Protest-Aktion

Greenpeace verteilt 3500 Liter gelbe Farbe am Großen Stern

Greenpeace-Aktivisten haben am Dienstagmorgen den Großen Stern in eine Sonne verwandelt. Die Polizei ermittelt.

Dies ist das Resultat von Greenpeace.

Dies ist das Resultat von Greenpeace.

Foto: Greenpeace

Berlin. Plötzlich war es um den Großen Stern gelb. Aktivisten von Greenpeace haben am Dienstagmorgen auf den Fahrbahnen rund um die Siegessäule 3500 Liter gelbe Farbe verteilt. Aus der Luft solle so ein riesiges Sonnensymbol entstehen, so Greenpeace. Auf einem Banner forderten die Umweltaktivisten zudem "Sonne statt Kohle".

Zunächst wurde die Farbe mit Düsen per Lastkraftwagen auf die Straße aufgetragen. Dann wurde sie mit Bürsten und Besen verteilt. Den Rest übernahmen die Autos: Sie verbreiteten das Gelb auf den Straßen rund um den Großen Stern.

Polizei und Verkehrsinformationszentrale warnten, die Straßen könnten durch die Farbe rutschig sein. Zwar sollen die Aktivisten nach eigenen Angaben rund um den Großen Stern mit Schildern auf die Rutschgefahr hingewiesen haben. Offenbar stürzte dennoch mindestens ein Radfahrer, wie auf Bildern bei Twitter zu sehen war.

BSR reinigt die Straßen am Großen Stern

Reinigungsfahrzeuge der BSR sind seit dem Vormittag am Großen Stern unterwegs und versuchen, die Farbe von den Fahrbahnen zu beseitigen. „Wir sind mit drei Spülwagen und fünf Kehrmaschinen im Einsatz“, sagte BSR-Sprecher Sebastian Harnisch am Dienstagvormittag. Die Reinigung sei sehr aufwendig und werde voraussichtlich noch einige Stunden dauern. Die Mitarbeiter müssten mehrere Durchgänge fahren, um die Farbe zu entfernen.

Die BSR sei von der Polizei angefordert worden. Die Kosten für die Reinigung müsse der Verursacher tragen. Eine Summe konnte die BSR noch nicht nennen. Laut Greenpeace handelt es sich bei der Farbe um ein ökologisch unbedenkliches, selbst angerührtes Gemisch aus Zellulose und dem Mineral Spinell.

Mittlerweile sind die Fahrbahnen im Kreisverkehr um die Siegessäule weitestgehend gereinigt, sagte ein Polizeisprecher.

Polizei hat Ermittlungen eingeleitet

Die Farbaktion könnte für Greenpeace ein rechtliches Nachspiel haben. Die Polizei hat Ermittlungen wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz eingeleitet. Vor Ort nahmen Beamte die Personalien von rund 15 Aktivisten auf, sagte ein Polizeisprecher.

Zudem teilte die Polizei auf Twitter mit, jeder, der durch die "verbotene demonstrative Aktion am Großen Stern" geschädigt worden sei, könne online oder auf jeder Wache Anzeige erstatten.

Die Aktion ist Teil des Protests der Umweltschutzorganisation gegen die Klimapolitik der Bundesregierung. Anlass ist das erstmalige Zusammentreten der Kohlekommission am Dienstag in Berlin. Die Kommission soll bis Ende 2018 klären, wie Deutschland die CO2-Lücke zum Klimaziel für das Jahr 2020 schließen kann und der deutsche Beitrag zum Pariser Klimaabkommen zur Begrenzung der globalen Erwärmung unter 1,5 und 2 Grad Celsius klar formuliert wird. Dazu soll ein Datum für das Ende der Kohleverstromung in Deutschland festgelegt werden.

"Der verschleppte Kohleausstieg ruiniert Deutschlands Klimabilanz und bremst die Modernisierung unseres Energiesystems hin zu Solar und Windkraft", sagt Greenpeace-Sprecher Christoph von Lieven. Die Kohlekommission gebe den betroffenen Menschen und Investoren nur dann die nötige Planungssicherheit, wenn sie ein Enddatum festlege, mit dem Deutschland seine Klimaziele nachweislich erreichen könne.

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