Berlin-Event

Karneval der Kulturen wird teurer

Ein neues Konzept für mehr Sicherheit erhöht die Kosten für das Fest zu Pfingsten um mehr als 100.000 Euro.

Der Karneval der Kulturen wird in diesem Jahr vom 18. bis 21. Mai in Kreuzberg gefeiert

Der Karneval der Kulturen wird in diesem Jahr vom 18. bis 21. Mai in Kreuzberg gefeiert

Foto: Reto Klar

Der diesjährige Karneval der Kulturen wird erheblich teurer als ursprünglich vorgesehen. Dies bestätigte die Senatskulturverwaltung der Berliner Morgenpost auf Anfrage. Im Landeshaushalt sind 830.000 Euro für das viertägige Fest am Pfingstwochenende eingeplant. „Die Mehrkosten werden wahrscheinlich über 100.000 Euro liegen. Genaues wird die Abrechnung zeigen“, sagte Daniel Bartsch, Sprecher von Kultursenator Klaus Lederer (Linke). Grund für die Kostensteigerung sei ein umfangreicheres Sicherheitskonzept, das die Polizei empfohlen hatte. Welches die zentralen Punkte des Konzepts sind und wodurch die Mehrkosten genau verursacht werden, war zunächst nicht in Erfahrung zu bringen. Details würden derzeit noch besprochen, so Bartsch.

Bestreiten muss die Kosten zunächst einmal die Kulturverwaltung, bei ihr ist der Etat für den Kultur-Karneval angesiedelt. So sieht es die Landeshaushaltsordnung vor. Ob Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) bereit ist, zusätzliches Geld bereitzustellen, „wird politisch zu entscheiden sein“, erklärte der Verwaltungssprecher. Klar sei aber, dass der Karneval der Kulturen in diesem Jahr stattfinden wird. Nach Morgenpost-Informationen war im Zusammenhang mit der Debatte um Sicherheitsfragen sogar zwischenzeitlich von Beteiligten erwogen worden, das Fest abzusagen.

Eine solche Überlegung sei keine Alternativ, erklärte dazu Robbin Juhnke, kulturpolitischer Sprecher der CDU im Abgeordnetenhaus. Die Absage einer solchen Großveranstaltung wäre eine Kapitulation gegenüber Gefährdern. Juhnke sprach von „unerfreulichen Mehrausgaben“, die aber vermutlich unabänderlich seien. „Wir werden uns das genau anschauen, aber man ist immer gut beraten, den Fachleuten der Polizei zu folgen“, sagte Juhnke. Voraussichtlich würden die Mehrkosten im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses am Montag thematisiert. Aus Kreisen des Landesparlaments hieß es indes, langfristig müsse entschieden werden, welche öffentlichen Ausgaben für das Fest gerechtfertigt seien und mit welchen Sicherheitsvorkehrungen es noch von den Besuchern akzeptiert werde.

68 Gruppen mit mehr als 4000 Teilnehmern

In diesem Jahr erlebt der Karneval der Kulturen seine 23. Auflage. Gefeiert wird vom 18. bis 21. Mai in Kreuzberg. Das Fest steht im Zeichen der offenen Gesellschaft und des „urbanen Miteinanders“. Höhepunkt ist der Straßenumzug am Pfingstsonntag, an dem 68 Gruppen mit mehr als 4000 Teilnehmern unterwegs sind. Sie zeigen „die Vielfalt künstlerischer Ausdrucksweisen“ sowie einen „kreativen Umgang mit politischen und gesellschaftlich relevanten Themen“, wie die Veranstalter mitteilten. 13 neue Gruppen werden angekündigt. Der Startpunkt liegt diesmal an der Ecke Yorck- und Großbeerenstraße, der Umzug endet am Hermannplatz.

Auch beim Straßenfest rund um den Blücherplatz wird es den Angaben zufolge im Vergleich zum Vorjahr einige Veränderungen geben: Zwei Bühnen – „Bazáar Berlin“ und „Eurasia“ – verschmelzen zur neuen „East2West“-Bühne vor der Amerika-Gedenkbibliothek. Der „Grüne Bereich“ ist in diesem Jahr mitten auf dem Festgelände zu finden und nicht wie bisher an dessen Rand. Im vergangenen Jahr zog es rund 900.000 Menschen zum Karneval der Kulturen.

Seit dem Anschlag am Breitscheidplatz im Dezember 2016 wurden die Sicherheitskonzepte aller großen Veranstaltungen in Berlin überarbeitet und angepasst. Mal kommen Betonquader zum Einsatz, mal mobile Wassertanks oder versetzt stehende Polizeifahrzeuge, um Feste und Umzüge vor Attacken zu schützen.

Polizei mit deutlich erhöhter Präsenz unterwegs

Auch wenn das Sicherheitskonzept beim Karneval der Kulturen in seinen Details noch nicht feststeht, dürfte es sich in seinen Grundzügen an dem aus dem vergangenen Jahr orientieren. Damals waren knapp 2000 Polizisten im Einsatz, mehr als in den Jahren zuvor. Der Veranstaltungsraum wird auch wieder verkehrsfreier Raum sein. Auf den Zugangswegen werden Polizeiautos versetzt parken, um die Zugänge zu versperren oder im Notfall auch schnell wieder öffnen zu können. So sollte im vergangenen Jahr auch weitestgehend auf die Betonpoller verzichtet werden. Es wird entlang der Strecke auch wieder zahlreiche Straßensperren und Halteverbote geben. Auf dem Fest werden Anlaufstationen für Polizei und Erste Hilfe errichtet, an die sich Festbesucher wenden können.

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