Nena-Konzert

Wie Nena bei ihrem Konzert Deutschland eint

Seit 40 Jahren steht die Sängerin auf der Bühne. Wenige scheinen die Republik so zu einen wie sie. Weil sie richtig liegt?

Nena sorgte für eine gute Show in der Zitadelle Spandau

Nena sorgte für eine gute Show in der Zitadelle Spandau

Foto: Christina Kratsch / DAVIDS

Berlin. Worauf kann man sich in Deutschland eigentlich noch einigen? In der Spitzenpolitik auf nicht mehr viel, scheint es. Selbst ein einiges Europa – lange Wunschtraum der Nachkriegsdeutschen – scheint irgendwie uncool geworden. An den Kaffeetafeln und Bierbänken der Republik werden sich die Köpfe eingehauen darüber, was sagbar ist. Freundschaften zerbrechen darüber. Das Wort „Hass“ – alltäglich.

Schaut man sich am Freitagabend in der ehrwürdigen Zitadelle Spandau bei Nenas „Nichts versäumt“-Tour um, glaubt man, sie alle hier versammelt zu sehen. Die Streithähne. Wie sie gedankenverloren zu ihrer Ballade „Wunder geschehen“ wippen. Die Mutter, die sich im Refrain das feuchte Auge trocknet. Ihre zwei Töchter anschaut.

"Wunder geschehen. Ich hab's gesehen"

Da sind die beiden grauhaarigen Herren, die sich am Einlass noch über „die olle Merkel“ ausließen. Da ist Grünen-Chefin Annalena Baerbock in passend grünlicher Windjacke. Da ist das lesbische Pärchen mit Kind auf den Schultern und der CDU-Lokalpolitiker. „Wunder geschehen. Ich hab’s gesehen.“

Nena. Das ist deutsches Kulturgut. Wie Reinheitsgebot, Fußball, Bockwurst und Udo Lindenberg. Seit 40 Jahren steht sie auf der Bühne. Gabriele Susanne Kerner, 58 Jahre alt. In einem Spanienurlaub mit ihren Eltern mal „Nena“ getauft: kleines Mädchen. Den Eltern gefiel das. Sie behielt den Namen. Bis heute.

„Wir hauen euch den 80er-Sound um die Ohren”, ruft die Sängerin zu Beginn des Konzerts. Jubel. Ihre Band kommt ganz in schwarz auf die Bühne, sie spielt seit Jahren mit ihnen zusammen. Beständigkeit, auch so ein Nena-Attribut. Eigentlich waren ja die 80er-Jahre schon ihre große Zeit. 1982 schoss „Nur geträumt“ in die Charts. 1983 erschien ihr Über-Hit „99 Luftballons“. Anfang der Nullerjahre wurden ihre alten Songs wieder super populär. Sie ist sowas wie die weibliche deutsche Stimme für mehrere Generationen.

Das Publikum: ein Querschnitt der Mehrheitsgesellschaft

Ihr Publikum hier ist ein Querschnitt durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft. Eher über 40 und mit Nena groß geworden. Songs wie „Nur geträumt“, „Leuchtturm“ oder „Liebe ist“ wurden millionenfach in deutschen Wohnzimmern und Partykellern gesungen. Sie nach 40 Jahren auf der Bühne so hinzulegen wie Nena und ihre Band am Freitagabend – da könnten sich einige Musiker-Kollegen noch was abschauen. Stimmt’s Axl Rose?

Dann mitten im Konzert: Nena singt „Feuer und Flamme“, das Lied endet in einem großartigen Gitarrensolo. Und die Sängerin, ärgerlicherweise immer wieder „Rock-Oma“ getauft, taucht inmitten des Publikums wieder auf. Auf „der kleinsten Bühne der Welt“, wie sie sagt. Einer Bühneninsel zwischen Hauptbühne und Technikturm. „Auf sowas habe ich mal angefangen“, ruft sie. Die Fans ganz nah. Nena unser.

Die richtigste Zeile der deutschen Pop-Geschichte

Und als dann gegen Konzertende in „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ die Zeile „Liebe wird aus Mut gemacht“ durch die Zitadelle schallt, fällt auf, dass sie damit vielleicht nicht die eleganteste, aber doch eine der richtigsten Zeilen der deutschen Pop-Geschichte geschrieben hat. Vielleicht kann sich Deutschland ja darauf einigen.