Einsatz an Grundschule

Mehrsprachige Durchsagen - Polizei wehrt sich gegen Kritik

Nach dem Amok-Alarm beklagen Eltern mangelnde Arabisch- und Türkisch-Kenntnisse der Polizei. Dabei informierte die auch mehrsprachig.

Zahlreiche Polizisten waren am Dienstag an der Schule in der Gotenburger Straße Ecke Prinzenallee im Einsatz

Zahlreiche Polizisten waren am Dienstag an der Schule in der Gotenburger Straße Ecke Prinzenallee im Einsatz

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Nach dem stundenlangen Einsatz an einer Berliner Grundschule verteidigt sich die Polizei gegen Kritik an ihrem Vorgehen. Ein Anrufer hatte am Dienstag den Verdacht auf einen Amoklauf an der Wilhelm-Hauff-Grundschule in Wedding ausgelöst. Die Polizei rückte mit großem Aufgebot an, sperrte die Zugänge zur Schule, brachte zahlreiche Schüler in Sicherheit und durchsuchte das Gebäude. Unterdessen fanden sich zahlreiche Eltern an den Absperrungen ein, wollten zu ihren Kindern.

Einige von ihnen erhoben Vorwürfe, die Polizei hätte mit ihnen nur unzureichend oder gar nicht auf Arabisch und Türkisch kommuniziert. „Die Polizei hat vieles falsch gemacht. Die Stimmung an der Absperrung war sehr aggressiv, weil die Eltern nicht informiert wurden", zitiert die "Bild" Ayten O. O. zufolge seien kaum arabisch oder türkisch sprechende Polizisten am Einsatzort gewesen, um aufgebrachte Eltern zu beruhigen.

Polizei machte Durchsagen auch auf Arabisch und Türkisch

Dabei war die Polizei etwa eine Stunde nach Beginn des Einsatzes mit einem Lautsprecherwagen an der Schule und machte darüber Durchsagen nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Arabisch und Türkisch. "Kollegen kamen freiwillig auf die Besatzung des Lautsprecherwagens zu und haben angeboten in Arabisch zu moderieren", teilte die Polizei bei Facebook und Twitter mit. "Mehrmals ertönten Durchsagen in verschiedenen Sprachen."

Auch das sorgte für Kritik in den Sozialen Medien. "Warum rechtfertigt sich die Polizei, dass sie in Deutschland keine Lautsprecher-Ansagen in 50 verschiedenen Sprachen anbietet? Allein, dass hier Durchsagen auf Arabisch durchgegeben werden, ist für mich schon ein falsches Zeichen. Überall wird diese Klientel mit Dolmetschern und Übersetzungen verhätschelt. Man sollte stattdessen mal die Sprache des Landes lernen, in dem man lebt. Dann braucht man auch keine Angst haben, wenn so etwas passiert, dass man die Polizei nicht versteht", schreibt ein Nutzer.

Das sieht die Berliner Polizei offenbar anders. "Wir leben schließlich in einer internationalen Stadt", schrieb sie bei Facebook. Auch fremdsprachig zu kommunizieren, "gehört zu unserem multikulturellen Selbstverständnis".

GdP nennt Vorwürfe "bodenlose Frechheit"

Bei der Gewerkschaft der Polizei ärgert man sich offenbar über die Kritik am Einsatz. „Wir müssen die Kirche mal im Dorf lassen. Ich kann verstehen, dass sich Eltern in so einer Situation um ihre Kinder sorgen, aber unsere Kollegen haben in einer unübersichtlichen Lage alles versucht, um schnellstmöglich alle Personen in Sicherheit zu bringen und Entwarnung geben zu können. Der Berliner Polizei aber vorzuwerfen, dass sie bei einer Gefährdungslage an einer Schule in der deutschen Hauptstadt nicht auf Türkisch oder Arabisch kommuniziert, ist eine bodenlose Frechheit". so der GdP-Landesvorsitzende Norbert Cioma in einer Mitteilung.

"Ich glaube kaum, dass Polizisten bei einem derartigen Vorfall in Istanbul auf Deutsch, Spanisch oder Kiswahili informieren. Vielleicht sollten wir in solchen Fällen mal darüber reden, dass die Schulverwaltung und die Bezirke schnellstmöglich Übersetzer und andere Unterstützung im Rahmen der Krisenintervention an den Ort bringen.“

"Hier muss ein international verständliches "Stop! Polizei" ausreichen"

Die Berliner Polizei verbreitete bei Facebook und Twitter eine Stellungnahme. Bei dem Einsatz habe es sich um "eine ernste, gefahrenabwehrende Sofortlage" gehandelt. "Wir erhalten nach dem Einsatz Feedback, das unsere Kolleginnen und Kollegen beschäftigt." In der Stellungnahme heißt es dann:

"Die Sorgen aller betroffenen Eltern können wir nachvollziehen – um es jedoch noch einmal ganz klar zu sagen: Es handelte sich um einen Einsatz, bei dem eine Gefahr für Leib und Leben angenommen werden musste. Deshalb hatte der ungestörte Ablauf unserer polizeilichen Maßnahmen einen absoluten Vorrang vor einem mehrsprachigen Informationsbedürfnis besorgter Eltern."

Neben Räumung und Begehung der Schule habe man "an den Absperrungen bestätigte Informationen auch in persönlichen Gesprächen bekanntgegeben sowie auf dem Twitteraccount der Polizei Berlin und als Pressestatements veröffentlicht. Zusätzlich erfolgten über unsere Lautsprecherwagen Durchsagen an die Allgemeinheit auch in arabischer Sprache. Sicher wäre es schön gewesen, auch Informationen in weiteren Sprachen zur Verfügung stellen zu können – es handelte sich jedoch um einen Soforteinsatz. Hier muss zur Sicherheit aller Anwesenden im Zweifel vorerst ein international verständliches „Stop! Polizei!“ mit entsprechenden Gesten ausreichen."

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