Ausgesetzter Säugling

Die Polizei sucht die Mutter von drei Findelkindern

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A. Dinger/C. Rautenberg
Rund um das Helios-Klinikum Berlin-Buch wurden die drei Säuglinge ausgesetzt (Archiv)

Rund um das Helios-Klinikum Berlin-Buch wurden die drei Säuglinge ausgesetzt (Archiv)

Foto: dpa Picture-Alliance / Tobias Kleinschmidt / picture alliance / dpa

In drei aufeinanderfolgenden Jahren hat eine Frau in Berlin und Brandenburg Säuglinge ausgesetzt. Ermittler stehen vor einem Rätsel.

Berliner und Brandenburger Ermittler beschäftigt ein spektakulärer Fall: Untersuchungen zu drei Säuglingen, die jeweils im Abstand von etwa einem Jahr in Berlin und Brandenburg rund um das Helios-Klinikum Buch ausgesetzt wurden, ergaben, dass sie dieselbe Mutter haben. Trotz großen medialen Interesses haben die Ermittler erst wenig Hinweise, um wen es sich bei der mutmaßlichen Mutter der drei Mädchen handeln könnte. „Bislang war leider nichts dabei, was uns bei den Ermittlungen weiterhelfen könnte“, sagte Polizeisprecher Michael Maaß der Berliner Morgenpost.

Bei der Brandenburger Polizei, die im Falle des in Panketal gefundenen Mädchens ermittelt, sei ebenfalls noch kein relevanter Hinweis eingegangen. Nun sucht die Polizei weiter nach jener Frau, die in den vergangenen drei Jahren drei Kinder gebar und anschließend aussetzte. „Wer Hinweise hat oder Verdächtiges beobachtet hat, kann sich bei den Kollegen vom Landeskriminalamt melden“, sagt der Sprecher der Berliner Polizei. Diese wolle nun „alle Möglichkeiten der Ermittlung ausschöpfen“.

Ermittler gehen auch von demselben Vater aus

Wie in Fällen wie diesem üblich, untersuchte die Polizei Textilien wie Handtücher, die zwei Babys trugen, als sie gefunden wurden. Auch Anwohner wurden befragt und Spürhunde an den Fundorten eingesetzt. Nach bisherigen Ermittlungen gehen die Beamten davon aus, dass die drei Säuglinge auch denselben Vater haben. Das hatte ein DNA-Abgleich ergeben. Ob möglicherweise bei der Frau ein Abhängigkeitsverhältnis oder ein Missbrauch vorliegen, ist Gegenstand der polizeilichen Ermittlungen.

Das erste Baby war von Spaziergängern Anfang September 2015 in einem Wartehäuschen in Buch gefunden worden. Das Mädchen wurde später Emma genannt. Anfang August 2016 wurde in Blankenburg erneut ein Säugling gefunden – dieses Mal vor einem Einfamilienhaus. Dieses Mädchen wurde Lilo getauft. Das dritte Mädchen, das den Namen Hanna bekam, wurde Ende August 2017 in einer Hofeinfahrt gefunden.

Die Bewohnerin des Hauses in Panketal (Landkreis Barnim) hatte sich an jenem Sonntagabend über die Babyschreie gewundert. Als sie ihr Haus verließ, sah sie den Säugling auf der Auffahrt ihres Grundstückes liegen. Wie Untersuchungen später ergaben, war das Mädchen erst wenige Stunden zuvor auf die Welt gekommen. Das Haus, vor dem das Mädchen abgelegt wurde, liegt in einer Siedlung mit mehreren Einfamilienhäusern. In der Nähe ist ein Supermarkt. In unmittelbarer Nachbarschaft haben ein Tier- und ein Zahnarzt ihre Praxen. „Möglicherweise hat die Frau gedacht, dass das Kind hier schnell gefunden wird“, sagte ein Polizist. Das Mädchen wurde auf der Kinderintensivstation des Helios-Klinikums Buch behandelt. Der Landkreis hatte den Kinderschutz eingeschaltet, der einen vorläufigen staatlichen Vormund einsetzte.

Aussetzung von Säuglingen ist Straftat

Bei Fällen wie diesem informiert das Klinikpersonal Jugendamt und Polizei. Untersuchungen werden durchgeführt und über einen Gerichtsmediziner ein Gutachten erstellt, wie eine Sprecherin des Krankenhauses mitteilte. Ob die beiden Säuglinge, die in Berlin gefunden wurden, ebenfalls in der Klinik behandelt wurden, wollte sie aufgrund der ärztlichen Schweigepflicht nicht bestätigen. Alle drei Mädchen sollen in Pflegefamilien untergebracht sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es allerdings nicht.

Laut Berliner Polizei wurde Ende 2017 bekannt, dass Parallelen zwischen den drei Fällen bestehen. Die Geburt des Kindes, das 2015 ausgesetzt wurde, habe dem Anschein nach ohne ärztliche oder fachkundige Hilfe stattgefunden. Auch bei den anderen beiden Säuglingen war festgestellt worden, dass sie nicht fachgerecht abgenabelt wurden. Zwei Kinder seien bei ihrem Fund unterkühlt gewesen. Bei dem ersten Kind wurden bei Untersuchungen laut einem Bericht des RBB Spuren eines Medikaments festgestellt. Dabei soll es sich um den Betablocker Metoprol handeln, der bei Angstzuständen, vor allem jedoch bei Bluthochdruck verschrieben wird.

Rechtlich wird die Aussetzung von Säuglingen als Straftat gewertet. Wer die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsgefährdung in Kauf nimmt, wird mit Freiheitsstrafen von drei Monaten bis zu fünf Jahren belegt. Um weiteren Aussetzungen vorzubeugen, die etwa durch Unterkühlung zum Tod führen können, weist die Polizei auf die fünf Berliner Babyklappen und Beratungsangebote hin.

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