Volksläufe

Wie man sich laufend für soziale Projekte engagieren kann

Sportlich aktiv und sozial engagiert: Wer an Volksläufen teilnimmt, unterstützt viele Projekte - von Oxfam bis zur Rheuma-Liga.

Teilnehmer am Halbmarathon in Berlin

Teilnehmer am Halbmarathon in Berlin

Foto: picture-alliance

„Mehr Sport treiben“ – mit diesem guten Vorsatz starten viele Deutsche in den Frühling. Zusätzlicher Anreiz für mehr Bewegung kann aber auch die Unterstützung von sozialen Projekten sein. Denn immer mehr Veranstalter lassen für die gute Sache laufen. Führend in der Hauptstadt ist der Berlin-Marathon-Veranstalter SCC Events. Dort sei das soziale Engagement seit Jahren fest im Grundsatz der Firma verankert und gelebte Praxis, heißt es.

Im vergangenen Jahr hat SCC Events durch überlassene Startplätze an offizielle Charity-Partner und weitere Spendenaktionen knapp 1,8 Millionen Euro für karitative Zwecke gesammelt. Der erste Spendenlauf des Jahres findet bereits traditionell am ersten Tag des Jahres statt. Beim Berliner Neujahrslauf geht es im lockeren Joggingtempo vom Brandenburger Tor zum Berliner Dom und zurück. „Die Teilnahme am Neujahrslauf ist kostenlos, aber bei der Startnummernausgabe sammeln wir Spenden für die Björn-Schulz-Stiftung“, erklärt SCC-Events-Sprecher Robert Fekl. „2017 kamen so 5281,18 Euro zusammen.“

Frauen unterstützen Brustkrebspatientinnen

Beim jährlichen Avon Frauenlauf werden Teile des Startgeldes an die Berliner Krebsgesellschaft e.V. gespendet. 13.312 Euro kamen so im vergangenen Jahr zusammen. Der Kosmetikartikelhersteller und Namensgeber dieser Veranstaltung stockt den Betrag immer auf 25.000 Euro auf. Diese würden an den Härtefonds für Brustkrebspatientinnen gehen, sagt Kristina Zappel, Geschäftsführerin der Krebsgesellschaft. Damit könne schnell und unbürokratisch Hilfe geleistet werden. „Mit den Spenden, die die Berliner Krebsgesellschaft erhält, schließen wir die Lücken der medizinischen Regelversorgung.“

Das größte Spendenaufkommen bescheren aber der Berlin-Marathon und der Halbmarathon. Ein knappes Dutzend verschiedener Einrichtungen können damit finanziell unterstützt werden. Von der Deutschen Rheuma-Liga e.V. über die Arche bis hin zu Oxfam Deutschland. So kommen beispielsweise knapp 900.000 Euro für „The Realbuzz Group“ zusammen, den offiziellen Charity-Partner des BMW Berlin-Marathons. Dieser Organisation überlässt SCC Events Startplätze zum Selbstkostenpreis. Das Unternehmen mit Sitz in England arbeitet mit Hunderten britischen und internationalen Charities zum Beispiel in den USA, in Kanada und Australien zusammen und bietet garantierte Startplätze für Spendensammler.

Gewinne fließen auch in den Sportbetrieb des SCC Berlin

„Dem Fernsehsender RTL stellen wir jedes Jahr 1000 Startplätze zur Verfügung“, sagt Fekl. „RTL gibt diese dann mit einem Aufschlag von 60 Euro weiter und spendet den Erlös. Wir stocken dann die Summe noch auf.“ 2017 kamen beim Spendenmarathon 75.000 Euro für die Stiftung „RTL – Wir helfen Kindern“ zusammen.

Neben der finanziellen Hilfe organisiert SCC Events auch Veranstaltungen, bei denen kein Geld verdient wird. So beispielsweise den Mini-Marathon für Schüler. Darüber hinaus fließen die Gewinne, die SCC Events erwirtschaftet, in den Sportbetrieb des SCC Berlin. SCC-Präsident Andreas Statzkowski formuliert es überspitzt: „Die Olympiasieger Robert und Christoph Harting hätte es ohne den Berlin-Marathon nicht gegeben.“

„Wir haben viele Ideen für 2018“, sagt SCC-Events-Geschäftsführer Jürgen Lock. „Das Laufen für einen guten Zweck wollen wir auf jeden Fall weiter forcieren.“ Man wolle in diesem Jahr mit Charity-Projekten in die Kieze gehen. Unter anderem will man sich gemeinsam mit Partner Adidas weiter um das Thema Spielplätze in den Stadtteilen kümmern. Mit erlaufenen Spenden sollen in Berlin noch mehr dieser Outdoor Gyms, früher hießen sie „Trimm-Dich-Pfad“, entstehen. „Da ist noch viel Luft nach oben“, so Lock.

In England gehören Charity und Laufen zusammen

Dass da noch etwas gehe, mache ein Blick nach London deutlich. In Sachen Charity und Laufen sind die Engländer führend. Der größte „Charity-Marathon“ der Welt findet in London statt. Knapp 70 Millionen Euro an Spenden brachte alleine der London-Marathon im vergangenen Jahr ein. Auf der Insel gehen aber auch ungefähr 80 Prozent der Startplätze an gemeinnützige Organisationen und Vereine. Vor dem Hintergrund eines anderen Sozial- und Gesundheitssystems als in Deutschland sei die Spendenbereitschaft völlig anders als hier, erklärt Fekl.

„Natürlich blicken wir voller Anerkennung auf die beim London-Marathon eingesammelten Spendensummen. Die dafür erforderlichen Zugangseinschränkungen wollen wir in diesem Umfang für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei unseren Events aber nicht umsetzen. Dennoch können wir bestimmt etwas von unseren Partner-Marathons in England, Japan und den USA lernen“, sagt SCC-Events-Geschäftsführer Christian Jost. „Unser Ziel ist es, vor allem Berlin und seinen Einwohnern über die Unterstützung lokaler und regionaler Charity-Projekte etwas von dem zurückzugeben, was wir von der Stadt und den Menschen hier erhalten.“

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