Prozess

Mädchen angelockt und missbraucht: Täter verurteilt

Der Richter bescheinigt dem Täter Ali G. die Geringschätzung von Frauen. Er verurteilt den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe.

Der Richter verurteilte Ali G. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung

Der Richter verurteilte Ali G. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung

Foto: dpa

Berlin. „Wenn du mich wirklich liebst, tust du das für mich“, soll der damals 15-jährige Ali G. zu der ein Jahr jüngeren Melissa N. (alle Namen geändert) gesagt haben. Das war am 31. August 2015 in einer Wohnung in Neukölln. Ali G. und Melissa N. hatten sich zuvor über Facebook kennengelernt. Sie hatten zunächst, wie es heißt, einvernehmlichen Sex. Wenig später jedoch kamen andere junge Männer dazu. Und Melissa N. sollte auch ihnen zur Verfügung stehen.

Was an dem 31. August noch geschah, konnte vor Gericht nicht mehr genau herausgefunden werden. Sicher ist aus Sicht der Moabiter Jugendkammer jedoch, dass Ali G. ein paar Tage später beim erneuten Sex mit der Schülerin mit seinem Handy ein Video aufnahm und Fotos fertigte. Mit diesen Aufnahmen hatte er Melissa N. dann genötigt, auch mit anderen Jungs Sex zu haben. Ali G. habe nicht lockergelassen und dem Mädchen immer wieder gedroht, die Aufnahmen im Internet zu veröffentlichen, sagte der Vorsitzende der Jugendkammer, Uwe Nötzel, bei der Urteilsbegründung.

Und es gibt noch ein Opfer. Die Taten ereigneten sich ein gutes Jahr später. Wieder lernte Ali G. ein Mädchen über Facebook kennen, wieder lockte er es in die Neuköllner Wohnung. Fatima K. war 16, noch jungfräulich, aber sehr angetan von dem durchtrainierten, älter als 16 Jahre wirkenden Ali G. Auch sie hatte nach eigenen Angaben gleich beim ersten Treffen mit ihm Sex. Danach erschien der Besitzer der Wohnung, der zur Tatzeit 24-jährige Wael I. Sie kamen auf die Idee, „ein Trinkspiel mit einer Flasche Wodka durchzuführen“, sagte Richter Nötzel. Den Ermittlungen zufolge wurde die schon nach kurzer Zeit stark angetrunkene Fatima K. von Wael I. aufs Bett geworfen, gewaltsam ausgezogen und mehrfach vergewaltigt. Ali G. stand daneben, filmte die grauenvollen Szenen mit seinem Handy und half auch noch, das sich wehrende Mädchen in die von dem Vergewaltiger gewünschten Stellungen zu drehen.

Das Opfer bat um Hilfe und wurde ausgelacht

Auf einem Video, das auf Ali G.s Handy sichergestellt wurde, ist zu sehen und zu hören, wie sich die verzweifelte Fatima K. erbricht, wie sie weint, schreit und Ali G. um Hilfe anfleht. Sie habe „in einer Vielzahl von Äußerungen laut und sehr nachdrücklich zu verstehen gegeben, dass sie das alles nicht wollte“, sagte Nötzel. Ali G. habe dem Mädchen aber keineswegs geholfen und es nur zynisch ausgelacht. Am Ende ließen die beiden das total verstörte Mädchen in der Wohnung zurück und schlossen die Tür ab. Ein Nachbar, der Fatima K.s Schreie gehört hatte, alarmierte die Polizei. Die kam wenig später und brach die Tür auf.

Ali G. hat vor Gericht geschwiegen. Wael I. ließ am ersten Verhandlungstag über seinen Verteidiger erklären, er sei davon ausgegangen, dass es sich um einvernehmlichen Sex handele. Die Jugendkammer verhängte gegen ihn am Mittwoch wegen Vergewaltigung und Freiheitsberaubung eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten.

Ali G. wurde wegen Beihilfe zur Vergewaltigung, Nötigung, Freiheitsberaubung sowie Herstellung und Verbreitung von jugendpornografischen Schriften zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren verurteilt. „Ohne Bewährung“, betonte Richter Nötzel. Es sei bei Ali G. „bis heute keine innere Abkehr“ zu spüren.

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