Berlin

Fahrplan für Bau neuer Schulen steht

Die Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet 30 Ober- und der Senat 38 Grundschulen. Die Sanierungen sind bereits in Vorbereitung.

Berlin bekommt neue Schulen.

Berlin bekommt neue Schulen.

Foto: pa

Berlin beginnt wieder in großem Stil Schulen zu bauen, denn der Druck ist groß. Allein die Kinderzahlen in der Grundschule sollen nach Behördenangaben bis 2026 von 170.000 auf 200.000 steigen. Die Senatsbauverwaltung will Ende des Jahres drei Grundschulen in Holzmodulbauweise beginnen und im Sommer 2019 mit sieben neuen Grundschulen starten. Ab 2020 soll es mit den ersten Oberschulen losgehen, die von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Howoge errichtet werden.

Die Zeit bis dahin werde für intensive Planungen, Ausschreibungen und Vorarbeiten benötigt, sagte Howoge-Chefin Stefanie Frensch der Berliner Morgenpost. „Wir wollen offen sagen, wie lange es noch dauert, bis die ersten Bauarbeiten beginnen“, 2023 sollen die ersten neuen Häuser für Gymnasien und Sekundarschulen fertig sein. „Wir sehen unsere Aufgabe darin, als Dienstleister des Landes die Schulbau-Kapazitäten der Senatsverwaltung zu verdoppeln“, so Stefanie Frensch. Derzeit sind sieben Mitarbeiter im Schulbau-Team, später sollen es 18 Fachleute sein, die die externen Planer und Architekten beauftragen und steuern.

Drei Akteure sind am Schulbau beteiligt. Die Bezirke sind für die kleineren Sanierungsprojekte zuständig. Die Senatsbauverwaltung errichtet 38 neue Grundschulen und übernimmt zehn Sanierungen, die mehr als zehn Millionen Euro kosten, sowie 21 kleinere Vorhaben. Die Howoge baut 30 Oberschulen, die mit je 50 Millionen Euro kalkuliert sind, und setzt zehn größere Sanierungsvorhaben um. Insgesamt soll das Wohnungsbauunternehmen in den nächsten zehn Jahren Investitionen von 1,5 Milliarden Euro stemmen. Die gesamte Schulbauoffensive hat einen Umfang von 5,5 Milliarden Euro.

Der Senat hat die Howoge wegen ihrer Finanzkraft und ihrer Erfahrungen im Wohnungsneubau mit dem Schulbau beauftragt. Das Landesunternehmen darf Kredite aufnehmen, die das Land unter den ab 2019 geltenden Bedingungen der Schuldenbremse nicht mehr nutzen darf. Zwar ist die Finanzlage Berlins wegen der sprudelnden Steuereinnahmen derzeit so gut, dass sich die neuen Schulen womöglich auch aus dem Haushalt bezahlen ließen, aber niemand kann vorhersagen, ob das die nächsten Jahre so bleibt.

Die Howoge übernimmt die von ihr gebauten Schulen in Erbpacht für 30 Jahre, so lange, bis sie bilanziell abgeschrieben sind. Die Bezirke zahlen Miete. Gegen dieses Modell macht eine Bürgerinitiative mobil, warnt vor einer Privatisierung der Schulen, vor höheren Kosten und Risiken. „Das Wort Privatisierung ist unpassend, wir gehören zu 100 Prozent dem Land Berlin“, konterte die Howoge-Chefin. „So gesehen würden wir ständig Wohnungsprivatisierung betreiben.“ Die Howoge stehe unter politischer Kontrolle: „Ich darf nicht einmal einen Parkplatz verkaufen, ohne dass der Vermögensausschuss des Abgeordnetenhauses zustimmt“, so Frensch.

Wettbewerb für Ideen

Der erste Neubau soll in einer Art Pilotprojekt eine Sekundarschule an der Allee der Kosmonauten in Lichtenberg werden. Dabei orientiert sich die Howoge an dem mit Senat und Bezirken festgelegten Raumbedarf. „Wir müssen darin aus Zahlen des Raumprogramms Architektur machen“, sagte Jens Wadle, Leiter Schulbau der Howoge. In einem Wettbewerb will das Unternehmen Ideen einsammeln, wie möglichst viele Teile der 30 Neubauten, etwa die Turnhallen, typengleich zu erstellen sind. Eins zu eins die gleichen Gebäude zu errichten, gehe nicht, so die Experten. Dazu seien schon die Grundstücke zu unterschiedlich. „Wir wollen nicht auf die Entwürfe von Architekturbüros verzichten“, sagte Frensch.

