Berlin-Neukölln

Bronzeskulptur erinnert an ungeklärten Mord an Burak Bektas

An den vor sechs Jahren erschossenen Burak haben rund 200 Menschen gedacht. Eine Skulptur wurde nahe des Tatorts enthüllt.

Das Mahnmal für den ermordeten Burak Bektas ist am Sonntag in Neukölln enthüllt worden

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Foto: dpa

Hauptsächlich Trauer – so beschreibt Murat Albayrak an diesem Sonntag seine Gefühlslage. Hinzu kämen Wut, Verwirrung und Angst, dass es wieder passieren könnte, solange der Täter nicht gefasst sei. Der 30-Jährige steht an der Rudower Straße gegenüber des Klinikums Neukölln. Nur wenige Meter entfernt wurde fast auf den Tag genau vor sechs Jahren sein Cousin Burak Bektaş erschossen. Warum? Von wem? Darauf gibt es bis heute keine Antworten. Aber auch wenn es Burak nicht zurückbringe, wünscht sich Albayrak, dass der Täter endlich gefasst wird.

Albayrak und andere Familienangehörige, darunter auch Bektaş' Eltern, waren am gestrigen Sonntag zum Tatort gekommen – wie jedes Jahr. Dort wurde am Nachmittag eine fast zwei Meter hohe Gedenkskulptur enthüllt. Im Vorfeld führte eine Demonstration vom U-Bahnhof Britz-Süd zum Ort des Geschehens. Laut Veranstalter, der "Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektaş", nahmen daran rund 700 Menschen teil.

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Die spiralförmige Bronzefigur mit dem Titel "Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle" stammt von der im Dezember verstorbenen Künstlerin Zeynep Delibalta. Dafür hatte die Initiative nach eigenen Angaben etwa 48.000 Euro Spenden gesammelt. Die Skulptur solle die Tat präsent halten und den politischen Druck erhöhen, die Ermittlungen wieder aufzurollen, sagt Rolf Sommer von der Initiative. "Die Staatsanwaltschaft sagt immer nur, dass sie nichts falsch gemacht hat, aber nicht, was sie gemacht hat." Die Initiative und der Anwalt der Familie Bektaş, Mehmet Daimagüler, vermuten hinter der Tat ein rassistisches Motiv. Dem seien die Ermittler aber nicht ausreichend nachgegangen, so der Vorwurf.

Täter noch immer nicht gefasst

Das weist die Berliner Staatsanwaltschaft seit Jahren zurück. Man habe in alle Richtungen ermittelt. Die Ausgangslage sei allerdings sehr schwierig. Als Bektaş am Abend des 5. April 2012 mit vier Freunden an der Rudower Straße stand, feuerte der Täter wortlos fünf Schüsse auf die Gruppe ab. Zwei der Männer wurden schwer verletzt. Bektaş starb mit nur 22 Jahren. Der Täter war als "weißer Mann mittleren Alters" beschrieben worden. Für ein Phantombild reichten die Beschreibungen der Überlebenden aber nicht aus.

Die Initiative hat einen Verdacht, wer der Täter sein könnte: Rolf Z. Der Neonazi sitzt in Haft, weil er im Jahr 2015 den Briten Luke Holland erschossen hatte. Beide Taten weisen Parallelen auf. Wie jetzt durch einen RBB-Bericht bekannt wurde, haben die Ermittler bei Z. auch eine Waffe gefunden, die laut eines Gutachtens die Tatwaffe im Fall Bektaş sein könnte. Sicher sei es aber nicht. Z., der wegen der Tötung Hollands zu elf Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt wurde, tauchte damals schon in den Ermittlungsakten zu Bektaş auf, streitet die Tat aber ab.

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