Wohnungsmarkt

Berliner Mieten steigen auf Rekordhöhe

Die Investitionsbank Berlin (IBB) hat ihren Wohnungsmarktbericht 2017 veröffentlicht. Die wichtigsten Zahlen und Trends im Überblick.

Blick über Berlin-Mitte

Blick über Berlin-Mitte

Foto: dpa Picture-Alliance / Robert Schlesinger / picture alliance / Robert Schles

Berlin. Das Angebot an preiswerten Wohnungen in Berlin ist im vergangenen Jahr erheblich geschrumpft. Der Mittelwert der im Jahr 2017 angebotenen Wohnungen lag bei 10,15 Euro je Quadratmeter Kaltmiete. Damit verteuerte sich der Quadratmeterpreis gegenüber dem Vorjahr um rund zwölf Prozent – beziehungsweise 1,08 Euro je Quadratmeter. Das geht aus dem IBB Wohnungsmarktbericht 2017 hervor, den die landeseigene Investitionsbank am Montag vorgestellt hat.

"Der weiterhin deutliche verstärkte Mietenanstieg ist keine gute Nachricht – er ist Realität", sagte Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke), die den Report gemeinsam mit Jürgen Allerkamp, dem Chef der IBB, präsentierte. Besorgniserregend sei, dass die Preisdynamik sich über das gesamte Jahr 2017 hinweg nicht abgeschwächt habe. "Im letzten Quartal wurden Wohnungen in der Hauptstadt bereits zu 10,80 Euro je Quadratmeter angeboten", ergänzte Allerkamp. Im ersten Quartal des Jahres hatten die Preise noch knapp unter zehn Euro gelegen. Für die Studie hat das Forschungsinstitut RegioKontext die Preise der auf der Internetplattform Immobilienscout24 angebotenen Wohnungen ausgewertet.

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Als besonderes Problem wertete Senatorin Lompscher, dass insbesondere preiswerte Wohnungen kaum noch zu finden sind, auch nicht in unattraktiven Stadtrandlagen. "Nur noch drei Prozent der Wohnungen werden zu einem Mietpreis unter sechs Euro angeboten", sagte sie. Zudem werde nur noch jede zehnte Wohnung zu einer Kaltmiete von unter sieben Euro je Quadratmeter angeboten. Innerhalb des S-Bahnrings werden laut Bericht nahezu flächendeckend elf Euro und mehr je Quadratmeter Kaltmiete verlangt.

"Die stetig steigenden Angebotsmieten machen deutlich, wie wichtig neben dem Neubau auch die Regulierung der Mieten im Bestand ist", sagte die Senatorin. Hier sei in erster Linie die Bundesregierung gefragt, denn Mietrecht sei im Wesentlichen Bundesrecht. "Nur wenn der Bund die Rahmenbedingungen ändert, bleibt Berlin auch künftig für Menschen mit geringen und mittleren Einkommen erschwinglich", sagte Lompscher weiter. Der Neubau in Berlin sei zwar in Gang gekommen, es werde soviel gebaut wie seit den 90er-Jahren nicht mehr. Allerdings werde dies angesichts des anhaltenden Zuzugs in die Hauptstadt bei Weitem nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken, zumal die Leerstandsreserven von einst faktisch nicht mehr vorhanden seien.

Immerhin eine etwas zuversichtlichere Prognose zur weiteren Mietenentwicklung in den kommenden Jahren wagte schließlich der Chef des landeseigenen Bankhauses. "Die Schere zwischen den Mieten, die in Neubauten und denen, die in Bestandsgebäuden verlangt werden, hat sich in den vergangenen vier Jahren zunehmend geschlossen", sagte Jürgen Allerkamp. Die erfassten Mietpreise für Neubauwohnungen würden seit 2014 stagnieren. Sie liegen weiterhin bei durchschnittlich 13 Euro. "Vielleicht ist das ein Indiz dafür, dass die Schallgrenze erreicht ist und höhere Preise in Berlin nicht mehr durchsetzbar sind", sagte Allerkamp weiter. Zum Vergleich: In Hamburg würden für Neubauwohnungen 17 bis 18 Euro, in München sogar mehr als 20 Euro verlangt.

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

In keiner Großstadt Deutschlands sind die Mieten für Normalverdiener so unerschwinglich wie in Berlin. Zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten in Berlin um 20% gestiegen - Platz 8 im deutschlandweiten Städteranking.
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