Hardenbergplatz

Neuer Anlauf für den 209-Meter-Turm am Zoo

Das Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner will Autos vom Hardenbergplatz verbannen und greift eine alte Hochhaus-Idee auf.

Mehr Grün – und ein neues Hochhaus: So könnte der Hardenbergplatz nach den neuen Entwürfen aussehen

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Foto: Gerkan, Marg und Partner

Berlin.  Über die Zukunft des Bahnhofs Zoo und seinen zentralen Zugang am Hardenbergplatz wird seit Jahren gestritten. Nachdem das von der AG City initiierte Hochhausprojekt des Architekten Christoph Langhof keine Zustimmung im Senat und im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gefunden hat, aber auch die bisherigen Pläne des Bezirksamtes, die lediglich eine Neuordnung der Verkehrsfläche vorsehen, bis heute nicht umgesetzt worden sind, liegt jetzt ein neuer Vorschlag auf dem Tisch. Er stammt vom Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp), das in Berlin unter anderem den City-Airport Tegel und den Hauptbahnhof entworfen hat.

Das Architekturbüro schlägt die Verbannung von Autos und Taxis in den Untergrund beziehungsweise auf die rückwärtige Jebensstraße vor. Zudem sollen das Bahnhofsgebäude und das denkmalgeschützte Hochhaus am Zoo einen Vorbau bekommen. Und: Die Hochhaus-Idee wird wieder aufgegriffen. „Wir haben die Langhof-Idee als gesetzt genommen, weil wir sie überzeugend finden und sehen wollten, ob es tatsächlich machbar ist, sowohl einen verkehrlich funktionalen, attraktiven Platz zu schaffen und sogar noch ein Hochhaus unterzubringen“, sagte gmp-Architekt Hans-Joachim Paap, der den Entwurf am Mittwochabend im Rahmen des Workshop-Verfahrens „Wachsende Stadt City West“ vorgestellt hat.

Bis heute kein Hochhausplan für das Herzstück des Berliner Westens

Der Bezirk sowie die Händler- und Anwohnerinitiative AG City haben die Veranstaltungsreihe mit namhaften Referenten, Vertretern der Stadtgesellschaften, international tätigen Stadtplanern und Architekten sowie Verkehrsexperten 2017 ins Leben gerufen. Sie wollen damit die nach wie vor bestehenden funktionalen und ästhetischen Mängel in der City West angehen und darauf hinweisen, dass der Senat bis heute keinen Hochhausplan für das Herzstück des alten Berliner Westens vorgelegt hat, obwohl dieser im Koalitionsvertrag verabredet wurde.

Mit dem Vorschlag von gmp zum Ausbau des Hardenbergplatzes zur Mobilitätsstation der Zukunft liegt nun ein Entwurf vor, der zunächst die gewaltigen Dimensionen des Platzes in Erinnerung ruft. „Wir waren selbst überrascht, dass diese riesige versiegelte Verkehrsbrache 32.000 Quadratmeter misst – sechs Fußballfelder“, so Architekt Paap. Zum Vergleich zog er den Savignyplatz heran, der, obwohl er von der Kantstraße durchschnitten werde und aus zwei Parks bestehe, „nur“ 20.000 Quadratmeter messe. „An diese Größenordnung haben wir uns mit unserem Vorschlag gehalten“, sagte der Planer.

"Wir werden handeln müssen, um attraktiv zu bleiben“

Durch eine zweigeschossige Tiefgarage könne man 400 Stellplätze schaffen und oberirdisch Raum gewinnen für einen städtischen Platz von der Größe des Savignyplatzes. Auch der 209 Meter hohe Turm, den Langhof bereits 2014 erstmals öffentlich vorgestellt hatte, sei in dieser Kalkulation bereits inbegriffen. „Ob das Hochhaus nun kommt oder nicht, können wir nicht entscheiden. Aber wir können zeigen, dass der Platz eine wahre Goldreserve der Stadt ist, wenn man nur entsprechend handelt“, appellierte der Planer an den Eigentümer des Hardenbergplatzes – das Land Berlin.

„Wir beschäftigen uns permanent mit der Frage Hardenbergplatz und werden auch nicht lockerlassen“, sagte AG-City-Vorstand Gottfried Kupsch. Die Digitalisierung habe den Handel in der City West massiv getroffen, „wir werden handeln müssen, um attraktiv zu bleiben“, mahnte er. Veränderte Verkehre durch Car- und Bikesharing oder E-Mobility machten es zudem notwendig, über die Mobilität der Zukunft nachzudenken. „Der Hardenbergplatz ist der ideale Ort dafür“, plädierte Kupsch in Richtung Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die indes keinen Vertreter zu der Veranstaltung geschickt hatte.

