Berlin

Baumfällung in Kreuzberg wegen wuchernder Wurzeln

Seinen vielen ausladenden Straßenbäumen verdankt Berlin den Ruf, eine lebenswert grüne Metropole zu sein. Den Bau- und Umweltämtern in den Bezirken allerdings bescheren wild wachsende Baumwurzeln und morsche Äste viel Arbeit. So mussten an der Großbeerenstraße in Kreuzberg in dieser Woche vier alte Linden gefällt werden – zum Ärger mancher Anwohner.

„Die Wurzeln hatten Fahrbahn und Gehweg etwa 20 Zentimeter angehoben“, heißt es zur Begründung der Fällaktion aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg. Dadurch seien auf dem Straßenstück zwischen der Hagelberger und der Kreuzbergstraße Wasserleitungen ebenso wie der Straßenverkehr gefährdet worden. Betroffen war auch der Gehweg. Eine Bushaltestelle in dem betroffenen Abschnitt musste bereits abgesperrt werden.

Allein die Beseitigung der Wurzeln sei keine Lösung gewesen, teilte ein Mitarbeiter der Abteilung Bauen in der Bezirksverwaltung mit. Die Standsicherheit der Bäume habe bei solch einem begrenzten Eingriff nicht mehr gewährleistet werden können. Zusätzlich kippte eine der Linden nach Auskunft der Fachleute bereits seit Jahren gefährlich zur Seite. Mehrfach war der Baum deshalb gekürzt worden, ohne dass das Risiko dadurch beseitigt werden konnte. Die Bauverwaltung beauftragte deshalb externe Firmen mit der Beseitigung der Gefahrenquellen.

Grundsätzlich gilt in Berlin wie in anderen deutschen Kommunen, dass während der Vogelschutzzeit vom 1. März bis Ende September keine Bäume gefällt werden dürfen. Ausnahmen lässt das Bundesnaturschutzgesetz allerdings zu, wenn ein öffentliches Interesse besteht, wie zum Beispiel die Gewährleistung der Verkehrssicherheit. Außerdem, so das Bezirksamt, hätten die Baumpfleger auftragsgemäß zuerst untersucht, ob brütende Vogeleltern in den Linden nisteten: „Wenn sich in der Baumkrone ein belegtes Vogelnest befindet, muss mit der Fällung bis zum Ausfliegen der Jungvögel gewartet werden“, so die Erklärung. „Das Entfernen von Baumhöhlen, die immer wieder genutzt werden, ist genehmigungspflichtig.“

Den Anwohnern in Kreuzberg geht es allerdings nicht nur um den Tierschutz. Baumfällungen rufen hier wie auch in anderen Bezirken Berlins regelmäßig Freunde der innerstädtischen Natur auf den Plan. Das Bezirksamt versucht Umweltschützern deshalb den Wind aus den Segeln zu nehmen: Nachpflanzungen seien im selben Umfang wie die Fällungen geplant, wird in der Verwaltung versichert.

Neben den vier in dieser Woche entfernten Linden war bereits vor längerer Zeit ein weiterer Straßenbaum an der Großbeerenstraße der Säge zum Opfer gefallen, weil er stark geschädigt war. Wann und wo die Nachpflanzungen erfolgen sollen, konnte das Bezirksamt nicht mitteilen. Die Frage werde derzeit geprüft.

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