Zuständig für einen solchen Plan ist in erster Linie der Bund, weil die Sanierungen, Um- und Neubauten eine Autobahn betreffen. Buchholz kritisierte, dass für die Rudolf-Wissell-Brücke im Mai ein Planungsauftrag vergeben wurde, in dem die Stadtentwicklung in diesem Bereich keine Rolle spiele. Auch die Beschlüsse der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf seien bisher nicht in die Planung aufgenommen worden. Deshalb sollten der Bund und Berlin gemeinsam den Masterplan erstellen.

FDP fordert Masterplan für Dreieck Funkturm

In diesem Frühjahr diskutierte das Abgeordnetenhaus bereits einen Antrag der FDP mit einer ähnlichen Stoßrichtung. Die Liberalen forderten, den Umbau des Autobahndreiecks Funkturm mit einem Masterplan für eine städtebauliche und verkehrliche Neuordnung und Aufwertung des Umfelds zu verbinden. Auch sie sprachen sich für eine Prüfung aus, ob eine Überbauung der Stadtautobahn in dem Bereich rund um Messe, ICC und Busbahnhof möglich ist, um neue Bauflächen zu gewinnen und die Wohngebiete vor Lärm zu schützen. CDU und AfD stimmten dem Antrag zu, nicht aber die Koalitionsfraktionen. Die SPD-Abgeordnete Ülker Radziwill begründete dies unter anderem damit, dass der Antrag „im Kern nicht mehr notwendig sei“, weil der Senat eine Überbauung von Teilen der Autobahn bereits prüfe.

Der FDP-Antrag sei „zu kurz gesprungen“ erläuterte Daniel Buchholz den Unterschied zum Ansinnen der SPD, das nun von Linken und Grünen geprüft wird. Grundsätzlich ließen aber bei der Debatte über den FDP-Antrag auch Sprecher der Regierungsfraktionen Sympathien für einen Autobahndeckel erkennen. Die Grünen warnten aber vor hohen Kosten.

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