Stadtentwicklung

Studie: Soziale Probleme in Berlins Außenbezirken wachsen

Schlechte Werte gibt es zum Beispiel für Eiswerder und die Thermometersiedlung. Keine Armutsgebiete in Lichtenberg und Pankow.

Auch Teile von Gropiusstadt zählen laut Studie zu den Gebieten mit besonderem Handlungsbedarf

Auch Teile von Gropiusstadt zählen laut Studie zu den Gebieten mit besonderem Handlungsbedarf

Foto: dpa Picture-Alliance / Schoening / picture alliance / Arco Images

Berlin.  Ungeachtet zahlreicher Fördermaßnahmen und Sonderprogramme hat sich die soziale Lage in Berlin in den vergangenen Jahren kaum verbessert. Das geht aus der Studie „Monitoring Soziale Stadtentwicklung 2017“ (MMS) hervor, die der Senat am Donnerstag in einer Kurzfassung veröffentlicht hat. Danach leben 398.000 Berliner, also gut elf Prozent der Gesamtbevölkerung, in „Gebieten mit erhöhtem Aufmerksamkeitsbedarf“. So bezeichnen die Autoren der Studie Wohngebiete, in denen Arbeitslosigkeit, Kinderarmut und der Anteil der Hartz-IV-Bezieher überdurchschnittlich hoch sind. Demnach hat sich die Zahl der Bewohner von sozialen Problemvierteln gegenüber der Voruntersuchung von 2015 nur geringfügig um 9000 reduziert.

Betroffen von hoher Armut und größeren sozialen Problemen sind etliche bereits aus der Vergangenheit dafür bekannte Gebiete. Genannt werden innerstädtische Kieze wie Nord-Neukölln sowie die nördlichen Teile von Wedding und Moabit. Deutlich wird allerdings auch der Trend, dass sich die sozialen Probleme zunehmend in einige Außenbezirke wie Spandau, Neukölln und Reinickendorf verlagern. So werden die Gebiete Eiswerder und Ma­gistratsweg in Spandau, die Viertel Buschkrugallee Nord und Gropiusstadt Nord in Neukölln, die Scharnweber­straße in Reinickendorf sowie die Thermometersiedlung in Lichterfelde (Steglitz-Zehlendorf) erstmals als „Gebiete mit besonderem Handlungsbedarf“ ausgewiesen.

Zahl der Problemviertel bleibt nahezu konstant

Um die soziale Lage in Berlin möglichst differenziert zu betrachten, haben die Autoren der MMS-Studie Berlin in 436 sogenannte Planungsräume aufgeteilt. Bewertet wird die jeweilige Situation dort anhand von vier Indikatoren: Arbeitslosigkeit, Langzeitarbeitslosigkeit, Zahl der Bezieher von Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II (Hartz IV) und Kinderarmut. Hinzu kommt ein sogenannter Dynamik-Index. Dabei wird analysiert, ob sich die soziale Lage in einem Kiez positiv oder negativ entwickelt hat, oder ob sie stabil geblieben ist.

Die Zahl der Problemviertel ist gegenüber 2015 „nahezu konstant“ geblieben, heißt es weiter. Waren damals 43 Planungsräume als „Gebiete mit besonderem Handlungsbedarf“ eingestuft worden, so sind es aktuell 44. Demgegenüber stehen 75 Wohnquartiere, deren sozialer Status-Index als hoch bewertet werden.

Die einzigen Bezirke ohne Armutsgebiete liegen mit Pankow und Lichtenberg im einstigen Ostteil der Stadt. Dort befindet sich auch ein Großteil der Viertel, in denen sich die Lage gegenüber 2015 verbessert hat. Dazu zählen etwa die Wohnquartiere Havemann-straße und Böhlener Straße sowie das Gelbe Viertel in Marzahn-Hellersdorf. Auch das Wohnquartier Falkenberg-Ost und das Viertel am Rosenfelder Ring in Lichtenberg liegen im Positivtrend. Zu den Aufsteigern gehören außerdem die Wohngebiete am Askanischen Platz in Kreuzberg, an der Jungfernheide in Charlottenburg sowie am Hausotterplatz und an der Teichstraße in Reinickendorf.

Die eher ernüchternden Ergebnisse kommentiert die Verwaltung von Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) so: „Die räumlichen Unterschiede innerhalb Berlins bestehen weiter fort.“ Die im Monitoring ermittelten Gebiete würden von Politik und Verwaltung besondere Aufmerksamkeit erfahren. „Wir unterstützen hier insbesondere Projekte zur Verbesserung der Bildungssituation und zum nachbarschaftlichen Miteinander“, so Lompscher.

Weiter Geld für Sozialarbeiter und Quartiersmanager

Zur Wirksamkeit bisheriger Programme äußerte sich die Senatorin hingegen nicht. Dabei sind laut Mitteilung ihrer Verwaltung bereits heute 28 der in der Studie benannten 44 Problemviertel als Quartiersmanagementgebiete Bestandteil des Programms Soziale Stadt, über das Fördermittel in beträchtlicher Höhe etwa für Quartiersmanager und Sozialarbeiter in die Viertel fließen. Für weitere elf Gebiete gibt es zudem Geld aus anderen vom Bund und der EU finanzierten Förderprogrammen.

Für die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Daniela Billig, ist das Sozial-Monitoring ein wertvolles Instrument. „Nur wenn wir wissen, in welchen Kiezen es noch nicht so gut ausschaut, können wir gegensteuern“, sagte sie. Sie warnte davor, betroffene Gebiete zu früh aus der Förderung zu entlassen. Sonst riskiere man erneute Fehlentwicklungen.

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