Arger wegen AirBnB und Co.

Berliner Hotels fordern stärkere Ferienwohnungs-Kontrollen

Dehoga-Präsident Christian Andresen kritisiert Anbieter privater Ferienwohnungen und pocht auf das Zweckentfremdungsverbot.

Der neue Dehoga-Präsident Christian Andresen setzt sich für eine starke Kontrolle des Zweckentfremdungsverbots bei Ferienwohnungen in Berlin ein (Archiv)

Der neue Dehoga-Präsident Christian Andresen setzt sich für eine starke Kontrolle des Zweckentfremdungsverbots bei Ferienwohnungen in Berlin ein (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin.  Berliner, die ihre Wohnungen über Internetplattformen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats an Touristen oder Geschäftsreisende vermieten, sind eine ernst zu nehmende Konkurrenz für Hotels geworden. „Wir von der Dehoga haben grundsätzlich nichts dagegen, wenn man seine Räumlichkeiten im gesetzlichen Rahmen anderen Menschen zur Verfügung stellt“, sagte Christian Andresen, neuer Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) der Berliner Morgenpost. Allerdings sei der Wettbewerb oft nicht fair.

„Es müssen gleiche Bedingungen herrschen. Wir Hoteliers müssen viele Regelungen einhalten, Übernachtungssteuer zahlen“, sagte Andresen, der jetzt zum neuen Präsidenten des Wirtschafts- und Arbeitgeberverbandes der Gastgeber gewählt wurde. Privatleute führten Übernachtungs- und auch die Einkommensteuer auf die erzielten Gewinne durch die Vermietung im Zweifel aber nicht ab. „Das ärgert uns, denn hier kann nicht mit zweierlei Maß gemessen werden“, so der 52-Jährige, der das „The Mandala Hotel“ am Potsdamer Platz leitet.

Zum 1. Mai 2018 ist in Berlin das überarbeitete Zweckentfremdungsverbotsgesetz in Kraft getreten. Damit hat der Senat es den Berlinern wieder erleichtert, ihre selbst bewohnte Wohnung an Reisende zu vermieten. Dabei sieht das neue Gesetz für die Hauptwohnung keine Tagesbegrenzung vor. Die Vermietung einer Zweitwohnung ist für insgesamt 90 Tage im Jahr möglich. Die Vermietung eines Zimmers der eigenen Hauptwohnung ist erlaubt, wenn maximal 49 Prozent der Wohnfläche vergeben werden.

Private Anbieter von Ferienwohnungen müssen 225 Euro Gebühr zahlen

Allerdings müssen Berliner, die ihre Wohnung auf Internetportalen anbieten, dieses beim zuständigen Bezirksamt im Voraus anzeigen und registrieren lassen. Das soll der besseren Kon­trolle durch die Wohnungsämter dienen. Gegenwärtig wird dafür eine Gebühr von 225 Euro erhoben. Tourismus-Experten vermuten deshalb, dass sich viele Anbieter diesen Aufwand und die Bearbeitungsgebühr sparen wollen. „Das Zweckentfremdungsverbotsgesetz muss umgesetzt werden und die Bezirke den Markt stärker kontrollieren“, forderte deshalb Andresen.

Aus der aktuellen Tourismus-Statistik geht hervor, dass die Übernachtungszahlen in Ferienwohnungen deutlich zugelegt haben. So ist aufgrund der Insolvenz von Air Berlin die Zahl der Übernachtungen 2017 insgesamt nur noch um 0,3 Prozent auf 31,15 Millionen gestiegen. Die Zahl der Hotelgäste stieg um 1,8 Prozent auf 12,96 Millionen.

Airbnb, der größte internationale Online-Vermittler, hat nach Angaben der Berliner Tourismuswerber „Visit Berlin“ im vergangenen Jahr 700.000 Gäste in Berlin beherbergt, die zusammen auf drei Millionen Übernachtungen kamen. Das entspricht einem Wachstum von 16,7 Prozent. Kleinere Plattformen wie 9flats oder Wimdu haben noch keine Zahlen vorgelegt.

Dehoga-Chef: „Das ICC muss ertüchtigt werden“

„Was mich auch ärgert: Wohnraum wird immer knapper, und der vorhandene sollte denen zur Verfügung gestellt werden, die ihn brauchen. Und nicht zu hohen Preisen an Touristen gehen“, sagte Andresen weiter.

Unzufrieden ist der Dehoga-Chef auch mit der Infrastruktur für Großkongresse in der Hauptstadt. Zwar seien die Kongresszahlen im internationalen Vergleich sehr gut. 90 Prozent des Kongressgeschäftes fänden derzeit in den Hotels statt. „Aber natürlich muss das ICC ertüchtigt werden, denn nur dort können Großkongresse abgehalten werden“, mahnte Andresen.

Bis zu seiner Schließung 2014 zählte das ICC zu den weltweit beliebtesten Kongresszentren. Um große Kongresse mit mehr als 3000 Teilnehmern in die Hauptstadt zu holen, brauche es eine Tagungsstätte von dieser Größe. Das ICC muss jedoch saniert und von Asbest befreit werden. Kosten: 500 Millionen Euro, die die landeseigene Messe-Gesellschaft nicht allein stemmen kann. Das Abgeordnetenhaus hat 200 Millionen Euro bewilligt und Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) beauftragt, bis Mai 2018 einen Investor zu finden, der die fehlenden 300 Millionen Euro beisteuert.

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