Polizeiakademie

Zwei von drei Polizeischülern mit Note 6 im Diktat

Die Bildungsdefizite angehender Polizisten werden immer schlimmer, zeigt ein Bericht. Im Diktat bekamen mehr als 60 Prozent die Note 6.

Schüler der Berliner Polizeiakademie sollen in Spandau herumgegrölt und randaliert haben. Polizeipräsident Klaus Kandt kündigte an, dem Vorfall auf den Grund zu gehen.

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Berlin. Die Bildungsdefizite angehender Polizeibeamter in Berlin sind gravierender als bislang angenommen. Das geht aus dem Abschlussbericht des Sonderermittlers Josef Strobl über die Situation an der Polizeiakademie hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. Der 100-seitige Bericht soll am Montag im Innenausschuss vorgestellt werden.

Deutliche Defizite gibt es vor allem bei den Deutsch-Kennnissen der Auszubildenden. Die sprachliche Kompetenz einer Vielzahl von Auszubildenden sei insgesamt eher als unterdurchschnittlich zu bewerten, ist dem Bericht zu entnehmen. Zahlen zu den so genannten Einstufungsdiktaten, die die Polizeianwärter während ihrer Ausbildung mehrfach schreiben müssen, belegen dabei besonders deutlich das ganze Ausmaß der Defizite. So erhielten im Einstellungsjahrgang 2016 137 von 218 Auszubildenden für ihre Diktate die Note 6.

Mehr Personal soll die Probleme beheben

„Der Ausbildungserfolg in Gänze war und ist grundsätzlich noch nicht in Gefahr“, heißt es in dem Bericht, wobei die Worte noch nicht eigens unterstrichen sind. Jedoch, heißt es im Fazit des Sonderermittlers weiter, sei deutlicher Verbesserungsbedarf festgestellt worden. Der gilt sowohl für die Gestaltung des Unterrichts als auch für die Organisation der Akademie und das Auswahlverfahren für die Bewerber. Dazu erhält der Bericht eine Vielzahl von Handlungsempfehlungen.

Dabei gibt es allerdings ein Problem, von dem derzeit nicht sicher ist, wie es gelöst werden könnte. Es sei davon auszugehen, dass das empfohlene Konzept nur mit deutlich mehr Personal umgesetzt werden könne, stellen Strobl und seine Mitarbeiter unmissverständlich fest. Kommen soll das zusätzliche Personal den Handlungsempfehlungen zufolge aus allen anderen Bereichen und Dienststellen der Berliner Polizei.

Denen sei die Notwendigkeit weiterer Personalabstellungen verständlich zu machen. Eine Idee, wie das funktionieren könnte, hat der Sonderermittler auch. Die Abstellung von Mitarbeitern für die Polizeiakademie solle den betroffenen Dienststellen als „Investition in die Zukunft“ schmackhaft gemacht werden.

Akademieleitung wurde komplett ausgetauscht

Die Polizeiakademie war 2017 in die Schlagzeilen geraten. Berichte über ein erschreckendes Bildungsdefizit der Auszubildenden und Disziplinlosigkeiten bis hin zur Begehung von Straftaten machten die Runde. Zudem gab es Klagen und Kritik von Ausbildern an die Adresse der Akademieleitung, die inzwischen komplett ausgetauscht wurde. Zugleich beauftragte Innensenator Andreas Geisel Sonderermittler Josef Strobl, einen pensionierten Kriminaldirektor und ausgewiesenen Fachmann aus Bayern mit der Untersuchung der Zustände.

Dessen Bericht liegt jetzt vor. Und zumindest in einem Punkt hat er Positives für Innenverwaltung und Polizeibehörde zu vermelden: Es konnten keinerlei großartige Missstände in Form von dienstrechtlichen Unregelmäßigkeiten oder gar strafrechtlichen Verfehlungen festgestellt werden.

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