Mieten in Berlin

13.000 Berliner demonstrierten für bezahlbare Mieten

Die Teilnehmer fordern eine radikal andere Mietenpolitik. Einige von ihnen schildern ihre Erfahrungen.

Mit Transparenten zogen die Teilnehmer durch die Stadt

Mit Transparenten zogen die Teilnehmer durch die Stadt

Foto: Adam Berry / Getty Images

Mit bunten Regenschirmen standen Demonstranten am Sonnabend auf dem Potsdamer Platz dicht beieinander, auf selbst gebastelten Plakaten waren Sprüche wie "Nachbarn behalten, Miethaie verdrängen" zu lesen. Es wurde gepfiffen, gesungen und in Trillerpfeifen gepustet.

Um 14 Uhr startete die Großdemonstration, zu der ein Bündnis von mehr als 245 Mieterinitiativen, linken Gruppen, Mietervereinen Stadtteilläden und Sozialverbänden aufgerufen hatte. Unter dem Motto "Mietenwahnsinn stoppen!" demonstrierten sie gegen steigende Mieten und Wohnungsmangel. "In Berlin werden Menschen durch steigende Mieten verdrängt. Mietwohnungen werden in Eigentum umgewandelt", bemängeln die Organisatoren. Vor der Veranstaltung haben sie mit rund 4000 Teilnehmern gerechnet, Es wurden laut Polizeiangaben 13.000.

Unter ihnen waren auch Sophie Eulet (36) und Rafeal Triebel (32), die ihre 10 Wochen alte Tochter Ada im Kinderwagen mitgenommen hatten. Aus der Zwei-Zimmer-Wohnung in Weißensee, in der sie seit 10 Jahren wohnen, würden sie gerne in naher Zukunft in eine Drei-Zimmer-Wohnung ziehen – doch die jungen Eltern befürchten, dass sie sich eine solche nicht leisten können. "Als Selbstständige haben wir es besonders schwer. Bei Besichtigungen sollen wir angeben, wie viel wir im nächsten Jahr verdienen werden - das können wir aber nicht absehen", sagt Sophie Eulet. Die Tochter steht schon auf der Liste für einen Kindergartenplatz – doch das Paar befürchtet, dass auch diese in Zukunft knapper werden, da auch die Kindertagesstätten mit steigenden Mieten zu kämpfen haben. Alina B. war mit ihrer Freundin Anna M. zu der Demonstration gekommen. Auf einem Papparkton machten sie in silberner und goldener Glitzerschrift ihren Unmut deutlich.

Ruf nach hartem Kurswechsel in der Mietenpolitik

Alina wohnt am Mariannenplatz in einem Wohnhaus des landeseigenen Wohnungsunternehmens degewo. "Meine Miete sollte um 40 Euro erhöht werden. Weil wir in der Nachbarschaft gegen die Erhöhung mobil gemacht haben, wurden es neun Euro mehr pro Monat", sagt sie. Die beiden sehen vor allem die städtischen Wohnungsbaugesellschaften in der Pflicht, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

"Wir tragen den berechtigten Zorn über die Verhältnisse in der Stadt auf die Straße, denn wir wollen mitbestimmen, wie sich unsere Stadt entwickelt", sagte eine Sprecherin des Mieterbündnisses auf der Bühne, die auf dem Potsdamer Platz aufgebaut war. Die Redner bemängelten, dass durch Mieterhöhungen Nachbarschaften zerstört werden und auch soziale Einrichtungen sowie Gewerbetreibende keine bezahlbaren Räume mehr finden. Die Obdachlosigkeit wachse und Rassismus sowie Diskriminierung würden zusätzlich die Wohnungssuche erschweren.

Das Bündnis fordert einen radikalen Kurswechsel in der Wohnungs-und Mietenpolitik: Von der neuen Bundesregierung fordert es mehr Anstrengungen beim sozialen Wohnungsbau und eine wirksame Mietpreisbremse. Auch der rot-rot-grüne Berliner Senat solle sich mehr anstrengen, die Mieter zu schützen. Kritisiert wird, dass auch die Mieten bei landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften steigen. "Herr Seehofer, machen Sie Ihren Job und setzen Sie die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag zügig um", ließ der Landesvorsitzende Michael Müller während der Demonstration verkünden.

Vom Potsdamer Platz aus zogen die Demonstranten weiter über die Leipziger Straße, Mauerstraße, dann weiter zur Friedrichstraße und von dort aus über die Hedemannstraße in die Wilhelmstraße, vom Halleschen Ufer über den Mehringdamm, in die Obentrautstraße über die Großbeerenstraße in die Yorckstraße. Am späten Nachmittag sollte an der Potsdamer Straße Ecke Göbenstraße eine Abschlusskundgebung stattfinden. Es kam zu sämtlichen Sperrungen und Verkehrseinschränkungen, von denen auch die innerstädischen Buslinien betroffen waren. Es habe keine Zwischenfälle gegeben, wie die Polizei kurz nach 17 Uhr mitteilte.

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