Gastronomie

Berliner Politiker fordern strengere Regeln für Shisha-Bars

Bei Kontrollen werden immer wieder Schwarzarbeit und deutlich überhöhte Kohlenmonoxid-Werte festgestellt. Die Politik will handeln.

Junge Frau in einer Berliner Shisha-Bar

Junge Frau in einer Berliner Shisha-Bar

Foto: Soeren Stache / dpa

Berlin. Im beschaulichen Friedenau im Süden Berlins ändere sich was, sagen Anwohner. Männer mit kräftigen Oberarmen und vielen Tattoos sitzen vor den neuen Shisha-Bars in der Gegend, rauchen Wasserpfeife. Teure Wagen parken vor den Lokalen. Abends liefern sie sich Autorennen, sagen die Nachbarn. „Seit einiger Zeit ist fast jeder neue Laden eine Shisha-Bar“, erklärt der SPD-Bezirksverordnete Axel Seltz.

Er frage sich, warum ausgerechnet im ruhigen Friedenau eine Bar nach der anderen öffne. Aus dem rauen Neukölln kenne er das, aber hier? „Mir geht es nicht darum, dass Shisha-Bars generell böse sind, aber langsam entwickelt sich hier eine Art Mono-Kultur.“ Seine SPD-Fraktion hat deshalb im Bezirksparlament einen Antrag gestellt, der den Zuzug neuer Bars eindämmen soll.

"Die Nachfrage ist doch da"

Eine dieser neuen Bars gehört Moussa Abou-Amche. Der 61-Jährige hatte jahrzehntelang eine Gaststätte in Friedenau, nun betreibt er im gleichen Laden eine Shisha-Bar. Menschen aus der Nachbarschaft und aus ganz Berlin kämen zu ihm. Zur Kritik aus der Politik sagt er: „Die Nachfrage ist doch da und Konkurrenz belebt das Geschäft.“ Dass die Wasserpfeife auch in Deutschland beliebter ist denn je, ist auch am Umsatz mit Pfeifentabak ablesbar. Er legte in den vergangenen Jahren deutlich zu, laut Statistischem Bundesamt.

Einst kam die Wasserpfeife über die Türkei nach Deutschland. Im arabischen Raum gehört sie zum Alltag. Das Wort „Shisha“ stammt aus dem Persischen – „shishe“ bedeutet „Flasche“ und bezeichnet die Wasserpfeife. Erhitzt wird der Tabak mit Kohlestücken, rauchen kann man ihn in verschiedensten Geschmacksrichtungen - von Aprikose bis Zitronenminze.

„Araber, Türken, Deutsche - alle rauchen Shisha“, sagt Barbesitzer Abou-Amche. Viele würden sich so die Zeit vertreiben. „Hier in der Gegend gibt es ja nur wenige Bars und Clubs, dann sitzen die Menschen eben hier.“ Er weiß von einer weiteren Shisha-Bar, die bald in der Gegend um die Rheinstraße eröffne. Die Zahl steige in ganz Berlin, sagt er. Wie viele es aber genau gibt, ist nicht erfasst.

Shisha-Bars fallen bei Kontrollen immer wieder auf

Klar dagegen ist: Die Meldungen über Probleme mit den Bars steigen - nicht nur in Berlin. In Kiel etwa werden verbindliche Regeln gefordert, nachdem es dort mehrfach zu Kohlenmonoxidvergiftungen von Gästen gekommen war. Bei Razzien in Bonn wurden erhöhte Werte, Schmuggel-Tabak und Schwarzarbeit festgestellt. In Leipzig filzte die Polizei vor wenigen Tagen eine Bar, weil sich die Kriminalität im Umfeld erheblich erhöht hatte. In Nordrhein-Westfalen hat sich die Landesregierung eingeschaltet: Betreiber müssen mit verstärkten Kontrollen rechnen und könnten verpflichtet werden, Kohlenmonoxid-Melder zu installieren.

Auch in Neukölln kennt man die Sorgen. In dem Berliner Problem-Bezirk gibt es besonders viele Shisha-Bars. Einige fielen immer wieder negativ auf, sagt Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD). „Wir haben das Thema auf dem Schirm und machen seit einiger Zeit Schwerpunkteinsätze mit Polizei, Zoll und Ordnungsamt, wo neben Wettspielbüros, Gaststätten und Schankwirtschaften auch Shisha-Bars kontrolliert werden“, erklärt der 32-Jährige. Bei den Kontrollen würden vor allem Schwarzarbeit, Verstöße gegen den Jugendschutz und deutlich überhöhte Kohlenmonoxid-Belastungen festgestellt.

„Viele Betreiber haben da überhaupt kein Gefahrenbewusstsein“, sagt der SPD-Mann. „In einigen Bars wird die Kohle auf billigen Baumarkt-Grills in einem Hinterzimmer erhitzt - Brandschutz: Fehlanzeige.“ Deshalb fordert der Neuköllner Bürgermeister den Berliner Senat zum Handeln auf. Hikel will, dass Shisha-Bars in der Landesbauordnung als Sonderbauten gelistet werden. Das heißt als Bauten, in denen ein besonderes Gefahrenpotenzial erwartet werden muss. „Wir müssen die Auflagen erhöhen, was Brandschutz, Arbeitsschutz und Jugendschutz angeht“, sagt er. Aus zwei weiteren Bezirken heißt es, einige Shisha-Bars seien als Treffpunkte organisierter Kriminalität bekannt - ähnlich wie Wettbüros.

Zurück ins bürgerliche Friedenau. Dort erklärt SPD-Mann Seltz, dass Shisha-Bars nicht per se schlecht seien. „Zwei oder drei sind ja kein Problem.“ Trotzdem frage er sich, wie sich die Besitzer die Mieten in seinem Stadtteil leisten könnten. „Ich weiß nicht, ob das an den Umsätzen liegt oder das Geld anders beschafft wird - aber das sind alles Gerüchte.“

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