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Ryanair fliegt ab Juni von Tegel

Im Juni startet mit Ryanair ein weitere Billigflieger vom Flughafen Tegel. Es gibt 17 neue Ziele.

Die irische Fluggesellschaft Ryanair fliegt ab Juni von Tegel aus (Archiv)

Die irische Fluggesellschaft Ryanair fliegt ab Juni von Tegel aus (Archiv)

Foto: imago stock / imago/Jürgen Ritter

Berlin. Nach dem tränenreichen Aus für Air Berlin im vergangenen Oktober wird es am Flughafen Tegel langsam wieder bunter und vielfältiger. Allerdings sind es vor allem Billig-Airlines, die den bei vielen Berlinern so beliebten City-Airport anfliegen wollen. Etablierte Fluggesellschaften wie Lufthansa oder nun auch der Ferienflieger Condor ziehen sich dagegen mehr und mehr aus der deutschen Hauptstadt zurück.

Dafür boomt nun Low Cost: Die britische Fluggesellschaft Easyjet machte im Januar den Anfang. Ab Juni wird auch Ryanair in Tegel starten und landen. Gleich 17 Ziele in Spanien, Griechenland, Italien, Kroatien und Portugal können ab sofort bei der Airline gebucht werden, die für viele Luftfahrtexperten der Inbegriff der Billigfliegerei ist. Tickets kosten bei Ryanair teilweise weniger als die Taxifahrt zum Flughafen, dafür muss jeder Service extra bezahlt werden. Das Konzept gibt Ryanair-Chef Michael O’Leary bislang recht. Mit 129 Millionen beförderten Passagieren (2017) ist Ryanair hinter der Lufthansa-Gruppe inzwischen die zweitgrößte Fluggesellschaft Europas.

Bislang waren die Iren wegen deutlich geringerer Start- und Landegebühren in Berlin nur am Flughafen Schönefeld mit einer eigenen Basis präsent. Nun kommt Tegel hinzu. Was direkt mit der Air-Berlin-Pleite zu tun hat. Denn Ryanair fliegt ab Tegel im Auftrag der österreichischen Laudamotion. Airline-Eigentümer Niki Lauda hatte im Januar die einstige Air-Berlin-Tochter Niki übernommen – der Ex-Rennfahrer soll dafür 47 Millionen Euro gezahlt haben. Lauda bekam für das Geld vor allem attraktive Start- und Landrechte (sogenannte „Slots“) an begehrten, aber auch gut belegten Flughäfen wie Palma de Mallorca, Düsseldorf oder eben Berlin-Tegel, während der Markenname „Niki“ und ein Gutteil der rund zuletzt 1000 Airline-Mitarbeiter auf der Strecke blieben.

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Laudamotion startet mit alten Air-Berlin-Maschinen

Ende März hob in Düsseldorf die erste Maschine für Laudamotion ab, mit nur geringen optischen Abweichungen vom alten Air-Berlin-Design. Ab Juni will die Airline ihr Angebot kräftig ausgebaut, wie sie am Donnerstag mitteilte. Laudamotion startet dann auch in Stuttgart, Frankfurt am Main, Zürich, Basel und in Berlin-Tegel. „Die Fluggesellschaft muss die Slots auch nutzen, sonst verfallen sie“, sagte David Haße vom Luftverkehrs-Nachrichtenportal „airliners.de“.

In Berlin, aber auch in Zürich werden die Passagiere allerdings in die Boeings von Ryanair einsteigen (und auch auf der Ryanair-Webseite buchen) müssen, wenn sie mit Laudamotion fliegen wollen. Die Iren waren im März bei Laudamotion mit 24,9 Prozent der Anteile eingestiegen und machen keinen Hehl daraus, die österreichische Fluggesellschaft möglichst bald mehrheitlich zu übernehmen.

Dass die große Ryanair ab Juni im Auftrag der kleinen Laudamation fliegt, hängt auch mit dem Mangel an Flugzeugen zusammen. Zwar bekam Lauda 15 von zuletzt 21 Niki-Flugzeugen zugesprochen. Doch die Maschinen vom Typ Airbus A320 und A321 fliegen für die Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Die Lufthansa hatte im Vorjahr zunächst große Teile der insolventen Air Berlin übernommen, darunter auch Niki. Aufgrund kartellrechtlicher Bedenken der EU-Behörden in Brüssel musste sie vom Niki-Kauf dann aber zurückgetreten.

Experte: Fluggäste profitieren von breiterem Angebot

Laudamotion soll bislang zwar elf Maschinen zurückerhalten haben, die reichen aber für das angekündigte Flugprogramm nicht aus. Ryanair schließt die Lücke nun mit eigenen Maschinen, in Tegel wollen die Iren vier ihrer eng bestuhlten Boeing 737 stationieren. Damit ist auch klar: Der alte Air-Berlin-Standard kehrt nicht zurück. „Die Ära von Air Berlin ist vorbei. Es wird auch keine Herzen mehr geben“, sagt Luftfahrt-Experte David Haße. Die Fluggäste würden aber dennoch profitieren: von einem breiteren Angebot und damit sinkenden Flugpreisen.

Bei der Buchung auf „ryanair.com“ werden ihnen drei Tarifoptionen angeboten: Der extrem billige Standard-Tarif, der lediglich die Mitnahme von Handgepäck erlaubt, Standrad-Plus (mit Sitzplatz-Reservierung und einem Aufgabe-Gepäckstück) und Flexi-Plus (mit kostenloser Umbuchung). Der Laudamotion/Ryanair-Flug am 2. Juni von Berlin-Tegel nach Las Palmas Gran Canaria kostet aktuell 36,71 Euro im Standard-, 69,22 Euro im Plus- und 107,71 Euro im Flexi-Tarif. Der Flug ist damit nicht nur billiger als bei Easyjet und Norwegian (beide von Schönefeld, Easyjet teilweise auch von Tegel), er ist an diesem Tag auch die einzige Direktverbindung nach Las Palmas.

Ferienflieger Condor zieht sich aus Berlin zurück

Während Ryanair expandiert, zieht sich Condor aus Berlin komplett zurück. Am Dienstag landete letztmalig eine Condor-Maschine in Schönefeld. Ende April steuert der Ferienflieger auch Tegel nicht mehr an, wo Condor derzeit noch im Auftrag von Easyjet fliegt, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Die Flüge von und nach Schönefeld seien wirtschaftlich nicht nachhaltig gewesen, begründete er den Rückzug.

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