Friedrichstraße

Umbau am Checkpoint Charlie sorgt für Ärger

Die letzten Brachen am Checkpoint Charlie sollen bebaut werden. Doch an der Bürgerbeteiligung zur Gestaltung gibt es Kritik.

Checkpoint Charlie und Umgebung

Checkpoint Charlie und Umgebung

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Auch knapp drei Jahrzehnte nach dem Fall der Mauer ist der Checkpoint Charlie, einer der bekanntesten ehemaligen Grenzübergänge, immer noch ein Touristenmagnet. Reisebusse stauen sich an der Zimmerstraße, Touristen kreuzen wagemutig die Friedrichstraße. Seit die Kontrollbaracke auf dem Mittelstreifen der Friedrichstraße ins Alliierten-Museum wanderte und durch einen Nachbau ersetzt wurde, sind bis auf die weitläufigen Brachen beidseits der Friedrichstraße aber kaum noch authentische Zeugnisse der Geschichte zu finden.

Nun sollen auch noch diese beiden Brachen bebaut werden. Bevor die Bagger anrollen, will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Bürger nach ihrer Meinung zur Zukunft des Checkpoint Charlie fragen.

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Experten verfassen kritisches Positionspapier

Am heutigen Montag findet die Auftaktveranstaltung zur Bürgerbeteiligung über die „Identität und Zukunft Checkpoint Charlie“ statt. Sie soll einen Prozess einleiten, an dessen Ende ein Bebauungsplan aufgestellt wird, der die weitere Entwicklung in dem Gebiet rund um Zimmer- und Friedrichstraße festschreibt. An dem Verfahren gibt es jedoch erhebliche Kritik. „Wir waren Teil des Fachworkshops, der der formalen Bürgerbeteiligung vorgeschaltet wurde und sehen das bisherige Vorgehen sehr kritisch“, sagte die Berliner Architektin Theresa Keilhacker der Berliner Morgenpost.

Zusammen mit sechs anderen Unterzeichnern, darunter der frühere Kultursenator Thomas Flierl (Linke) und Landeskonservator Jörg Haspel, hat sie ein dreiseitiges Positionspapier verfasst, in dem sie ihre Sorge zum Ausdruck bringt, dass Berlin am Checkpoint Charlie die Chance vergibt, eine angemessene und mit der Bevölkerung tatsächlich abgestimmte Planung zu entwickeln.

Denn zahlreiche Fakten seien bereits geschaffen, sodass „das eingeleitete Partizipationsverfahren zur Farce zu werden droht, da wesentliche Festlegungen zur Entwicklung“ bereits getroffen seien, so die Verfasser des Positionspapiers.

Am Checkpoint Charlie soll ein „Hard Rock Hotel“ entstehen

Tatsächlich sind die Planungen des Berliner Investors Trockland weit fortgeschritten – und mit der Senatsverwaltung in wesentlichen Punkten abgestimmt. Vor rund drei Jahren hat sich Trock­land drei Grundstücke entlang der Zimmerstraße, darunter auch die zwei Baufelder beidseits der Friedrichstraße unmittelbar am einstigen Checkpoint Charlie, gesichert. Ende 2016 stellte Trockland erstmals vor, was dort entstehen soll: Ein „Hard Rock Hotel“ mit 372 Zimmern, ein Museum, das sich der Berliner Senat wünscht, Büros, Läden und vor allem Wohnungen.

Für das Wohn-Ensemble ,Charlie Living‘, das nicht unmittelbar am Checkpoint Charlie liegt, hat das Unternehmen bereits eine Baugenehmigung. Nun soll es auch direkt am Checkpoint Charlie, auf den sogenannten Baufeldern Ost und West (siehe Karte), weitergehen.

Berlin müsste für „Erinnerungsort“ 25 Euro Miete pro Quadratmeter zahlen

In einem zwischen Trockland und dem Senat geschlossen „Letter of Intend“, einer Absichtserklärung, ist bereits weitgehend fixiert, was die künftige Bebauung beinhalten soll. Laut einem internen Arbeitspapier, das der Berliner Morgenpost vorliegt, ist unter anderem vereinbart, dass oberirdisch eine Geschossfläche von maximal 26.000 Quadratmetern, unterirdisch von 7600 Quadratmetern entstehen soll.

Von dieser Geschossfläche sind 30 Prozent (7800 Quadratmeter) für Wohnungen, davon wiederum 30 Prozent (2340 Quadratmeter) mietpreis- und belegungsgebunden, vorgesehen. Zudem wurde vereinbart, dass im Bereich Friedrich-/Ecke Zimmerstraße verteilt auf das Untergeschoss (2000 Quadratmeter), das Erdgeschoss (500 Quadratmeter) und das erste Obergeschoss (500 Quadratmeter) ein „Erinnerungsort“, entstehen soll.

Angedachte Miethöhe für die überwiegend im Keller gelegenen Räumlichkeiten: 25 Euro je Quadratmeter, die das Land Berlin monatlich an den Investor zu überweisen hätte. „Wir finden: ein schlechter Deal – Berlin bräuchte an dieser Stelle mehr Freiraum als maximale Geschossflächenzahl“, sagt Keilhacker.

Aussehen rund um den Checkpoint Charlie wird sich stark verändern

Den Entwurf für die Gebäude lieferte das Architekturbüro Graft. Der Entwurf, der zeigt, wie das Museum auf dem Baufeld West integriert werden könnte, ist allerdings derzeit nicht zur Veröffentlichung freigegeben. „Es gibt lediglich einen veralteten Planungsstand des Investors, der nicht mehr aktuell ist, da wir den Städtebau zunächst in einem Workshopverfahren untersuchen werden“, teilt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, auf Anfrage der Berliner Morgenpost mit.

Der öffentliche Gestaltungsspielraum sollte erhöht werden, fordern die Verfasser des Positionspapiers: „Es sollte dringend geprüft werden, ob das Vorkaufsrecht ausgeübt werden kann, um die Steuerung der Entwicklung zu sichern.“

Für den Checkpoint Charlie wird sich mit Beginn der Arbeiten einiges ändern. Das derzeit in einem Container untergebrachte Museum, das über die Zeit des Kalten Krieges auf dem Baufeld Ost informiert, wird genauso weichen müssen wie das auf der Westseite der Friedrichstraße untergebrachte 360-Grad-Panorama „The Wall“ (Die Mauer) des Künstlers Yadegar Asisi.

Die öffentliche Auftaktveranstaltung am 28. Mai startet mit einer Ortsbegehung von 16.30 bis 17.30 Uhr. Treffpunkt: Ecke Friedrichstraße/Zimmerstraße. Anschließend findet die eigentliche Auftaktveranstaltung „Identität und Zukunft Checkpoint Charlie“ um 18 Uhr in der Rotunde „Asisi Panorama Berlin“ am Checkpoint Charlie, Friedrichstraße 205, statt.

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