Streckensanierung

U1 wird unterbrochen, U3 fährt bald bis Warschauer Straße

Die Linie U3 wird Anfang Mai über die Gleise der U1 bis zur Warschauer Straße verlängert. Zuvor muss das Viadukt noch saniert werden.

Das Viadukt der U1 wird saniert

Das Viadukt der U1 wird saniert

Von Bummelstudenten kann bald keine Rede mehr sein: Angehenden Akademikern und anderen Berlinern bieten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ab 7. Mai wieder eine direkte Verbindung von der Warschauer Straße in Friedrichshain über den Halt Freie Universität (Thielplatz) bis zur Endstation Krumme Lanke in Zehlendorf. Damit lässt die BVG eine Linienführung wieder aufleben, die es in den 60er-Jahren und später auch in den 90er-Jahren schon einmal gab.

Die U3, die bislang nur die Strecke zwischen den Bahnhöfen Krumme Lanke und Nollendorfplatz (Schöneberg) bediente, wird künftig bis zum neuen Endbahnhof Warschauer Straße führen. „Montags bis freitags zwischen 6.30 Uhr und 19.45 Uhr wird auf der Stammstrecke zwischen Wittenbergplatz und Warschauer Straße dann gemeinsam mit der U1 alle drei bis vier Minuten eine U-Bahn fahren, am Wochenende tagsüber alle fünf Minuten“, sagt Nicole Grummini, Bereichsleiterin U-Bahn bei der BVG. In der Hauptverkehrszeit erhöhe das Unternehmen damit das Angebot auf dieser viel genutzten Strecke um 12,5 Prozent. „Frühmorgens und spätabends sowie im Nachtverkehr am Wochenende fährt die U3 wie bisher nur bis zum Nollendorfplatz“, sagt sie.

Deutliche Verbesserung auf der Ost-West-Verbindung

Einen kleinen Wermutstropfen gibt es allerdings: Das kurze Stück der U1-Linie zwischen Uhlandstraße und Wittenbergplatz wird nur noch im Zehn-Minuten- statt wie bisher im Fünf-Minuten Takt verkehren. „Diese Einschränkung ist aber vertretbar, denn zwischen diesen Stationen verkehren viele Buslinien“, so Nicole Grummini.

Von der neuen Ost-West-Verbindung profitieren insbesondere die vielen Studierenden der Freien Universität (FU). „Am Wittenbergplatz entsteht zudem eine neue Umsteigemöglichkeit zwischen U2 aus Richtung Ruhleben und U3 in Richtung Warschauer Straße vom selben Bahnsteig, das Treppensteigen entfällt also“, so die Bereichsleiterin über weitere Vorzüge. In Vorbereitung der neuen Streckenführung werde die BVG umfänglich über die Neuerungen informieren. Unter anderem sollen in den kommenden Wochen auch die rund 17.000 S+U-Bahn-Netz-Grafiken auf Infotafeln, Fahrausweisautomaten und in den U-Bahnen ausgetauscht werden.

Bevor neben den Wagen der Linie U1 auch die der Linie U3 über die Gleise der mehr als 100 Jahre alte Hochbahn in Kreuzberg rollen können, wird es für die Fahrgäste allerdings ungemütlich. „Bevor die U3 bis Warschauer Straße verlängert werden kann, müssen die alten Brücken der Hochbahn instand gesetzt und die 40 Jahre alten Gleise saniert werden“, sagt BVG-Bauchef Uwe Kutscher. Vom 10. April bis 6. Mai 2018 werde daher die U1 zwischen Hallesches Tor und Schlesisches Tor erneut unterbrochen.

Schon die Herausforderungen dieses Teilabschnitts sind gewaltig. Nach Auskunft Kutschers müssen 1514 Meter Fahr- und Führungsschienen aus- beziehungsweise 1284 Meter neu eingebaut werden. Zudem 808 Schwellen aus- und 660 Schwellen neu eingebaut werden. Dazu kommen 1418 Tonnen Schotter, die ausgehoben und entsorgt beziehungsweise einer Reinigung unterzogen und wieder eingebracht werden. Zusätzlich müssen auch noch 568 Meter Stromschienen erneuert werden.

Während zwischen den Stationen Schlesisches Tor und Warschauer Straße in dieser Zeit ein Zug im 7,5-Minuten-Takt pendelt, werden zwischen Schlesisches Tor und Hallesches Tor barrierefreie Busse statt der U-Bahn fahren. „Fahrgäste sollten diesen Bereich mit U6, U8 und S-Bahn wenn möglich weiträumig umfahren“, empfiehlt Kutscher.

Gefühlt wird auf der im Jahr 1902 in Betrieb genommenen Strecke bereits seit Jahren gebaut. „Tatsächlich sind wir seit 2005 nahezu fast jedes Jahr dabei, verschiedene Etappen der Strecke zu erneuern“, sagt Kutscher. Drei bis vier Jahre hätten allein die Arbeiten im Bereich des Gleisdreiecks in Anspruch genommen. Zuletzt wurden im vergangenen Jahr auf einigen Abschnitten an noch abgenutzten Gleisen und rostigen Brückenelementen der Hochbahn gebaut. Auch im zweiten Halbjahr 2018 werden weitere Bauabschnitte folgen.

Die Sanierung verschlingt 190 Millionen Euro

„Die Alternative wäre gewesen, den Streckenabschnitt für etwa drei Jahre am Stück komplett zu sperren. Dies konnte durch die Stückelung der Bauarbeiten verhindert werden“, nennt BVG-Bauchef Uwe Kutscher den Grund. Die gesamte Sanierung des Hochbahnabschnitts hat ein Investitionsvolumen von rund 190 Millionen Euro. Eine Summe, die das Land Berlin bereitstellt.

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