Berlin

Schimmel im Amt: Mitte lagert Akten in Brandenburg

Die kontaminierten Räume wurden gesperrt. Archivierte Baudokumente sind bis weit ins kommende Jahr nicht einsehbar.

Das Rathaus Tiergarten ist teilweise von Schimmel befallen

Das Rathaus Tiergarten ist teilweise von Schimmel befallen

Foto: Schoening Berlin / picture alliance

Das Bezirksamt Mitte hat ein gravierendes Problem: Schimmelbefall. Betroffen sind mehrere Räume im Rathaus Mitte an der Karl-Marx-Allee, ein Keller im Rathaus Tiergarten am Mathilde-Jacob-Platz sowie das Bauaktenarchiv an der Schulstraße in Wedding. Umfangreiche archivierte Aktenbestände sind daher nicht zugänglich. Bereits Ende vergangener Woche wurde bekannt, dass der Schimmelbefall für Verzögerungen beim Versenden der Einschulungsbescheide sorgt. Nun wird deutlich, dass es auch bei der Bearbeitung von Bauanträgen sowie in der Bau- und Wohnungsaufsicht zu erheblichen Einschränkungen kommt.

„Die Sperrung des Archivs wirkt sich hemmend auf die Erstellung von Bauvorlagen aus“, erklärte Gesundheitsstaatssekretär Boris Velter (SPD) auf Anfrage des FDP-Fraktionschefs im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja. Das betreffe vor allem Baumaßnahmen im Bestand, die Bearbeitung von Anträgen für Neubauten erfolge „nahezu ungestört“. Aus dem Bezirksamt Mitte hieß es hingegen, dass etwa bei der Schließung von Baulücken die Akten für die Nachbarhäuser benötigt würden. Das gelte ebenso bei juristischen Auseinandersetzungen um Neubauten. Schwierig, so Velter, stelle sich auch die Situation für andere Ämter dar, die regelmäßig auf Akten der Bauaufsicht zugreifen. Dies sind nach Angaben von Fachleuten etwa Stadtplanungs-, Wohnungs- und Schulamt sowie die Abteilung Bürgerdienste.

Bauaktenarchiv bleibt in diesem Jahr geschlossen

Das Bauaktenarchiv ist wegen der Belastung des Gebäudes mit Schimmelsporen voraussichtlich bis weit ins kommende Jahr hinein geschlossen. „Eine Einsichtnahme in die Bauakten ist ausnahmslos auf unabsehbare Zeit nicht mehr möglich“, heißt es dazu auf der Webseite des Bezirksamtes. Auch die anderen belasteten Räume sind nicht zugänglich. Wie lange dort die Sperrung anhält, lasse sich noch nicht absehen, sagte der für das Facility Management des Bezirks zuständige Stadtrat Carsten Spallek (CDU) der Morgenpost. Die bereits gereinigten Büros und Aktenordner des Schulamtes in der dritten Etage des Rathauses Mitte sollen in wenigen Wochen wieder freigegeben werden. Dazu müsse aber das Ergebnis einer Laboruntersuchung vorliegen, ob die Reinigung erfolgreich war.

Ein auf Schimmelbeseitigung spezialisierter Dienstleister hole nun alle kontaminierten Akten aus den Archivkellern ab und säubere sie manuell, so Spallek. Zudem müssten die Räume gereinigt und gegebenenfalls saniert werden, um die Ursache des Schimmelbefalls zu beseitigen. Akten, die nicht regelmäßig benötigt würden, sollen nach der Reinigung nicht wieder in die Rathauskeller zurückkehren, sondern in externe Archive ausgelagert werden. Dazu gebe es in Brandenburg und anderen Bundesländern geeignete klimatisierte Räume, so der Stadtrat. Die Akten würden dann auf Anforderung per Kurier nach Mitte gebracht. Um die Bearbeitung der Einschulungsbescheide nicht weiter zu verzögern, hätten Mitarbeiter des Spezialunternehmens die gesperrten Räume des Schulamtes in Schutzanzügen betreten und die Akten dort eingescannt.

FDP: „Armutszeugnis für Berlin und Mitte“

„Nach dem Personalmangel entscheidet jetzt der Schimmel über den Bearbeitungsstand von Anträgen in der Berliner Verwaltung. Es ist doch keinem Bauherren und keinem Elternteil vermittelbar, warum Aspergillus und Co. ihren Bescheid verzögern, während sich der Amtsmitarbeiter mit Atemmaske und Schutzanzug durch die Aktenlage blättert“, monierte FDP-Fraktionschef Czaja ironisch. Die Antworten auf seine Anfrage seien ein Armutszeugnis für die Stadt Berlin und den Bezirk Mitte. „Die teuer gereinigten Akten müssen gleich digitalisiert werden, anstatt sie im nächsten Archiv in Brandenburg den nächsten Sporen auszusetzen. In der digitalen Welt kennt man zwar Viren - aber zumindest keinen gesundheitsschädigenden Schimmel“, sagte Czaja der Berliner Morgenpost.

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