Fachkräftemangel

Warum Berliner zehn Wochen auf Handwerker warten müssen

Wegen des Baubooms und Fachkräftemangels müssen Berliner immer mehr Geduld aufbringen, bis Maler oder Klempner zu ihnen kommen.

Auf Handwerker müssen Berliner immer länger warten

Auf Handwerker müssen Berliner immer länger warten

Foto: Patrick Pleul / dpa

Berlin.  Verbraucher in der deutschen Hauptstadt müssen immer länger auf einen Handwerker warten. Im Durchschnitt lag die Wartezeit Ende des vergangenen Jahres bei zehn Wochen. 2007 waren es noch 5,7 Wochen. Das geht aus Zahlen der Handwerkskammer hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegen.

Alle sechs Monate fragt die Kammer bei den Unternehmen die sogenannte Auftragsreichweite ab. Vor allem der Bauboom und der Fachkräftemangel seien für den Engpass verantwortlich, so der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz. „Das führt zu relativ langen Wartezeiten, was Großaufträge betrifft. Natürlich versuchen die Betriebe, kleinere Aufträge oder Notfälle zügig abzuarbeiten“, sagte Schwarz.

Viel Geduld müssen Kunden vor allem bei Dachdeckern, Maurern und Zimmerern aufbringen. Im sogenannten Bauhauptgewerbe betrug die Auftragsreichweite Ende des vergangenen Jahres 12,3 Wochen. Kunden von Glasern, Klempnern oder Malern, die zum Ausbaugewerbe zählen, mussten 10,1 Wochen warten. „Die langen Wartezeiten hängen eng mit der guten Auslastung der Bauunternehmen zusammen“, sagte Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der Fachgemeinschaft Bau Berlin/Brandenburg. Bei der jüngsten Konjunkturumfrage der Handwerkskammer hatte die Auslastung der Betriebe bei über 90 Prozent gelegen.

Wirtschaftsforscher Claus Michelsen vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) geht davon aus, dass der Bauboom weiter anhält. „Insbesondere der Wohnungsbau erfreut sich einer regen Nachfrage. Die Finanzierung des Bauens ist aufgrund der niedrigen Zinsen historisch günstig“, erklärte der Immobilienökonom. Gleichzeitig arbeiteten viele Unternehmen am Limit. Vor allem Fachkräfte fehlten.

Bei der Suche nach qualifiziertem Personal leide die Branche auch unter Ausbildungsdefiziten in der Vergangenheit. „In den Jahren nach der Jahrtausendwende wurde sehr wenig ausgebildet, und entsprechend gering ist das Arbeitskräfteangebot jetzt“, sagte Michelsen. Den Betrieben falle es zudem schwer, junge Menschen für das Handwerk zu begeistern. Nach Angaben der Handwerkskammer Berlin sind in der deutschen Hauptstadt derzeit noch 703 Ausbildungsplätze unbesetzt. Gesucht werden vor allem Gebäudereiniger, aber auch Bäcker, Elektriker, Friseure und Kraftfahrzeugmechatroniker.

Wirtschaftssenatorin Pop will Bei Fachkräftemangel gegensteuern

Der Fachkräftemangel bereite den Unternehmen zunehmend Sorge, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). „Gerade jetzt, unter wirtschaftlich stabilen Bedingungen, wollen wir mit konkreten Maßnahmen, wie dem Berufsabitur oder der Integration von Geflüchteten, den Berliner Handwerksbetrieben ein sicheres Fundament für die Zukunft bieten“, sagte Pop. Der Senat hatte dafür zuletzt das „Aktionsprogramm Handwerk 2018– 2020“ aufgelegt.

Bei der Suche nach Personal seien Studienabbrecher und Fachkräfte aus anderen Bereichen heute eine ebenso attraktive Zielgruppe wie die sonst üblichen Schulabgänger, erklärte Manja Schreiner von der Fachgemeinschaft Bau, die in der Region rund 900 Unternehmen vertritt. Viele Berufsbilder hätten sich gewandelt, so die Verbandsvertreterin. Inzwischen würden viele Arbeiten mit technischen Hilfsmitteln ausgeführt. Die zunehmende Digitalisierung sollten die Arbeitgeber bei der Suche nach Fachkräften stärker hervorheben, empfahl DIW-Forscher Michelsen.

Der digitale Wandel könnte auch dabei helfen, die Wartezeit auf Handwerker zu verkürzen: Angebote wie MyHammer und Homebell vermitteln Aufträge an Handwerksbetriebe. Firmen könnten sich verstärkt auf das Abarbeiten von Aufträgen konzentrieren, sagte Homebell-Gründer Sascha Weiler. Die Berliner Handwerkskammer sieht die Vorteile vor allem aufseiten der Kunden, die schneller erkennen könnten, welche Betriebe noch freie Kapazitäten hätten. „Das Grundproblem der fehlenden Fachkräfte können diese Plattformen aber nicht lösen“, erklärte Handwerkskammer-Präsident Stephan Schwarz.

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