Baureihe IK18

Berliner U-Bahn bekommt mit erstem „Icke“-Zug Verstärkung

Der erste reguläre Serienzug der Baureihe IK18 ist in der Hauptstadt eingetroffen. Die neuen Wagen werden dringend gebraucht.

Blick in den Prototyp der IK-Baureihe: Die Wagen sind breiter als die Vorgänger, Kritik gibt es aber an den harten Sitzen und den vielen Monitoren

Blick in den Prototyp der IK-Baureihe: Die Wagen sind breiter als die Vorgänger, Kritik gibt es aber an den harten Sitzen und den vielen Monitoren

Foto: Gregor Fischer / dpa

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) dürften zu Wochenbeginn die Sektkorken geknallt haben. In der Hauptstadt sind die ersten Wagen einer neuen Serie von U-Bahn-Wagen eingetroffen, wie BVG-Sprecher Markus Falkner der Berliner Morgenpost am Donnerstag bestätigte. Per Tieflader seien die Fahrzeuge vom Hersteller Stadler Pankow am 3. und 4. April in die U-Bahnwerkstatt Grunewald gebracht worden. Dort werden sie nun zum ersten Vier-Wagen-Zug der Baureihe IK18 (Spitzname „Icke“) zusammengebaut. Dann folgen die Abnahme sowie Test- und Schulungsfahrten. Voraussichtlich im Mai, so Falkner, werde der Zug erstmals mit Fahrgästen unterwegs sein. Dann zunächst auf der wichtigen Ost-West-Linie U2 (Pankow–Ruhleben).

Fahrgäste kritisieren das grelle Licht und die harten Sitze

Die IK-Züge, von denen seit 2015 bereits zwei Prototypen durch die Stadt fahren , haben viele technische Neuerungen. Sie verfügen etwa über eine Luftfederung, eine sogenannte Bombierung der Wagenkästen sorgt zudem dafür, dass der Innenraum in Sitzhöhe zehn Zentimeter breiter ist als bei den Vorgängern. Das verbessert das Platzangebot. Insgesamt können 330 Fahrgäste mitgenommen werden, 80 von ihnen haben die Chance auf einen Sitzplatz.

Dennoch gibt es auch teils erhebliche Kritik von den Nutzern: Etwa an dem grellen LED-Licht und den vielen Monitoren, die in den Wagen montiert sind. „Sie sind Teil einer verbesserten Fahrgastinformation“, so BVG-Sprecher Falkner. Wenig Begeisterung lösen bei vielen Fahrgästen auch die harten Sitze aus. Vor allem wegen der hohen Vandalismusschäden verzichtet die BVG bereits seit Längerem in der U-Bahn auf Polstersitze. Für die neue Einrichtung hatten die Verkehrsbetriebe eigens einen großen Sitztest gestartet. Zur Auswahl standen damals allerdings ausschließlich Hartschalensitze.

Bei der U-Bahn warten die Mitarbeiter derweil händeringend auf die neuen Züge. Denn gerade in den letzten Wochen hatte der größte Teilbetrieb der BVG (2017: 563 Millionen Fahrgastfahrten auf zehn Linien) massive Probleme mit seinem völlig überalterten Fuhrpark. „Die Lage ist inzwischen dramatischer als bei der S-Bahn“, schätzt der Sprecher des Berliner Fahrgastverbandes Igeb, Jens Wieseke, ein. Dies sei vor allem Folge einer verfehlten Investitionspolitik des Berliner Senats, aber auch der Verkehrsbetriebe selbst. Jahrelang seien aus Spargründen keine neue U-Bahnen gekauft und der bestehende Wagenpark auf Verschleiß gefahren worden. „Die Fahrgäste bekommen das tagtäglich zu spüren“, so Igeb-Sprecher Wieseke. Zugausfälle, Verspätungen und verkürzte Züge gebe es faktisch auf allen Linien.

Zugespitzt hatte sich die Lage im März. Durch einen hohen Krankenstand fehlte in den Werkstätten Personal für die notwendigen Reparatur- und Reinigungsarbeiten. Die Folge: Am nächsten Morgen standen der BVG nicht genug Fahrzeuge zur Verfügung. Bis zu einem Drittel der knapp 1300 U-Bahnwagen soll nicht einsatzbereit gewesen sein. Um den Ausfall ganzer Fahrten möglichst zu vermeiden, ließ die BVG vielfach Züge mit vier statt der üblichen sechs oder acht Wagen fahren. Die Bahnen waren nicht selten völlig überfüllt, dadurch verlängerten sich die Zeiten für das Ein- und Aussteigen. Das wiederum hatte noch mehr Verspätungen zur Folge.

Lange hatte die BVG gehofft, mithilfe von „Ertüchtigungsprogrammen“ den Wagenpark am Laufen zu halten. Praktiziert wurde dies etwa bei der Baureihe F76. Wie das Kürzel verrät, wurden die Wagen 1976 an die BVG ausgeliefert und sind inzwischen seit mehr als 40 Jahren im Einsatz. 78 dieser alten U-Bahn-Wagen wurden mit einem erheblichen Aufwand zwischen 2014 und 2016 für ein „drittes Leben“ (weitere 20 Einsatzjahre) fit gemacht.

Erstmals seit 15 Jahren neue Züge

Für die sogenannten Kleinprofil-Linien U1 bis U4 (wegen des engen Tunnelquerschnitts sind die Wagen dort schmaler als bei der U5 bis U9), bestellte die BVG 2012 erstmals nach fast 15 Jahren Pause wieder neue Züge. Der Auftrag mit einem Gesamtvolumen von 158 Millionen Euro ging an den Schweizer Schienenfahrzeughersteller Stadler, der in Pankow ein eigenes Montagewerk hat.

Um Erfahrungen zu sammeln, wurden im Jahr 2015 zunächst jedoch nur zwei Prototypen ausgeliefert. Sie fahren laut BVG ohne die sonst üblichen „Kinderkrankheiten“ stabil und mit hoher Verfügbarkeit. Im vorigen Jahr kamen elf weitere Vier-Wagen-Einheiten dazu. Sie wurden vom Senat mit rund 60 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm wachsende Stadt (Siwa) finanziert. Die Besonderheit: Die Züge verfügen über eine Spaltüberbrückung sowie andere technische Besonderheiten, sodass sie auch im Großprofilnetz fahren können. Derzeit sind die IK17 meist auf der U5 (Alexanderplatz–Hönow) im Einsatz.

Nun steht die eigentliche Serienlieferung an. Bis 2019 werden von Stadler 27 Vier-Wagen-Züge geliefert. Laut BVG-Sprecher Falkner soll nun alle zwei Wochen ein neuer Zug in Berlin eintreffen, die IK18 werden ausschließlich im Kleinprofilnetz (U1 bis U4) unterwegs sein.

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