Wirtschaft

Berlin will soziale Firmen fördern

Die Investitionsbank öffnet ihre Programme für gemeinnützige Unternehmen und Vereine. Senatorin Pop unterstützt die Pläne.

Blick auf Berlin (Archivbild)

Blick auf Berlin (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin.  Die Förderbank des Landes Berlin will Darlehen und Kredite künftig auch an gemeinnützige Unternehmen und Vereine vergeben. Das sagte der Vorstandsvorsitzende der Investitionsbank Berlin (IBB), Jürgen Allerkamp, im Interview mit der Berliner Morgenpost. Die Neu-Ausrichtung in der Wirtschaftsförderung war auch Thema bei der vergangenen Verwaltungsrats-Sitzung der Landes-Tochter. „Wir haben erkannt, dass es zunehmend Unternehmen gibt, die nicht nur auf Gewinnmaximierung aus sind, sondern auch von anderen Dinge angetrieben werden. Denen möchten wir uns stärker widmen“, sagte Allerkamp. Die IBB plane zunächst, herkömmliche Darlehens- und Kreditprogramme für die sozialen Unternehmen zu öffnen. Den Anteil des neuen Geschäftsfelds am gesamten Wirtschaftsfördervolumen der IBB schätzt Allerkamp auf weniger als zehn Prozent.

Im vergangenen Jahr hatte die IBB Finanzierungen in Höhe von 294 Millionen Euro an die Berliner Wirtschaft ausgereicht. Der weitaus größte Teil davon waren niedrigverzinste Darlehen. Der kleinere Teil, etwa 83 Millionen Euro, flossen aus der sogenannten Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) als Zuschüsse an die Berliner Betriebe. Mittelständische Unternehmen in Berlin erhalten die Förderung etwa dann, wenn durch Erweiterungen neue Arbeitsplätze entstehen oder die Entwicklungsabteilung gestärkt wird.

„Social Entrepreneurs“ leisteten wichtigen Beitrag

Der GRW-Fördertopf soll für die sozialen Unternehmen auch künftig verschlossen bleiben, so Allerkamp. Möglicherweise könnte die IBB für die gemeinnützigen Firmen aber eigene Programme auflegen. Zu dieser Frage stehe die Förderbank auch im Austausch mit der zuständigen Senatsverwaltung für Wirtschaft, so der Vorstandsvorsitzende der Bank.

Berlin sei Deutschlands Gründer-Hauptstadt, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Viele Start-ups würden ihre wirtschaftliche Tätigkeit mit einem gesellschaftlichen Mehrwert verbinden, so die Politikerin. „Wir unterstützen die IBB, ihre Förderprogramme auch für Berliner Sozialunternehmen zu öffnen“, sagte Pop. Die sogenannten Social Entrepreneurs leisteten mit innovativen Ansätzen einen bedeutenden Beitrag in den Bereichen sozialer Zusammenhalt, Bildung, Umwelt oder Nachhaltigkeit. „Ich freue mich, dass künftig auch Social Entrepreneurs im Rahmen der Wirtschaftsförderung unterstützt werden können“, erklärte die Senatorin.

Diskussion um knappe Flächen für Unternehmen

Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost betonte IBB-Chef Allerkamp zudem, dass sich sein Institut verstärkt in die Debatte um Flächenknappheit für Unternehmen einbringen wolle. Der Wettbewerb zwischen Wohnen und Gewerbe um Grundstücke sei schärfer geworden. Dies sei ein echtes Dilemma, so der Banker. „Die Verwaltung ist gefragt, neue Flächen zu entwickeln, und auch wir als IBB werden uns Gedanken machen, wie wir die Erschließung von Gewerbeflächen fördern“, erklärte Allerkamp. Konkrete Ideen gebe es aber noch nicht.

Er glaube allerdings, dass in Zukunft ein freundliches Zusammenspiel zwischen Unternehmen und Bewohnern wieder möglich sei. „In der Digitalisierung sehe ich eine große Chance, Wohnen und Gewerbe miteinander zu versöhnen und auch wieder stärker zusammenwachsen zu lassen“, erklärte Allerkamp.

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