Berlin

Grüne wollen Kita-Erzieher besser bezahlen

Partei beschließt Aktionsprogramm – ebenso wie Beschränkungen beim Verkauf von Silvesterböllern

Berlin. Die stehenden Ovationen bekamen nicht die Landesvorsitzenden der Grünen, nicht die Senatorinnen und auch nicht Renate Künast. Der Applaus ging an Evelin Giese, eine Erzieherin. Kurz, aber intensiv berichtete die Leiterin einer Kita in Nikolassee über die Höhen und Tiefen ihres Jobs. Vor allem aber über die Tiefen: die Belastung und den Zeitmangel, die Angst vor dem Moment, wenn Kolleginnen von ihrer Schwangerschaft erzählen, weil sie während ihres Ausfalls nicht ersetzt werden. Und dann natürlich die schlechte Bezahlung. Demnächst wird Evelin Giese aufhören, ihr bleiben 1200 Euro Rente – nach 35 Jahren in Vollzeit.

Selbstredend, dass die Berliner Grünen auf ihrem Landesparteitag am Sonnabend einstimmig ihren Leitantrag für mehr Personal und Qualität in den Berliner Kitas beschlossen haben. Zu dem Aktionsprogramm gehört unter anderem die Forderung, dass Erzieher in der Entgelttabelle um „mindestens“ eine Stufe nach oben springen, sprich knapp 200 Euro mehr verdienen. Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) habe bei den kommenden Tarifverhandlungen die volle Unterstützung der Grünen, sagte Landeschefin Nina Stahr. Zudem wird gefordert, dass sich eine Fachkraft um höchstens drei Kinder unter drei Jahren kümmern muss (aktuell sind es über fünf) und bei über Dreijährigen um acht Kinder (aktuell neun). Tatsächlich wird sich der Betreuungsschlüssel aber erst mal verschlechtern: Wie berichtet hat die Bildungsverwaltung entschieden, dass wegen des akuten Kitaplatzmangels ein Kind mehr pro Gruppe aufgenommen werden darf. Immerhin: Später sollte in Adlershof noch beschlossen werden, dass Wickeltische in öffentlichen Gebäuden und Gastronomie Pflicht werden.

Ebenfalls einstimmig beschlossen wurde das Vorhaben des Zero-Waste-Berlin, das SPD, Linke und Grüne auch im Koalitionsvertrag verankert haben – eine Stadt ohne Müll. „Die Hälfte des Mülls landet in Verbrennungsanlagen. Mir widerstrebt es, Verpackungen aus dem Supermarkt nach Hause zu tragen und gleich wieder zu entsorgen“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther. Ziel sei, dass Müll gar nicht erst entsteht.

Kontroverser diskutiert wurde ein Antrag zu Einschränkungen bei der Silvesterböllerei. Demnach soll der Verkauf von Feuerwerkskörpern auf den 31. Dezember beschränkt werden und nur in Fachgeschäften stattfinden. Pyrotechnik, an der sich erfahrungsgemäß besonders viele Menschen verletzen, soll verboten werden. Dazu brachte die Grüne Jugend einen Änderungsantrag ein, wonach Privatleute überhaupt keine Silvesterböller mehr kaufen dürfen. Da schaltete sich Justizsenator Dirk Behrendt ein: „Es gibt viele Leute, die daran Spaß haben. Wir müssen ein bisschen über die grüne Blase hinaus schauen“, stellte er sich dagegen. Am Ende bekam der Antrag in seiner ursprünglichen Form die Mehrheit.

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