Vor dem Neubau wird die Sanierung in den Howoge-Schulen starten. Erstes Objekt wird die Ernst-Reuter-Schule in Wedding sein. Noch in diesem Jahr werden die ersten Gebäude ausgemessen, 2019 soll dann konkret geplant werden. Der Senat wird seine Projekte erst 2023 beginnen.

Noch hat der Senat den Grundlagenvertrag mit der Howoge über den Schulbau-Auftrag zwar nicht unterschrieben. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft geht dennoch bereits in Vorlage.

Die Schulbau-Einheit ist im Aufbau, es wurden Planer rekrutiert, die schon Schulen gebaut haben. Nächster Schritt ist die Ausschreibung für die Generalplaner, die die zehn der Howoge zugeordneten Sanierungsprojekte betreuen. Sie werden dann 2019 vier oder fünf Monate in den Schulen sein, um sich ein Bild zu machen und Pläne zu erstellen.

Vorher will die Howoge die Schulen bereits vermessen. „Was die Sanierung der einzelnen Schulen wirklich kostet, kann man heute noch nicht sagen. Der Gebäudescan basiert auf einem systematischen Ansatz. Die konkrete Bestandsaufnahme in den Schulen wird jetzt durch uns beginnen“, so der Leiter Schulbau Jens Wadle. Dazu gehöre auch die Abstimmung mit den Schulleitern, Lehrern und Eltern, wie die Schulen unter laufendem Betrieb modernisiert werden können.

Howoge-Chefin Stefanie Frensch versichert, das Landesunternehmen werde ebenso eng kommunizieren wie die Senatsverwaltung, die ebenfalls zehn größere Sanierungsvorhaben bearbeitet, aber erst 2023 damit anfangen möchte. Die Howoge plant einen früheren Start, möglichst schon 2020.

Zwei Sanierungsvorhaben pro Jahr

Die Howoge-Chefin ist optimistisch, die vorgegebenen Ziele erreichen zu können. Es geht um 40 Projekte über zehn Jahre, die voraussichtlich alle vier bis fünf Jahre dauern. Das wäre gut halb so lange wie bisherige Schulbauvorhaben, die sich schon mal neun oder zehn Jahre hinschleppten. Es sei möglich, zwei Sanierungsvorhaben pro Jahr zu projektieren sowie zwei bis vier Neubauten und alles parallel anzuschieben, sagen die Experten bei der Howoge. So werde man 2030 womöglich nicht mit den letzten Bauvorhaben fertig sein, aber auf dem Wege dorthin.

Die Howoge beruft sich auf ihre Erfahrungen mit dem Wohnungsneubau, mit dem die Lichtenberger 2013 deutlich früher begonnen haben als andere kommunale Wohnungskonzerne. 30 Mitarbeiter widmen sich dem Neubau und haben es mit 1000 fertiggestellten Wohnungen pro Jahr zu einem der größten Projektentwickler der Stadt gebracht. Nach diesem Vorbild soll auch das 18-köpfige Schulbauteam vorgehen, das auch von den zentralen Servicebereichen des Unternehmens unterstützt wird. Die Howoge-Chefin ist sicher, die noch benötigten Fachleute schnell einstellen zu können.

Sorgen bereitet der Howoge eher die Lage der Bauwirtschaft. Fehlende Kapazitäten der Firmen könnten die Schulbauoffensive bremsen.

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+++ Berlin-Podcast +++ Die Bergius-Schule in Friedenau macht es vor: Mit Disziplin wurde aus einer Problemschule ein Vorbild. Aus einem Problem-Bus wurde unterdessen der „Bus der Zukunft“, mit Panorama-Dach, WLAN und USB-Buchsen. Und an der Polizeiakademie gibt es Probleme mit der Rechtschreibung. Das und mehr in der aktuellen Ausgabe „Molle und Korn“.

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