Größter Vermieter Berlins

Wohnraumnot in Berlin treibt Gewinn bei Deutsche Wohnen

Die Deutsche Wohnen, größter Vermieter in Berlin, profitiert weiter von steigenden Mieten und Wohnungsnot in der Hauptstadt.

Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen ist der größte Vermieter in Berlin und konnte das Ergebnis im ersten Quartal 2018 weiter steigern (Archiv)

Das Immobilienunternehmen Deutsche Wohnen ist der größte Vermieter in Berlin und konnte das Ergebnis im ersten Quartal 2018 weiter steigern (Archiv)

Foto: Bildagentur-online/Schoening / picture alliance

Berlin. Bei Berlins größtem Vermieter Deutsche Wohnen klingelt weiter die Kasse: Zwischen Januar und März dieses Jahres verdiente der Immobilienkonzern 123 Millionen Euro. Das Ergebnis legte im Jahresvergleich um knapp neun Prozent zu, wie das MDax-Unternehmen am Dienstag in Berlin mitteilte. Deutsche Wohnen profitiert dabei von steigenden Mieten und einem niedrigen Leerstand. Die meisten der rund 160.000 konzerneigenen Wohnungen und Gewerbeeinheiten liegen in Ballungsgebieten, in denen es immer weniger bezahlbaren Wohnraum gibt.

In Berlin vermietet die Deutsche Wohnen rund 108.000 Wohnungen. Die deutsche Hauptstadt ist der Wachstums-Treiber für den Konzern: Ende März betrug die durchschnittliche monatliche Kaltmiete im Berliner Bestand je Quadratmeter 6,48 Euro. Vor einem Jahr waren es nach Konzernangaben noch 6,16 pro Quadratmeter. Damit sind die Mieteinnahmen der Deutschen Wohnen im Großraum Berlin um 5,1 Prozent gewachsen. Im gesamten Bestand des Unternehmens lag das Wachstum der Mieteinnahmen hingegen nur bei 4,4 Prozent. Unter dem Strich blieben 103,4 Millionen Euro als Gewinn hängen, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Hier profitiert Deutsche Wohnen von einem besseren Betriebsergebnis und einer geringeren Zinslast.

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

In keiner Großstadt Deutschlands sind die Mieten für Normalverdiener so unerschwinglich wie in Berlin. Zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten in Berlin um 20% gestiegen - Platz 8 im deutschlandweiten Städteranking.
Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

Wie andere Immobilienunternehmen auch, investierte die Deutsche Wohnen mehr Geld in die Modernisierung. Die Ausgaben hierfür sowie für Instandhaltungen betrugen im ersten Quartal insgesamt 60,5 Millionen Euro – gut ein Viertel mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr rechnet das Unternehmen mit Modernisierungs- und Instandhaltungskosten von insgesamt rund 450 Millionen Euro. Mit sanierten Wohnungen können Vermieter in der Regel auch die Mieten anheben. "Die Deutsche Wohnen verdient sich mit Modernisierungen und anschließenden Mieterhöhungen eine goldene Nase", kritisierte der Verbraucherschützer Reiner Wild vom Berliner Mieterverein.

Immer wieder Verfahren wegen Mieterhöhungen

Der Geschäftsführer der größten Mieterorganisation der Hauptstadt mit rund 170.000 Mitgliedern liegt mit dem Wohnungs-Riesen seit Jahren im Clinch. Vor allem die aggressive Politik, was Mieterhöhungen angeht, ist Wild ein Dorn im Auge. Mieterhöhungen gingen immer wieder über die ortsüblichen Vergleichsmieten hinaus, so Wild. Für viele Mieter seien die Mieterhöhungen nicht tragbar, sie würden aus ihren Wohnungen verdrängt oder abhängig von Sozialleistungen. Vermieter können Modernisierungskosten mit elf Prozent auf die Jahresmiete umlegen – unabhängig von der Gesamthöhe der Kosten. Union und SPD haben vereinbart, die Umlage auf acht Prozent zu senken und den Mietaufschlag auf drei Euro je Quadratmeter zu begrenzen.

In Berlin waren Mieter in den vergangenen Monaten immer wieder gegen Mieterhöhrungen der Deutsche Wohnen vor Gericht gezogen und hatten lautstark gegen die Mietpreispolitik des Konzerns protestiert. Reiner Wild sieht die Politik in der Pflicht "Es gibt Wege, Immobilienkonzernen wie der Deutschen Wohnen das Handwerk zu legen. Aber dazu braucht es politischen Mut. Den kann ich im Moment nicht erkennen." Wild fordert unter anderem eine Änderung der Bilanzierungsverfahren für börsennotierte Wohnungsunternehmen. Die Deutsche Wohnen beziffert den Verkehrswert ihrer Wohn- und Gewerbeeinheiten derzeit auf 18,9 Milliarden Euro. Höhere Mieteinnahmen führen in der Regel auch zu steigenden Buchwerten.

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