Großstadtlärm

Bürgerbeteiligung: So können Berliner Lärmorte melden

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Andreas Abel

Der Senat will die Stadt leiser machen und hat eine Internet-Plattform gestartet. Die wichtigsten Fakten zur Bürgerbeteiligung.

Berlin ist eine Metropole, und dort geht es an vielen Orten laut zu. Dennoch will sich der Senat damit nicht abfinden, sondern sucht nach Möglichkeiten, insbesondere den Verkehrslärm zu mindern. Daran können die Berliner jetzt auch direkt mitwirken. Im Rahmen des Lärmaktionsplans, der jetzt für den Zeitraum 2018 bis 2023 fortgeschrieben und aktualisiert werden muss, begann am Mittwoch eine vierwöchige Bürgerbeteiligung. Bis zum 23. Mai können Hinweise zu belastendem Lärm gegeben werden. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen zur Bürgerbeteiligung.

Wie und wo kann ich mich beteiligen?

Die Senatsumweltverwaltung hat im Netz die Plattform „www.leises.berlin.de“ freigeschaltet. Dort kann bis zum 23. Mai jeder Lärmorte melden. Wo ist der Verkehr in Berlin zu laut? Warum ist es dort laut und wie könnte es leiser werden? Es gibt die Möglichkeit, vorgegebene Kategorien anzukreuzen oder eigene Kommentare zu schreiben. Gefragt wird aber auch nach Ruheorten. Welche Orte suchen Sie auf, wenn Sie Ruhe suchen und sich erholen möchten? Was macht den Ruhefaktor aus?

Was passiert mit den Antworten?

Die Bürgerbeteiligung organisiert die Agentur „zebralog“ im Auftrag der Umweltverwaltung. Die Hinweise fließen in den Lärmaktionsplan ein, in dem Projekte entwickelt werden, Lärm einzudämmen. Nina Schröter von „zebralog“ erläuterte am Mittwoch, für die 50 Lärmorte, die am häufigsten beschrieben werden, bekämen die Einsender eine direkte Antwort der Verwaltung. Die anderen Ergebnisse würden zusammengefasst. Neben der Bürgerbeteiligung auf der Internetplattform sind „Soundwalks“ geplant. Dabei laufen Berliner mit „zebralog“-Mitarbeitern durch ausgewählte Kieze und erörtern die Lärmsituation. Die Termine werden noch bekannt gegeben.

Wie groß ist die Lärmbelastung in Berlin, vor allem nachts?

Der Straßenverkehr ist laut Umweltverwaltung der Hauptverursacher von Lärm. Knapp 340.000 Berliner, also etwa zehn Prozent der Einwohner, sind in ihren Wohnungen zwischen 22 Uhr und sechs Uhr Belastungen von mehr als 55 Dezibel (dB/A) ausgesetzt. Ab dieser Grenze gilt Lärm nachts als gesundheitsgefährdend. 30.000 Berliner müssen nachts sogar mehr als 65 Dezibel erdulden. Dabei bedeuten diese Messungen keinen linearen Anstieg. Zwei bis drei Dezibel weniger entsprechen einer Halbierung des Verkehrsaufkommens. Gut 30.000 Berliner sind nachts durch Tram- und U-Bahn-Lärm jenseits von 55 Dezibel belastet, 36.000 durch Lärm, den S- und Fernbahn sowie Güterzüge auslösen. Mehr als 16.000 Menschen erleben nachts Fluglärm durch den Flughafen Tegel in gesundheitsgefährdender Größenordnung. Tagsüber liegt diese Grenze bei 65 Dezibel. Die Zahl der Belasteten ist dann bei Straßenverkehrs- und Bahnlärm geringer, beim Fluglärm höher.

Was verspricht sich die Umweltverwaltung von der Bürgerbeteiligung?

„Wir wollen Berlin leiser machen“, sagte Umweltstaatssekretär Stefan Tidow (Grüne) am Mittwoch bei der Vorstellung des Projekts. „Viele Menschen erleben Lärm als belastend, denn Lärm ist ein Stressfaktor und schadet der Gesundheit“, so Tidow. Allerdings sei das Lärmempfinden subjektiv. Tidow erhofft sich von der Bürgerbeteiligung eine Objektivierung der Befunde und auch eine Datenbasis, um Prioritäten zu setzen. Gleichzeitig warnte er vor zu hohen Erwartungen. „Wirklich leise werden wir Berlin nicht bekommen“, sagte der Staatssekretär. Es werde auch nicht jede Empfehlung aus der Bürgerbeteiligung umgesetzt werden können.

Was unternimmt der Senat, um Verkehrslärm zu reduzieren?

Er fördert zum Beispiel den Einbau von Lärmschutzfenstern, in diesem Jahr stehen dafür 1,8 Millionen Euro bereit. Im Straßenbau wird zunehmend „Flüsterasphalt“ eingesetzt, der den Verkehrslärm um zwei bis drei Dezibel senkt. Die BVG rüstet Teile ihrer Straßenbahnflotte seit 2014 mit Anlagen aus, die Schmiermittel auf die Schienen sprühen, damit die Trams in Kurven nicht so stark quietschen. Allerdings weist der auslaufende Lärmaktionsplan 2013 bis 2018 keine messbaren Lärmreduzierungen aus. Wegen unterschiedlicher Datengrundlagen seien die Lärmkarten nicht vergleichbar, zudem würden dort Verbesserungen nur in Schritten von fünf Dezibel erfasst, so die Verwaltung. Staatssekretär Tidow sagte, auch die rot-rot-grüne Verkehrspolitik mit einer Förderung des Radverkehrs und der E-Mobility werde sich lärmmindernd auswirken. Zudem werde geprüft, ob für weitere Straßen nachts Tempo 30 angeordnet wird

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