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Taxis und Reisebusse sollen zur Jebensstraße

Der Taxistand und die Haltestelle für Reisebusse sollen genauso wie die „Kiss and Ride“-Vorfahrt für private Autos an die Jebensstraße auf der Rückseite des Bahnhofsgebäudes verlegt werden. Der Bahnhof bekommt den Planungen zufolge drei Vordächer. Diese dienen unter anderem als Haltestelle für die BVG-Busse und als Zufahrt für Autos und Fahrräder zur künftigen Tiefgarage. Und sie sollen den Platz zur Hardenbergstraße gemeinsam mit der deutlich vergrößerten Sockelzone des denkmalgeschützten Hochhauses am Zoo einfassen.

Um dessen Umbau ringen der Bezirk und der Eigentümer schon beinahe so lange wie um die Platzgestaltung, weil sich das veraltete Bürogebäude wirtschaftlich nur schwer betreiben lässt. „Wir haben nachgemessen, der Abstand zwischen den Vordächern des Bahnhofs und dem Sockelgebäude entspricht dem des Walter-Benjamin-Platzes, der auf seiner Länge von mehr als 100 Metern ja auch nur 32 Meter breit ist“, sagte Paap.

Dem Zoogelände vorgelagert könnte somit ein urbaner Park entstehen, bei dem auch der derzeitige Baumbestand erhalten bleiben könnte. Weg müsse zudem „das Pavillongetue“, die vielen Pavillons auf dem Platz seien ein nicht mehr zeitgemäßes „Kind der 80er-Jahre“. Die Funktionen dieser Verkaufsbuden könnten ebenso gut unter den neuen Vordächern Platz finden.

Pläne zur Neugestaltung wurden 2014 aufgegeben

Bereits seit 1995 wird über die Gestaltung des Hardenbergplatzes gestritten. Damals wurden erstmals Pläne erarbeitet, die eine Tiefgarage unter dem Hardenbergplatz vorsahen. Diese Pläne wurden 2014 aufgegeben, als der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf drei Planerteams beauftragte, Lösungen zu suchen, wie der belebte Platz besser gestaltet werden könne: für die Fußgänger, die Radfahrer, aber auch für den motorisierten Verkehr. Die Wege beim Umsteigen sollten kürzer, alles kompakter und überschaubarer organisiert werden.

Das damalige Bezirksamt und die damals schon amtierende Senatsbaudirektorin Regula Lüscher favorisierten schließlich den Entwurf des Büros Topotek 1/Ivas. Der ausgewählte Entwurf hatte den Verkehr kompakt auf der Westseite vor dem Bahnhof angeordnet. In drei Fahrspuren sollte sich der öffentliche Personennahverkehr, also Taxis, Busse und Reisebusse, sowie der Individualverkehr mit Rad und Pkw auf der Bahnhofsseite bewegen. Statt der heutigen etwa 220 Parkplätze sollte es künftig nur noch 70 Stellplätze geben. Dafür sollte auf der Seite am Zoologischen Garten eine großzügige Freifläche für Fußgänger entstehen.

Der 209-Meter-Turm ist wieder im Rennen

Die Umgestaltung des Hardenbergplatzes sollte mit Fördermitteln aus dem Bundesprogramm Gemeinschaftsaufgabe der regionalen Wirtschaftsstruktur (GRW) erfolgen, 2015 ein Antrag über zehn Millionen Euro gestellt werden. Daraus sollte der Großteil der Arbeiten finanziert und 2016 mit dem Umbau begonnen werden. Doch dazu kam es nie. Die AG City nutzte dieses Vakuum und setzte auf ein anderes Konzept, wonach ein 209 Meter hoher Wolkenkratzer auf dem Hardenbergplatz entstehen und diesem ein weithin sichtbares Markenzeichen geben könnte. Während der SPD-Vorgänger des jetzigen Baustadtrates Oliver Schruoffeneger (Grüne) das Hochhaus ablehnte, hält sich sein Amtsnachfolger in dieser Frage noch bedeckt. Jedoch macht er keinen Hehl daraus, dass er die Topotek-Variante, an der Senatsbaudirektorin Lüscher weiter festhalte, für ungeeignet hält. „Für den Senat mag Topotek noch Gesprächsgrundlage sein“, sagte Schruoffeneger.

Inzwischen hätten sich aber ganz neue Fragestellungen ergeben, von der Neuordnung des BVG-Busbahnhofes an der Hertzallee über E-Mobility bis zu Sharingmodellen bei Auto und Rad. „Wir müssen auf dem Platz enorme Verkehre abwickeln, das geht mit dem Topotek-Entwurf nicht“, sagte Oliver Schruoffeneger. Ob er den neuen Architektenentwurf samt Hochhaus befürwortet, ließ sich der Stadtrat am Mittwoch nicht entlocken. Nur so viel: „Wenn wir einen Masterplan machen, gibt es keine Denkverbote.“ Soll heißen: Der 209-Meter-Turm ist wieder im Rennen. Die einstige Positionierung von Bezirk und Senatsverwaltung für den Topotek-1-Entwurf ist indes Geschichte.

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