U-Bahn

Nächster Halt auf der U5: Museumsinsel

Für die neue U-Bahnstation neben dem Humboldt Forum haben die Bauarbeiten begonnen. Ende 2020 sollen dort die ersten Züge halten.

Tunneltaufe im Bereich des zukünftigen Bahnhofs „Museumsinsel“

Tunneltaufe im Bereich des zukünftigen Bahnhofs „Museumsinsel“

Foto: Annette Riedl / dpa

Wer allzu sommerlich gekleidet war, bekam an diesem Vormittag trotz gleißender Sonne schon ein wenig das Frösteln. Denn in der Baugrube gleich neben der Baustelle für das künftige Humboldt Forum in Mitte lagen die Temperaturen bei nur etwa zehn Grad Celsius. Die Kälte im Untergrund war jedoch Voraussetzung für das Ereignis, für das die Besucher die schmalen Gerüsttreppen 18 Meter tief hinunter gestiegen waren: Am Dienstag erfolgte der offizielle Baustart für die dritte und damit letzte Station an der neuen U-Bahnstrecke durch Berlins historische Mitte, den U-Bahnhof Museumsinsel.

Vereist, damit unter der Spree gearbeitet werden kann

Weil der Bahnhof nicht nur tief im Berliner Grundwasser, sondern auch direkt unter Schloßbrücke, Bertelsmann-Repräsentanz und Spreekanal liegt, musste er erst einmal in einen zweieinhalb Meter dicken Eismantel verpackt werden. Dieser soll dafür sorgen, dass während der Arbeiten weder Grund-, noch Spreewasser in die Baugrube eindringen kann. Bevor es jedoch mit dem Bohren, Meißeln und Ausbaggern losging, stand ein für alle Bergleute heiliges Ritual auf dem Programm: die Tunneltaufe.

Bauen im Untergrund war und ist auch heute noch nicht ungefährlich. Damit am Ende alle wieder heil herauskommen, erbitten die Mineure Gottes Segen und den Beistand ihrer Schutzpatronin, der heiligen Barbara. Corinna Zisselsberger, Pfarrerin der evangelischen Gemeinde St. Petri/St. Marien, und Ulrich Bonin, Pfarradministrator der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale übernahmen bei einem ökumenischen Gottesdienst diese Aufgabe. Der Tunnelabschnitt, der sich in den kommenden Monaten in einen U-Bahnhof verwandelt, wurde auf den Namen „Lavinia“ getauft. Namenspatin ist Lavinia Frey, Vorstand Kultur bei der Stiftung des nahen Humboldt Forums.

Ein Ausgang führt in Hauptportal des Stadtschlosses

Die Station hat für die Einrichtung auch eine ganz praktische Bedeutung. So werde ein Ausgang des U-Bahnhofs direkt in das Hauptportal des wieder aufgebauten Stadtschlosses führen. „Wir erwarten bis zu drei Millionen Besucher im Jahr, ein Großteil wird mit der U-Bahn kommen“, war sich Frey sicher. Dann setzte sich die Kultur-Managerin in den von der Schweizer Baufirma Implenia aufgestellten Bagger, um den Tunnel „anzuschlagen“.

Laut BVG-Projektleiter Jörg Seegers wird in den kommenden Monaten auf gut 105 Metern Länge das Erdreich aufgebrochen, das zwischen den beiden von der Tunnelvortriebsmaschine „Bärlinde“ gebohrte Röhren liegt. Dort soll einmal der Mittelbahnsteig liegen, an dem die Züge halten. Anschließend werden in diesem Bereich auch die Betonringe der Röhren abgerissen. Am Ende entsteht ein mit Spritzbeton gesichertes Tonnengewölbe, das nach den Plänen des Architekten Max Dudler zur eigentlichen Station ausgebaut wird. Inspiriert von einem Bühnenbild von Karl Friedrich Schinkel zur Mozart-Oper „Die Zauberflöte“ aus dem Jahr 1816 wird sich über den Gleisen ein dunkelblauer Sternenhimmel mit vielen Lichtpunkten wölben.

U-Bahn-Strecke soll Ende 2020 in Betrieb gehen

Laut Seegers soll der neue U-Bahnhof im dritten Quartal 2019 im Rohbau fertig sein. Anschließend erfolgt die technische Ausstattung. Die neue, 525 Millionen Euro teure U-Bahnstrecke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor soll Ende 2020 in Betrieb genommen werden. Das 2,2 Kilometer lange Stück schließt dann die Lücke zwischen der heutigen Linie U5 (Hönow–Alexanderplatz) und der 2009 eröffneten Stummelstrecke U55 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor.

Ob dieser Zeitplan gehalten werden kann, ist nach den Verzögerungen der Vergangenheit aber nicht sicher. „Einen Zeitpuffer haben wir nicht mehr“, sagte Seegers. Vor allem der mit Findlingen durchsetzte sandige Baugrund könnte noch für Überraschungen sorgen.

Nikutta: "Ganz, ganz wichtiger Meilenstein"

Für die Vorstandschefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Sigrid Nikutta, ist der Baustart für den Bahnhof Museumsinsel „ein ganz, ganz wichtiger Meilenstein“. Vor allem hofft sie, dass wie bisher bei den Arbeiten keine Menschen zu Schaden kommen. Zugleich begrüßte sie den aktuellen Kurswechsel beim Senat, der neben neuen Strecken für die Straßenbahn auch wieder U-Bahn-Projekte planen will.

Wie berichtet, soll die BVG die Machbarkeit der Verlängerung der U6 zum künftigen Technologiepark in Tegel, der U7 zum alten Flughafenbahnhof von Schönefeld sowie der U8 ins Märkische Viertel prüfen. „Diese Projekte stehen in keiner Konkurrenz zu den Vorhaben bei der Straßenbahn“, wies BVG-Chefin Nikutta Kritik an den Vorhaben zurück. Und auch Jörg Seegers und sein aus 20 Fachleuten bestehendes Team steht bereit. „Ich würde mich freuen, auch nach 2020 in Berlin arbeiten zu können“, sagte er.

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