Ausrüstung veraltet

Hilferuf: Berliner Feuerwehr steht vor dem Kollaps

Von 41 Katastrophenschutzfahrzeugen werden in diesem Jahr 21 Fahrzeuge ausgesondert. Im Jahr 2020 stehen nur noch acht zur Verfügung.

In diesem Jahr werden einige Katastrophenschutzfahrzeuge ausgesondert.

In diesem Jahr werden einige Katastrophenschutzfahrzeuge ausgesondert.

Foto: dpa Picture-Alliance / Paul Zinken / picture alliance / Paul Zinken/d

Berlin. Die Ausrüstung der Berliner Feuerwehr ist veraltet. So haben 80 Prozent der Löschfahrzeuge ihre vorgesehene Nutzungsdauer überschritten. Deshalb hat nun der Landesfeuerwehrverband einen dramatischen Appell an alle Parteien im Abgeordnetenhaus gerichtet.

In einem dreiseitigen Schreiben, das der Berliner Morgenpost vorliegt, schildert Landesverbandschef Sascha Guzy die dramatische Situation. „Die Berliner Feuerwehr steht kurz vor der Handlungsunfähigkeit im Regeleinsatzdienst“, schreibt Guzy. Die überalterten Fahrzeuge hätten erhebliche Korrosionsschäden und Undichtigkeiten. Zudem würden die Wachen unter „Nicht-mehr-Verfügbarkeit von Ersatzteilen“ leiden. „Aufgrund der Überalterung müssen Ersatzteile teilweise extra angefertigt werden“, heißt es in dem Schreiben.

Düstere Aussichten auch beim Katastrophenschutz

Weil immer häufiger Fahrzeuge bei der Berufsfeuerwehr ausfallen, bedienen sich die Mitarbeiter beim ebenfalls veralteten Fuhrpark der freiwilligen Feuerwehren. „Mehrere freiwillige Feuerwehren mussten bereits ihren Dienst wegen dieser Pragmatik einstellen“, schreibt der Vorsitzende des Landesfeuerwehrverbandes, Sascha Guzy, in einem Brief an die Parteien des Abgeordnetenhauses.

Noch düsterer sehe es beim Kata­strophenschutz aus, so Guzy. Die Kata­strophenschutzfahrzeuge der Brandschutzbereitschaften wurden 1994, 1995 und 1997 vom Bund an das Land Berlin übergeben. Von 41 Katastrophenschutzfahrzeugen werden in diesem Jahr 21 Fahrzeuge ausgesondert. Laut Landesfeuerwehrverband stehen im Jahr 2020 nur noch acht Fahrzeuge für den Kata­strophenschutz zur Verfügung.

Von ehemals fünf Brandschutz­bereitschaften (BSB), die aus mehreren Fahrzeugen bestehen und für Extrem­lagen zurückgehalten werden, existieren noch vier und im Jahr 2020 nur noch eine. Die Brandschutzbereitschaften waren bei den Jahrhunderthochwassern zur Amtshilfe außerhalb Berlins, aber auch im Herbst 2017 zur Bewältigung der Stürme „Xavier“ und „Herwart“ und der Folgeschäden im Einsatz.

Guzy schreibt, dass das Reparaturbudget pro Fahrzeug im Durchschnitt bei 2500 bis 3400 Euro liege. Die tatsächlichen Reparatur-Kostenvoranschläge würden sich durchschnittlich allerdings auf 15.000 Euro belaufen. Das Schreiben an die Abgeordneten endet mit der Aufforderung: „Wir erwarten, dass der Senat seiner Verantwortung nachkommt und der Berliner Feuerwehr die nötigen Mittel zur Gefahrenabwehr – ausreichende moderne Fahrzeuge für den Regeleinsatzdienst und für den Katastrophenschutz – bereitstellt“, und: „Wir retten Berlin, retten Sie die Berliner Feuerwehr.“

20 Millionen Euro wären nötig, um einen Kollaps zu vermeiden

Wochenlang hatten Feuerwehrleute vor dem Roten Rathaus demonstriert. Innensenator Andreas Geisel (SPD) hatte den Protest befriedet, indem er den Feuerwehrleuten höhere Zulagen, neue Technik und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit versprach. Geisel betonte, bereits mit dem Haushalt 2018/2019 sei die Trendwende zu der angespannten Situation eingeläutet worden. 350 zusätzliche Stellen werden eingerichtet, für 8,7 Millionen Euro 94 neue Fahrzeuge angeschafft. Viel zu wenig, sagen Kritiker des Kompromisses. Um einen Kollaps zu vermeiden, wären mindestens 20 Millionen Euro an Investitionen nötig. Statistisch konnten allein bis Ende März dieses Jahres in 1386 Fällen Löschfahrzeuge nicht oder nur eingeschränkt besetzt werden.

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